Tagebuch der Lustbarkeiten: Ortsveränderung (von Sonnenaufgang bis -untergang)

Heute morgen begrüße ich das erste Morgenrot über den Ausläufern des Taygetos. Das Rot ist von Rauchschleiern durchsetzt, denn jetzt ist die Zeit, in der die Bauern das abgeschnittene Gezweig der Olivenbäume und leider oft genug auch sonstigen Müll verbrennen. (Foto 7.32 Uhr, Ausläufer des Taygetos-Gebirges, Messenien)

Als wir später mit voll gepacktem Wagen Richtung Norden fahren, begleiten uns diese Rauchsäulen noch eine Weile. Dann klart es völlig auf. Weiße Windräder krönen die arkadischen Gebirgskulissen, regungslos stehen sie gegen den hellen Himmel, denn es geht kein Lüftchen.

Es geht an Tripoli vorbei nach Nemea und weiter nach Korinth. In der Region gibt es ausgedehnte Weinfelder, viele wurden erst in den letzten Jahren angelegt, dazu auch Plantagen mit jungen Olivenbäumen. Die Felder sind ordentlich aus der Macchia, die die Hänge bedeckt, herausgeschnitten. Auf den fernen Gipfeln liegen Schneereste, der Himmel strahlt blau.

Vom Isthmos bis nach Athen begleiten uns die Berge als nackte, harte Kulissen, belebt nur von den Wolkenschatten, die drüber gleiten. Im hellblau glänzenden vollkommen stillen Saronischen Golf dümpelt eine Flotte von Erdgastankern – man erkennt sie an den hohen Aufbauten – und wartet auf neue Aufträge.

Angekommen in Maroussi, gehe ich gleich auf den Balkon.  Zwei zerbrochene Blumentöpfe liegen samt Erde am Boden, und der Blick hinüber zum Parnitha-Gebirge wird nicht mehr wie gewohnt von den Ästen der großen Pinie im Nachbarsgrundstück behindert. In unserer Abwesenheit wurden sie säuberlich abgesägt. An den neuen Anblick muss ich mich erst gewöhnen: einerseits ist die Küche heller und der Blick geht weiter hinaus, andererseits fehlt das schützende Gezweig, und die Ringeltauben, die ich dort so oft beobachtet habe – wo sind sie nun? (Foto 17.42 Uhr, Maroussi, rechts die beschnittene Pinie, Ausläufer des Parnitha-Gebirges)

Der verkrüppelte Wipfel der anderen Pinie ist uns erhalten geblieben (Sonnenuntergang 17.43 Uhr, Maroussi, Attika)

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Responses to Tagebuch der Lustbarkeiten: Ortsveränderung (von Sonnenaufgang bis -untergang)

  1. Avatar von Lopadistory Lopadistory sagt:

    Sehr stimmungsvoll beschrieben …

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  2. Avatar von rumiko rumiko sagt:

    Noch brauche ich die Zeit, den Artikel genauer lesen, sorry, die Fotos sind eindrucksvoll, schön!!

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  3. Nun habt Ihr dafür einen wunderschönen hellen Ausblick, liebe Gerda!

    Die Ringeltauben haben bestimmt einen anderen schönen Platz gefunden.

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