9.1.2021 Will.i lernt Eleftheria und das Behindertenprojekt kennen

Ich kenne Eleftheria („Freiheit“) schon lange. Sie ist die Leiterin des Behindertenprojekts, von dem ich immer mal wieder erzählt habe.  Hier sieht man sie (rechts) auf einer Zeichnung von vor einem Jahr, 11.1.2020.

Heute kam sie zu mir, um ein paar Themen zu besprechen, auch konnte ich ihr Spenden in Höhe von 625 E übergeben. Will.i war sehr bei der Sache, um zu verstehen, worum es geht, wo es hakt, wie es weitergehen soll.

So ein Projekt in Bewegung zu setzen, während wir seit fast einem Jahr zum Stillstand verurteilt sind, ist nicht grad einfach. Das hatte ich Will.i schon im Vorfeld erklärt, damit er uns mit seiner Ungeduld nicht allzu sehr plagte. Aber kaum war Eleftheria da, begann er sie zu löchern:

„Hast du nun den Strom für die Werkstatt angemeldet?“ – „Ich habe drei Stromanbieter um Preise gebeten, der eine will 0.12, der andere 0.087 und der dritte 0.064 Euro pro Kilowattstunde, lieber Will.i.“ Eleftheria hatte ja keine Ahnung, worauf sie sich einließ…. „Und? Wen hast du genommen?“ „Noch gar keinen“, erklärte sie ihm geduldig. „Der eine will eine Kaution, bei zweien gibt es gestaffelte Preise je nach Verbrauch, und dann ist da auch noch das Problem der Bindung, also ob wir jederzeit aus dem Vertrag aussteigen können, falls uns der Anbieter nicht gefällt oder wir den Raum schließen müssen.“  – „Schließen müssen? Ich denke, ihr wollt aufmachen!“ – „Ja, Will.i, wollen tun wir es schon, aber können wir es denn? Wir müssen zuvor allerlei Dinge einkaufen und erledigen und brauchen auch eine Genehmigung von der Gemeinde!“ – „Ist das der, der auch die Rohre rumliegen lässt?“. Fragend sah mich Eleftheria an, und ich erzählte ihr von unserem Fund und dass Will.i verlangt hatte, den zuständigen Vizebürgermeister aufzusuchen.  Sie zuckte nur müde mit den Achseln und meinte: „Nee, da sind andere zuständig. Jedenfalls müssen wir nun Strom anschließen, sonst kommen wir mit der Renovierung nicht voran, und dann müssen wir hoffen, dass die Stiftung, die uns Geld zugesagt hat für die Geräte, das Geld auch überweist, und wenn wir die Genehmigung und das Geld haben, können wir vielleicht aufmachen. Aber sicher ist das nicht, denn momentan dürfen wir es nicht, und wer weiß, wann wir es dürfen und ob sich vorher die Ausbilder und die Behinderten impfen lassen müssen, damit wir überhaupt eine Werkstatt betreiben können. All das wissen wir momentan nicht“.

Will.i zeigte leichte Anzeichen von Verwirrtheit. Stromanschluss-Renovieren-Stiftungen-Geld-Geräte-Genehmigung-impfen… das war etwas zu viel für ihn, um es auf die Reihe zu bringen. 

