Impulswerkstatt Bild 1. Meduse

Das ist ein wunderbares Foto, liebe Myriade, und eigentlich viel zu schön, um noch irgend etwas daran zu spinnen. Unglaublich, wie aus der geschlossenen Form das Innenleben herausblüht und sich entfaltet.

Ich bevorzuge das Wort Meduse gegenüber dem geläufigeren Qualle für dieses eindrucksvolle Lebewesen. Denn Qualle ist irgendwie abscheulich:  sie erschreckt den Schwimmer, brennt womöglich, und jeder ist froh, ihr nicht zu begegnen. Als Kinder lieferten wir uns Quallenschlachten, bis der Strand mit ihren zerfetzten glibbrigen Leibern bedeckt war. Meistens handelte es sich um die unschuldigen durchsichtigen Quallen, denn Feuerquallen waren in der Ostsee zum Glück eher selten.

Das Wort Meduse, das „in der Biologie der wissenschaftliche Name für die Qualle bzw das frei schwimmende Lebensstadium von Nesseltieren“ ist (googleKI), ist freilich auch nicht ohne Schrecken. Ganz im Gegenteil. Denn im griechischen Altertum steht es für eine der drei Gorgonen, die jeden, der sie ansah, zu Stein erstarren ließ. Sie galt als Monster, Spross der Meeresgottheiten Phorkys und Keto. Der römische Dichter Ovid machte aus ihr eine wunderschöne Priesterin der Athene, die von Poseidon vergewaltigt wurde. Da Athene den Täter nicht bestrafen konnte, bestrafte sie das Opfer, verwandelte Medusas Lockenpracht in Schlangen und sie selbst in ein Scheusal. Der Held Perseus, im Töten von Ungeheuern geübt, wurde beauftragt, der Medusa den Garaus zu machen, was ihm mithilfe eines spiegelnden Schildes auch gelang. Er sah sie nur im Spiegel seines Schildes, wurde daher nicht zu Stein und erschlug sie, während sie schlief.

Medusa wurde zur Quelle unserer abendländischen Dichtung: Das Dichterpferd Pegasos entsprang ihrem blutenden Halsstumpf.

den Pegasus reiten, in grün

Ich selbst habe der Meduse keine solchen grandiosen und gruseligen Geschichten angedichtet, sondern sie mitsamt ihren Meeresgeschwistern als freundlich-transparentes Wesen abgebildet. …

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Oder, wie ich in einem früheren Eintrag schrieb: „Und so zeige ich weder den Nix mit den grünen Glubschaugen noch auch die schreckliche Medusa, die zu Stein erstarren lässt, wer sie ansieht. Ich bleibe in der harmlos-transparenten Welt der Undinen, Nixen und Najaden. Ihr Name sei Wellgunde, Woglinde und Floßhilde, wie die Rheintöchter, die durch ihren Zaubergesang so manchen Opernfreund begeistert haben. Mit ihnen schwimmt der inzwischen arg verrostete Ring der Nibelungen“.  (mehr dazu hier)

Auch in einem Legebild, das einer meiner kleinen Kunsttherapie-Besucher legte, kann man eine Medusa finden.

Ob die andere Figur, die er in derselben Stunde legte, der Perseus ist, möchte ich nicht beschwören.

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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2 Responses to Impulswerkstatt Bild 1. Meduse

  1. Avatar von Myriade Myriade sagt:

    Ja, ich bin auch ganz verliebt in dieses Foto, die Schleier und Spitzen und die Schärfe obwohl es durch eine Glasscheibe und schmutziges Wasser aufgenommen wurde.
    Dass der Pegasus dem Halsstumpf der Medusa entsprungen ist, wusste ich nicht. Das gibt ja der Figur eine bisher ungeahnte Dimension. Sehr spannend !
    Toll wie transparent und schwerelos-schwimmend deine Legefiguren sind ! Vielen Dank für diesen Beitrag!

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  2. Solche Wesen lassen ahnen, wieviele nur denkbare Lebensformen es geben kann. Wenn wir, die Astrobiologen, ins Weltall schauen, müssen wir inmer vor Augen haben, unsere Vorstellungen nicht zu begrenzen
    Immerhin: Solche Prozesse wie Atmung sind universell Kein Lebewesen ohne Austausch.

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