Impulswerkstatt: Bild 2 (Hut). An ihrer Mütze sollt ihr sie erkennen

Dies ist nun schon mein dritter Beitrag zu deinem zweiten Foto, liebe Myriade. Du hattest angeregt, eine Geschichte des Huts bzw der Kopfbedeckung zu schreiben. Das wäre eine zwar viel versprechende, zugleich aber auch gigantische Aufgabe. So kam ich auf die Idee, ein winziges Zipfelchen dieser Geschichte zu beleuchten, und zwar anhand des Anblicks, der sich in der historischen Altstadt von Kalamata bietet.

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Um mit dem einfachsten zu beginnen: auf dem Hauptplatz der Altstadt von Kalamata gibt es ein kleines Geschäft mit einer großen Auslage an Hüten. Dahinter sieht man ein Wandbild des lokalen Malers Skitsofrenis: vier Köpfe von Freiheitskämpfern des beginnenden 19. Jahrhunderts – alle vier selbstverständlich behütet oder meintwegen auch betucht.

Von dem Hutgeschäft haben mein Mann und ich schon gelegentlich eine Kopfbedeckung mitgenommen. Die Assoziationen, die einem bei diesen Hüten kommen, sind wenig präzise. Ich könnte sie keiner berühmten Schönheit zuordnen. Die meines Mannes haben immerhin gewisse Ähnlichkeit mit denen sizianischer Ganoven oder auch der Baskenmütze von Che Guevara. Ihre Hauptfunktion ist, den Kopf gegen Sonne und gelegentlich auch gegen Regen zu schützen.

Die Köpfe der griechischen Freiheitskämpfer sind sozusagen ein Markenzeichen der Altstadt, man sieht sie von überall. und so finden sie sich auch auf meinen Skizzen .

Und nun zur Geschichte der Kopfbedeckungen dieser Helden: Bei den Kämpfern von 1821 kann man grob folgende Typen unterscheiden:

  • Am verbreitesten war das Fesi (rotes Fes), das von allen Aufständischen – den Kleften (Dieben), Armatolen (Waffenträgern) und den Inselgriechen getragen wurde. Es handelt sich um eine kegelförmige Mütze als Filz oder Wolle (dritter Kopf von links), oft geschmückt mit einer dunkelblauen Seidenquaste wie bei dem kleinen säbelschwingenden Helden des obigen Wandgemäldes.
  • Eine besondere Rolle spielte die phrygische Mütze, über die ich mich in anderen Zusammenhängen schon ausgelassen habe, zB anlässlich einer Grabplatte im Lybecker Dom (hier). Sie ist auf dem Bild nicht vertreten.
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    Grabplatte im Lübecker Dom

    Ursprünglich ein zur Mütze umgearbeiteter Stier-Hodensack und Kopfbedeckung der asiatischen „Barbaren“, wurde die phrygische Mütze zur symbolischen Kopfbedeckung des thrazischen Sängers Orpheus und des Orphismus,  später auch des aus Persien importierten Mithras-Sonnenkultes der römischen Legionäre.  Die französischen Revolutionäre des 18. Jahrhunderts adoptierten sie als Jakobinermütze. Heute sieht man sie auf den Köpfen von Gartenzwergen und Schlümpfen, und kaum jemand ahnt, woher sie einstmals stammten. — Obgleich aus dem griechischen Kulturraum stammend, waren es Philhellenen (also Griechenlands Freiheitskampf unterstützende Ausländer), die die phrygische bzw Jakobiner-Mütze mitbrachten. Weich und von konischer Form, mit vorn eingeklappter Spitze symbolisiert sie ganz allgemein den Kampf gegen Tyrannei.

  • Die Inselgriechen trugen meist fest am Kopf anliegende gestrickte dunkle Wollmützen. Diese Mützen sind die Vorläufer der Griechischen Elbsegler- oder Prinz-Heinrich-Mützen – Üblich bei den Inselgriechen waren aber auch rote Fese, die mit einem langen schwarzen Schal umwunden wurden.
  • Die Inselgriechen trugen auch breitkrempige Hüte gegen Sturm und Wind.
  • Die reichen Schiffseigner und Admirale bevorzugten pelzverbrämte Mützen – so wie  der Kopf links auf dem Wandgemälde.
  • Das traditionelle griechische Kopftuch (Sari oder Mandili), zu einer Art Turban geschlungen, war die Alltags-Kopfbedeckung im Kampf, denn es gab den besten Schutz gegen Sonne und Regen. Der Führer der Revolution Theodoros Kolokotronis trug es ebenfalls, auch wenn er meist in einem ursprünglich englischen goldverzierten Helm portraitiert wurde und wird. An dem charakteristisch geschlungenen Tuch erkennst du Kolokotronis (ganz rechts im Wandgemälde).
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Die 5000-Drachmen-Note nach einer Zeichnung des bayrischen Offiziers und Malers Karl Krazeisen (ca 1827-8).

Nach diesem kleinen Ausflug in die Geschichte kehre ich zurück zum historischen Platz von Kalamata ….

 

und verabschiede mich mit dem ganz unhistorischen zeitgenössischen Triptichon

kopflos- hutlos – behütet

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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4 Responses to Impulswerkstatt: Bild 2 (Hut). An ihrer Mütze sollt ihr sie erkennen

  1. Avatar von Hiraeth Hiraeth sagt:

    Interessanter Ausflug in die Weld der Capeaus

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  2. Avatar von hibouh hibouh sagt:

    Das letzte Foto ist nett 🙂 Der Beitrag profund. Nota bene: der Fez ist die traditionelle Kopfbedeckung der muslimischen Maenner (bei uns von Atatürk verboten)

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  3. Avatar von hibouh hibouh sagt:

    aber merke: „der Dich behütet, schlaeft nicht…“ 🙂

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  4. Avatar von Ola Ola sagt:

    Sehr schöner Beitrag. Da stimmt alles.

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