Tagebuch der Lustbarkeiten: ein Tag mit Erstleistungen und Wiederholungen

Ich will einfach mal von meinem heutigen Tag ein bisschen plaudern.

Am Vormittag wollte ich mir die drei Bilder zurückholen, die ich beim letzten Athen-Aufenthalt in eine Gruppenausstellung getan hatte. Ich hätte auch an einer zweiten Ausstellung teilnehmen können, hatte dazu aber keine Lust. Nicht zweimal dasselbe, bitte! Das war die erste Erstleistung: Entschlossen Nein zu sagen.

Die Bilder befanden sich bei Aphrodite, die die Ausstellung organisiert hatte (die Dame mit dem Mikorfon, neben zwei meiner Bilder). Sie wohnt in einen östlichen Vorort Athens. Um mich nicht zu verfahren, benutzte ich erstmals die App von Google. Eine freundliche Stimme sagte mir an, wann ich wo abbiegen solle etc, aber leider höre ich trotz Hörgerät schlecht und musste das Handy in einer Hand nahe am Ohr, die andere Hand am Steuer, die Strecke bewältigen. Was mir gelang.

Aphrodite hatte Besuch von einer weiteren Maler-Kollegin, die ich nicht kannte. Zusammen tranken wir einen honig-gesüßten Tee und unterhielten uns über jetzt und früher. Ich kannte Aphrodites Mann Giorgos Sardis, bevor sie ihn kannte. Er war der Initiator der Künstlergruppe Art Way, und als er plötzlich starb, setzte sie seine Arbeit entschlossen fort. Ein großes Bild, das offenbar von ihm stammte, mit einem weiblichen Relief – ähnlich den Galionsfiguren an Schiffen – weckte meine Aufmerksamkeit. Ich sah es erstmals und fotografierte es.

Zurück benutzte ich die Autobahn, da brauchte ich keine Google-Anweisungen. Unterwegs hielt ich bei einem neuen gut sortierten Minimarket und kaufte dort erstmals ein, unter anderem den köstliche Rotwein, den ich jetzt trinke. 

Wieder daheim, kochte ich den großen Blumenkohl, den ich im Mani-Baktze hatte heranwachsen lassen und den ich erntete, als wir gestern von dort nach Athen aufbrachen. Es ist der erste selbst gezogene Blumenkohl! Bzw er war es, denn wir haben ihn zusammen mit Spiegeleiern und Pommes vertilgt.

Dann zog ich wieder los, parkte das Auto etwas abenteuerlich auf einem Gehweg (erstmals! – aber bitte nicht schimpfen, den Weg kann eh niemand benutzen) und nahm die Metro ins Stadtzentrum.

Am Monastiraki wechselte ich in das grell bemalte Elektriko, das eigentlich dasselbe wie die Metro ist, aber älter. Wie so oft rätselte ich darüber, warum sich die Metro so sauber und gutbürgerlich, der Elektriko aber chaotisch und proletarisch anfühlt.

In Petralona unterhalb der Akropolis stieg ich aus, eine Freundin zu besuchen. Ihr Mann öffnete die Tür, denn sie war noch im Bad. Als sie herauskam, mit feuchtem lockigem Haar, strahlte sie mich an. Ich freute mich! Denn sie konnte wieder lachen und sah so schön aus. Eine Reihe Zähne, die sie hatte aufgeben müssen, waren durch neue ersetzt worden. Nichts hebt doch das Selbstbewusstsein mehr, als ein intaktes Gebiss zu haben!

Als ich auf dem Rückweg erneut am Monastiraki umstieg, steckte ich die Nase aus der Station und sah die üblichen Menschenmassen auf der Suche nach Vergnügungen über den Platz treiben. (Dies ist ein älteres Foto. Im Hintergrund sieht man die alte Moschee, die ein Keramikmuseum wurde, das aber seit einiger Zeit geschlossen ist.)

Einen Moment dachte ich daran, mich ins Gewühl zu stürzen, aber dann befiel mich eine große Müdigkeit (nicht zum ersten Mal). Wozu sollte das gut sein? Und so ließ ich mich von der Rolltreppe zwei Stockwerke in den Untergrund transportieren, um heimzufahren.

Als ich aus der Metro kam, sah ich den neuen Sichelmond am Himmel stehen. Und freute mich, wie immer, wenn ich ihn zum ersten Mal sehe – auch wenn das jeden Monat einmal geschieht.

Die Freude des Beginnens, des Erstmaligen – wodurch erklärt sich die?

Manches aber wird erst durch die Wiederholung süß.

 

 

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Alltag, Architektur, Fotografie, Leben, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Responses to Tagebuch der Lustbarkeiten: ein Tag mit Erstleistungen und Wiederholungen

  1. Avatar von wildgans wildgans sagt:

    Schöner Tag eines eigensinnigen Menschen!

    Gefällt 3 Personen

  2. Wie gut der Sichelmond am Himmel nach dieser ganzen Odyssee! Es ist wie ein LICHTblick und wie ein großes Aufatmen danach!🌌🙏

    Gefällt 2 Personen

  3. und dann ging ein schöner Tag zu Ende, liebe Gerda…
    Nun mußte der Blumenkohl doch daran glauben *g*
    Es war doch der, von dem Du geschrieben hast, daß er ein wenig rosa aussehen würde?

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu Gisela Benseler Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..