24.1.2021 Will.i und Pangaia.

Vorspann für dich, falls du nur mal ab und zu hier hereinschaust: Will.i ist der Name des am 1. Januar geborenen Jahres 2021. Wie Will.i zu seinem Namen kam, liest du >>>hier. 

Am 31.Dezember wird er hundertjährig sein und unsere Welt verlassen. Das bedeutet, dass bei ihm ein Tag 3-4 Monaten unserer Lebenszeit gleicht. Verrückt? Ja, kennst du denn nicht das Gedicht von Ringelnatz: „Ein ganzes Leben“?

 


24.1.2021 Will-i und Pangaia

Heute schaute mir Will.i über die Schulter, als ich die Beiträge meiner Blogfreunde las. Sein Blick fiel auf ein starkes junges Frauengesicht, das merkwürdigerweise schwarz war.  Seine Neugierde war sofort wach: „Wer ist das? Sie sieht nett aus. Aber warum ist sie schwarz?“ – „Das ist eine African lady, eine Ärztin, die in Afrika lebt.“

„Afrika?“  – „Ja, das ist ein riesiger Kontinent, einer von sechs oder sieben Kontinenten.“ – „Ist ein Kontinent so etwas wie die Mani?“ Ich lache. Denn ja, die Mani ist auch eine Art Kontinent, so eigen und für sich, als ob das Weltgeschehen hier nur als fernes Echo aufschlüge.

„Kontinent“, sage ich, „nennt man zusammenhängende große Landmassen, die von einem Meer eingeschlossen sind. Und davon gibt es genaugenommen fünf: Euroasien, Afrika, Amerika, Australien und die Antarktis. Aber meistens zählt man sieben, denn man trennt Asien und Europa, als ob es ein Meer dazwischen gäbe –  gibt es aber nicht -, außerdem zählt man Nord- und Süd-Amerika gesondert, obgleich sie eigentlich zusammenhängen.“

Will.i schaut mich leicht verwirrt an.  „Und was gilt jetzt?“ will er schließich wissen. „Ich weiß nicht“, sage ich zögernd. „Ganz früher gab es nur einen Kontinent, der hieß Pangäa: All-Erde. Unser aller Mutter Erde.Und rundum war das Meer.

Willis Werk vom 3.1.2021

Pangaia brach in Stücke auseinander, erst in zwei, dann in mehrere, große und kleine. Auf jedem Stück entwickelte sich das Leben ein wenig anders, denn es herrschte auch verschiedenes Klima. Doch auch das Klima änderte sich mit der Zeit. Wo es mal heiß war, wurde es kalt, wo ein Meer war, ragen nun Gebirge in den Himmel, wo ein Urwald wuchs, entstand eine Wüste.

Wie soll ich dir das nur erklären! Du bist jetzt ein Kind und wirst in einem Jahr nicht mehr sein. Ich bin eine alte Frau, lebe seit ein paar Jahren und werde bald nicht mehr sein. Aber die Erde, die gibt es schon soooo lange, Millionen und Millionen Jahre lang.  Auch die Erde war mal jung, erst ein ziemlich wildes Kind und eine junge herrliche Frau, und nun ist sie schon ein bisschen alt, unsere Mutter Erde. Auch sie wird einst nicht mehr sein, aber bis es soweit ist, das dauert noch ne gute Weile. Inzwischen sorgt sie für all die Pflanzen

und Tiere

und Menschen, Millionen und Milliarden Menschen, manche sind schwarzhäutig wie diese junge Frau, andere sind weiß wie ich, andere wiederum sind braun oder sie haben rotbraune Haut. Also wie die Haare. Magda hat rotes Haar, aber das Haar von Tania ist schwarz und das von Dimitra braun. Petros hat gar keine Haare mehr. Wir sind verschieden, aber doch alle irgendwie gleich, nicht war? Wir sind alle Menschen. Max ist anders. Der ist ein Kater. Und der Hund, der auch Max heißt, der in dem Stall bei der alten Frau, der ist wieder anders als wir und als der Kater. Aber obgleich wir alle verschieden sind, sind wir doch auch wieder gleich, denn wir haben Schmerzen oder freuen uns, wir haben Hunger und wir mögen es, gute Sachen zu essen  und eine warme Ecke zu haben…..“

 

