Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das V. Als erstes fiel mir Vogelbeere ein, und ich wäre trotz des Regens rausgegangen, um welche zu suchen, wenn es hier welche gäbe. Aber Ebereschen lieben unser attisches Klima nicht und sind nur in Griechenlands Norden zu finden. Dann fiel mir das Vorhängeschloss ein, doch fand ich keins, dann Vorratskammer, Vorhang und zuletzt Varta-Batterie. Dummes Zeug. Vielleicht Valsamiko-Essig? Aber der schreibt sich im Deutschen wohl mit B.
So irrte ich suchenden Auges durch die Wohnung, bis mir eine kleine blaue Vase auffiel. V wie Vase! Natürlich! Wie borniert kann man eigentlich sein?
Die Vase ist aus blauem geblasenem Glas, darinnen stehen kunstvoll aus Metall gegossene Stängel mit Blättern und zierlichen Blüten aus .. keine Ahnung, woraus. Eine alte Dame schenkte sie mir einst, als ich selbst noch keine alte Dame war. Ich war sehr gerührt über das kostbare Geschenk und bedankte mich artig. Seither steht es wenig beachtet auf einem Regal.
Heute stellte ich sie neben mich auf die Schreibtischplatte, die mit grünem Filz und Glas bedeckt ist, und machte mich daran, sie in das Kalenderbuch zu zeichnen.
Soll ich noch etwas über Vasen erzählen? Vielleicht dies: das Wort bedeutet „Behälter, Gefäß“ und kommt aus dem Lateinischen. Von dorther wurde es ins Neugriechische entlehnt. Wenn man also von griechischer „Vasenmalerei“ spricht, ist das historisch nicht korrekt. Die griechischen „Vasen“ bezeichnete man damals als κέραμος/keramos, daher auch das Wort Keramik. Je nach Form und Verwendungszweck hießen sie Amphore, Krater, Hydria, Lethykos, Kylix oder Skyphos – kurzum, es ist eine ganze Wissenschaft, all die Formen auseinander zu halten. Für die griechische Wirtschaft waren diese Vasen von großer Bedeutung, sie wurden nicht nur für die Aufbewahrung von Nahrungsmitteln und der Asche der Verstorbenen, das Feiern von Festen und das Darreichen von Trankopfern benötigt, sondern auch mit großem Erfolg in alle Ecken der damals bekannten Welt exportiert.
Gab es im antiken Griechenland schon Glas? Ja, seit der späten Bronzezeit (mykenische Kultur, ab 1 300 v. Chr.) finden sich kleine Glasperlen und winzige Ziergegenstände als Grabbeilage. Erst im Hellenismus (4.-3. Jahrhundert v. Chr.), mit dem ausgebauten Ägyptenhandel, verbreiten sich Alltagsgeräte aus Glas, zB Salbentöpfchen und Parfumfläschchen für die schönheitsbewusste Dame. Im ersten vorchristlichen Jahrhundert wird in Sidon, im heutigen Süd-Libanon, die Glasmacherpfeife erfunden. Die Römer übernehmen die Technik der Glasbläserei, und so beginnt die Massenherstellung von gläsernen Gegenständen.
Übrigens habe ich das Väschen schon einmal vorgestellt, unter „Gingernilli 30„. Dort gibt es auch ein Foto davon.
