Eine arabische Fassade – oder über die Schwierigkeiten des Malens

arabische Stadt Urfassung a Detail a Vor ein paar Jahren war ich in Ägypten, fuhr auch nach Abu Qir, das gleich um die Ecke von Alexandria liegt. Früher war das mal eine festliche Stadt, ein schicker Badeort, jetzt aber quält es sich mühsam in die Höhe und Breite, Stock um Stock, Anbau um Anbau. Das Baumaterial der Hochhäuser ist vielleicht noch etwas brüchiger als das der Massenquartiere in Alexandria oder Kairo. Mir blieb dieser Eindruck haften, beschäftigte mich. Und so begann ich, zurück in meinem festen Steinhaus in der Mani, eine „arabische Fassade“ zu malen.

Die erste Farbskizze gefiel mir, ich hätte es dabei belassen sollen. Aber nein, ich musste mich wieder dran machen – und das Bild völlig verändern.  Nun war es nicht mehr die Brüchigkeit, die mich faszinierte, sondern die Farbigkeit der tonigen Erde, das matte Blau des Meeres, und die Schachtelung der Wohnungen. Diese Elemente lebten in meiner Erinnerung auf, als ich mich mit dem Bild beschäftigte. Und so entstand überder ersten eine zweite Fassung.

arabische Fassade 2

Arabische Fassade, 2. Fassung

Doch auch dies befriedigte mich nicht. Die Gleichförmigkeit, der Rhythmus stimmten nicht mit dem Zusammengesetzten überein, das mich an den ägyptischen Bauten beeindruckt hatte. Dreidimensional musste die Verschachtelung sein, Großes und Kleines, Altes und Neues mussten sich mischen, und die schmückenden Elemente, die geheimnisvollen Eingänge, die Markisen, die Erker durften nicht fehlen.  Und so entstand eine dritte Version über der ersten und zweiten, diese völlig in sich aufnehmend.

Immer noch fehlte mir etwas: es fehlten die Menschen. Und so siedelte ich eine Gruppe schwarz gekleideter Frauen auf einer der Terrassen an.arabische Fassade x  Arabische Fassade, Volk a

Eines Tages, als mir der gesamte Ansatz verfehlt vorkam, nahm ich einen großen Pinsel und übermalte auch diese letzte Fassung. Irgendwie tut es mir leid. Es schmerzt mich immer ein wenig, wenn ich Bilder nicht gelten lassen will und übermale. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich dazu übergegangen bin, gelegte Bilder zu schaffen, die von Anfang an nicht dafür bestimmt sind zu bleiben.

Arabische Fassade, Tor, a

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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13 Antworten zu Eine arabische Fassade – oder über die Schwierigkeiten des Malens

  1. barbarabosshard schreibt:

    unglaubliche veränderung. von dunkel zu hell in einer zeit, wo sie erschreckend oft von hell zu dunkel verläuft.

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  2. gkazakou schreibt:

    danke, Barbara. Das Bild ist aus einer Zeit, als es noch einfacher war, von Dunkel zu Hell zu denken, besonders auch in Ägypten.

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  3. afrikafrau schreibt:

    dein spontaner Entwurf, etwas marode, den finde ich genial, ungeordnet, wie es vor Ort zu sein
    scheint. Klar , die nächsten Verbesserungen sind auch sehr gut, 1 ,2. Übermalung.
    Aber sie sind clean, sauber, wie wir es gewohnt sind. Sicherlich kenne ich solche Arbeitsphasen
    auch sehr gut, Letzendlich versucht ein Maler sich weiter zu entwickeln, zu verbessern,
    Der starke Ausdruck geht damit verloren, die Spontanität des Eindruckes auch.
    Steht da ein gewisser Perfektionismus dir im Wege?? Dein ursprüngliches Bild trägt deine
    eigene Handschrift. Dies ist aussagestark. schade, dass du Schwierigkeiten hast, das
    zu zulassen. Meine Gedanken zu deinem Post, spontan geäussert ……..

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    • gkazakou schreibt:

      Richtig, Afrikafrau. Spontaneität bringt oft starken Ausdruck, Expression, aber wenig durchdachte Form. Mir ist beides wichtig. Obwohl mir die Urfassung fefällt, würde ich sie wahrscheinlich auch heute wieder überarbeiten wollen, um ihr mehr Form und Tiefe zu geben. Das ist eben die Schwierigkeit: Wo ist das Gleichgewicht zwischen Expression und Form erreicht? Jeder Maler kommt da zu anderen Ergebnissen. Bei Kandinsky zB sehen wir dieses Ringen biographisch sehr deutlich in den verschiedenen Malstilen

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  4. Myriade schreibt:

    Mir gefällt auch das erste am besten, das rosa und die vielen chaotischen Metallstreben, die aus den unfertigen Neubauten herausstehen, erinnern mich auch an Ägypten. Aber abgesehen davon, finde ich das Bild viel interessanter als das zweite, das sieht so brav aus ….

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    • gkazakou schreibt:

      Ja klar, drum hab ich die dritte Version ja auch übermalt. Um die wars mir nicht schad, wohl aber um die erste, die hin war.

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      • Susanne Haun schreibt:

        Aber du hast die Abbilder von allen Stationen deiner Arbeit, Gerda. Das ist doch auch schon was. Vielleicht stellst du die ersten expressiven Versionen, die du erstellst , erstmal verkehrt herum an die Wand und drehst sie erst nach einer Woche wieder um. Durch den gewonnene Abstand vom Bild kannst du eine Entscheidung treffen : fertig oder weiter.

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  5. Maren Wulf schreibt:

    Sehr spannend, wie du von deinen Malprozessen erzählst, Gerda!

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  6. afrikafrau schreibt:

    wie gross ist dein Bild Gerda, Acrylfarben??? Ölfarben???? Die Farben gefallen mir sehr gut,
    Lichteffekte, also heller als der Entwurf, was würde wohl ein neues, mit gleichem Motiv gemaltes
    Bild heute ergeben?

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Afrikafrau: Ich male mit Akryllpigmenten und Kleister uaf Leinwand. Die Größe dürfte 70 x 100 sein, denn so malte ich damals. Wie ich heute dasselbe Motiv malen würde? Keine Ahnung. Ich jönnte es ja mal ausprobieren🙂

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  7. waehlefreude schreibt:

    Die erste Fassung ist für mich die Lebendigste; was dann folgt, ist für mich eine Art Verarbeitung und ein wenig Harmoniesucht. Die gesamte Sequenz gefällt mir aber.

    Liebe Grüße,
    Frank

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  8. gkazakou schreibt:

    Dankeschön, waehlefreude! „Harmoniesucht“ finde ich aber etwas übertrieben. Nenn es einen Versuch, verschiedene Aspekte in Einklang zu bringen.

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