Ich merke, dass Will.i nicht mehr richtig zuhört. Er druckst rum, sagt schließlich: „Ich bin auch anders, oder?“ – „Ja und nein, kleiner Will.i. Du bist eines von den Millionen und Abermillionen Jahren, die die Erde schon erlebt hat, und  du bist unter diesen Abermillionen ein ganz ganz besonders Jahr. So wie ich unter den vielen Menschen ein ganz besonderer Mensch bin. Jeder ist irgendwie ganz besonders. Du lebst hier und jetzt in der Mani, in Griechenland, am Meer, hier bist du auf die Welt gekommen – aber wer weiß, wo du noch rumkommst, vielleicht wirst du ja mal zu dieser Dame reisen, die in Afrika lebt. Die will übrigens auch gern verreisen, sagt sie: nach Neu-Guinea möchte sie und zu den Pyramiden … Wer weiß, vielleicht klappt es bei ihr in diesem Jahr und ihr trefft euch auf einer ihrer Reisen. Dann grüß sie von mir und wünsch ihr viel Glück.“

Pangaia – All-Erde

Die vier oberen Bilder sind Stadien bzw Ausschnitte eines Werks, das Will.i am 3. Tag seines Lebens fertigte, indem er Farbkleckse zwischen Papier und Glasplatte verrieb. Link >>>hier. 

„Pangaia“ ist eine digital bearbeitete Schwarz-weiß-Zeichnung von 2018.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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17 Antworten zu 24.1.2021 Will.i und Pangaia.

  1. Werner Kastens schreibt:

    Das Pangaia- Bild ist sehr beeindruckend. Je nach Blickdauer. und -winkel

    Gefällt 4 Personen

  2. Werner Kastens schreibt:

    … sieht man Mutter Erde, das Fressen und Gefressen werden, Inseln, Fische, einen Kreislauf, Echsen, Pflanzen, Wasser. Toll.

    Gefällt 2 Personen

  3. Lopadistory schreibt:

    Ein wenig finde ich will.i auch eine zweite Seite von Dir. Neugierig, forsch, unbedarft … Eine Frage steht immer im Raum; ‚will.i oder

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Großartig alles: Text und Bilder!

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  5. Melina/Pollys schreibt:

    Ich wusste es doch, du bist eine wundervolle Pädagogin äh neben der Philosophin 😁

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  6. pflanzwas schreibt:

    Ja, ich bin auch angetan von Text und Bildern, klasse!

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  7. kopfundgestalt schreibt:

    Ja, hier gehts nicht m Bockwurst und Leberkäs…

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  8. Ach, wie wundervoll sind doch Deine Erklärungen an Will.i
    Pangaia die All – Erde . Wie schön, daß Du mich daran erinnerst.
    Als die Menschen noch nichts von den anderen Erdteilen wußten …, wie fühlten dir sich da wohl? Fühlten sie sich unwohl und überlegten sie, ob es da noch anderes geben müsse?

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  9. gkazakou schreibt:

    Ich weiß es natürlich nicht, wie sich die Menschen früher fühlten, Bruni. Aber so ganz ahnungslos waren sie nicht. Afrika und Asien waren auch in der Antike Reiseziele, die „Weisen“ hatten lebhaften Kontakt nach Ägypten, Persien, Indien, auch gab es Beziehungen bis nach China und womöglich auch bis Amerika. Nur Australien und die Antarktis waren den Europäern wohl ganz unbekannt. Andererseits las ich, dass bei ostasiatischen Völkerwanderungen zB Neu-Guinea gegen 1000 v Chr von neuen Völkern besiedelt wurde. Besiedelt aber war es auch schon 10 000 Jahre vorher. Also, die Völker oder einzelne Menschen waren immer schon unterwegs, neugierig zu erfahren, was jenseits ihres engen Horizonts liegt und auf der Suche nach besseren Lebensmöglichkeiten und Wissen..

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    • Die Völkerwanderungen beeindruckten mich schon in der Schule, liebe Gerda, und die Händler, die es im Mittelalter mit ihren Schiffen bis nach China schafften, Gewürze und Pelze mit heimbrachten. Unterschiedliche Handelsrouten, die sie weit über die Meere führten.
      Von ihren Gefühlen wissen wir vermutlich wenig, nur daß sie nach besseren Lebensbedingungen und somit auch nach Wissen suchten.

      Gefällt 1 Person

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