Im Bazar (Fotos und Skizze mit Überblendung)

Heute war ich im Bazar auf der anderen Seite der Stadt. Freundin W betreibt dort einen Stand – sie fertigt und verkauft Schmuck. Eigentlich ist sie Schauspielerin. Sie war es denn auch, die die Idee hatte, eine Theatertruppe mit Behinderten, deren Anverwandten und Freunden zu bilden. Mehr als eine Idee ist es noch nicht – die Zeiten sind nicht grad förderlich.

Die einzelnen Lagerräume mit dem Platz davor werden vermietet. Einige stehen leer.

W nun meinte, dass dieser 50m2 großer Raum gerade das Richtige für unser Theatervorhaben sei – und den wollte ich mir heute bei Licht und in vollem Betrieb anschauen. Bei Nacht kannte ich ihn schon und fand das Ambiente eher gruselig.

Nur donnerstags belebt sich der Bazar. Nun, interessant war es heute schon.

Im Bazar, einem recht primitiven überdachten Bau, der nichts von dem Charme der berühmten Bazare des Orients hat,  bieten vor allem Roma aus dem benachbarten Lager ihre Massenware an: billige Kleidung, Tischtücher, Schuhe, Kunstblumen, Krimskrams.

Vor Tagesanbruch kommen sie und laden ihre Waren aus, dekorieren, arrangieren. Als ich am späten Vormittag ankam,  wimmelte noch viel Volk durch die Gassen des Bazars. W begrüßte mich herzlich, aber ihr Ausdruck verhieß Sorgen. Ja, sie hatten wieder bei ihr eingebrochen – das siebte Mal – und ihr ganzes wohl geordnetes Lager verwüstet. Stundenlang hatte sie in der Früh gearbeitet, um jedenfalls an ihre Sachen ranzukommen. Ihren Schmuck schleppt sie jedesmal heim, aber sie verkauft auch Kleidung, und ihr Lager war wohl gefüllt.  Die Polizei weiß von diesen Einbrüchen. Die künftigen Diebe würden dort angelernt, gaben sie lapidar als Erklärung an.

So sah das Lager aus, als ich kam. Auch die umliegenden Lager hatte es erwischt. Ob sie dennoch hier bleiben wolle? Ja, solange sie ihre Kosten decken und ihren Lebensunterhalt bestreiten könne. O ja, W ist eine Kämpferin. Aber ob das nun grad der richtige Ort für unser Vorhaben mit Behinderten ist? Ich habe so meine Zweifel.

Ich saß dann noch ein wenig an ihrem Stand, betrachtete die Menschen, von denen manche durchaus malerisch anzusehen waren, und machte eine schnelle Skizze.

Die überblendete ich dann mit einem ähnlichen Fotoausschnitt und erarbeitete etliche digitale Varianten, so auch diese.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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15 Antworten zu Im Bazar (Fotos und Skizze mit Überblendung)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Für die Behinderten ist das wohl nicht der richtige Ort. Aber daß hier überhaupt etwas möglich wird, ist schon erstaunlich. Manche Menschen sind zu bewundern.

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Deine Zeichnung mit Überblendung sieht doch gut aus.

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  3. Ist das normal dort, wird bei den Anderen Verkäufer/innen auch eingebrochen? Das ist echt schlimm! Aber sicher ist daß nicht der einzige Ort, wo eingebrochen wird!😏😔

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    • gkazakou schreibt:

      Beides ist richtig: auch bei anderen wird eingebrochen (diesmal traf es die Ecke meiner Freundin mit fünf Läden). In unser Haus wurde auch schon dreimal eingebrochen. So wird ein gewisser Ausgleich zwischen Eigentümern und Habenichtsen hergestellt. 😉 Das Ärgerlichste ist der Vandalismus, der leider damit einhergeht.

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  4. kopfundgestalt schreibt:

    Vandalismus..
    das WAR und ist IMMER das Ärgste…vor allem wenn öff. Kunst geschändet wird.
    Gestern oder vorgestern schrieb ich über ein Haus, das ich oft besuchte, du weisst. Auch da wurde eingebrochen (ab und an).

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  5. Ein Bild der Zerstörung haben sie hinterlassen, Gerda. Schlimm sieht es aus.

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  6. sonnenspirit schreibt:

    Mich interessiert, dass du ein benachbartes Roma-Lager erwähntest. Sind die Menschen da freiwillig in diesem Lager, oder was hat es damit auf sich? Ich kann mir das jetzt nur vorstellen,wie ein Flüchtlingslager. Und wie kommen sie dahin?

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    • gkazakou schreibt:

      Es ist freiwillig. Sogar mehr: die Gemeinde hat eine zwar primitive, aber neu gebaute feste Wohnanlage für die Roma zur Verfügung gestellt, aber da wollen sie nicht sein, denn es ist abseits von Arbeit und Verkehrsverbindungen. Sie ziehen ihr eigenes Lager vor, das sich eben dort am Rande der Stadt, aber nicht außerhalb befindet und gut angebunden ist. Die anderen Anwohner möchten gerne, dass sie verschwinden, denn die Anwesenheit der Roma vermindert den Wert ihrer Immobilien und macht ihr Leben unsicherer.
      Versteh mich nicht falsch. ich habe eine große Sympathie für die Roma, habe auch ein Roma-Patenkind. Aber sie sind in gewisser Weise outlaws und spiegeln dies auch iin ihrem eigenen Verhalten wider.

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      • sonnenspirit schreibt:

        Oh ja, ich verstehe es. Hier gibt es auch einen Ort, an dem sich viele Familien angesiedelt haben, allerdings wohl durch den Erntehelferbedarf der Bauern hergekommen, kaufen sie nun auch Häuser und leben auf ihre eigene Weise, die auch andere ausschliesst. In der großen Schule gibt es viele Probleme mit ihnen. Mei e Schwester wohnt in der Nähe und so bekomme ich das mit. Wenn jemand mit langen bunten Röcken rumläuft, bin das nur ich. Oder die Romafrauen…
        Was mir dazu einfällt, sind die Chinesen, die den Stämmen auf dem Berg , „den letzten Armen“, neue Häuser gebaut hat, die sie nicht bewohnen können, weil sie weitab ihrer Felder liegen, weil sie kalt und falsch im Wind gebaut sind,…eben ohne Kenntnis der örtlichen Gegebenheit. Insofern ist von Obern Bestimmtes für Alle immer verkehrt! Andrerseits gibt es diese Ausgrenzungen und man möchte sich lieber selbst versorgen als von denen abhängig werden. Weiss man ja was dabei herauskommt.

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