„Und was tust du jetzt genau?“ fragte er schließlich eingeschüchtert. „Na ja“, meinte sie, „wir tun jetzt einfach mal so, als ob alles klappen würde: also wir streichen den Raum, dafür und für Miete und Strom reicht das Geld erst mal, wir besorgen auch gebrauchte Sitzmöbel und Tische und Regale, falls wir ein Cafe betreiben dürfen, und auch einen soliden Arbeitstisch für die Werkstatt.“-  „Und was macht ihr dann in der Werkstatt?“ fragte Will.i erleichtert, denn was eine Werkstatt ist, konnte er sich gut vorstellen. „Es gibt da verschiedene Möglichkeiten“, erläuterte Eleftheria ihm geduldig. „Wir haben da den S, der macht sehr schöne Aktenschuber, das können die jungen Leute bei ihm lernen und sie dann verkaufen, und dann haben wir die W, die macht schönen Schmuck, und die J kann mit ihr und noch zwei anderen Schmuck herstellen und verkaufen. Ich kenne die S, die ist Expertin für Seide. Früher war Kalamata für Seidenproduktion bekannt, es gibt auch noch all die Maulbeerbäume, und dafür könnten wir vielleicht auch Stiftungsgelder bekommen. –  Ja und wie ist es mit der K, die kennt sich mit Pflanzenfarben aus wie sonst niemand, hatte früher eine Weberei, ist leider pleite gegangen, Wolle können wir von den Schäfern beziehen und selbst verspinnen und färben, ich hab da so schöne Sachen gesehen, in einer Behinderten-Gemeinschaft in Deutschland  …. Ja, und der F, du weißt, der Heilpflanzen sammelt und daraus Medikamente herstellt, der könnte vielleicht auch  ……   Aber wir müssen auch einen e-shop einrichten, denn wo sollen sie ihre Sachen sonst verkaufen? Basare wird es wohl so bald nicht geben. Außerdem könnten auch die, die nicht zur Werkstatt kommen können, ihre Produkte über unseren e-shop anbieten. Aber dann müssen wir auch das Problem der Verpackung lösen, und wie wir die bestellten Sachen günstig verschicken, wir wolllen ja auch ins Ausland verkaufen….“

Das war nun ein neues Thema: E-shop. und wie man so was einrichtet und wer das machen kann und wie es überhaupt mit der Website steht, und mit unserem Logo – ich schicke den Entwurf mal zur St, vielleicht macht sie uns eins, nein, lieber nicht die St, die hat schon eins gemacht, das uns nicht so gefiel, sie wird jetzt kein neues…. –  und wann wir den Haushaltsplan fürs laufende Jahr fertig haben …

Will.i schwieg derweil und ließ uns auch beim folgenden Dialog in Ruhe. Aber seine Augen wanderten zwischen uns hin und her und in seinem Hirn arbeitete es, das konnte man sehen. „Und wie steht es mit deinem Vorschlag, das Feld, das wir zur Verfügung haben, schon mal für Gemüseanbau vorzubereiten?“ fragte ich. – „Der T will fragen, ob wir die Fräse ausleihen können, dann könnte er damit beginnen. Die Beete könnten dann der A, der F und die T bearbeiten, unter meiner Anleitung“. „Und wer holt und bringt die Behinderten?“ „Das könnte ich machen.“ „Brauchst du da keine Mitfahrer-Versicherung?“….

Am Ende resümierte Will.i: „Ihr habt ja manchmal will gesagt, aber viel öfter habt ihr könnte und können und brauchen und dürfen und müssen gesagt. Ich hab mitgezählt. Das gefällt mir gar nicht. Wenn ich etwas will, dann tue ich es auch.“ – „Ja, Will.i! Auch wir wollen, und es ist gut, wenn du uns die Stange hältst, so dass wir schließlich alle Schwierigkeiten überwinden. Es wäre doch gelacht!“

Falls Du etwas zur Realisierung all dieser schönen Pläne beitragen möchtest:

EPIKOURIOS APOLLON

Soziale Genossenschaftliche Unternehmung zur beruflichen Integration behinderter Menschen

Kalamata/Griechenland

e-mail epapollon@gmail.com

Kontonummer IBAN GR44 0171 3450 0063 4514 4492 438

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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42 Antworten zu 9.1.2021 Will.i lernt Eleftheria und das Behindertenprojekt kennen

  1. Melina/Pollys schreibt:

    Sehr mutig in diesen Zeiten so was aufzumachen, wo die Schwächsten wahrscheinlich als erstes hinten runter fallen ….

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    • gkazakou schreibt:

      Wie du sagst, liebe Melina: es ist schwierig, aber auch notwendig. Angedacht hatten wir es schon vorher, aber gestartet, durch Anmietung eines Raums, erst im August. Tja, und seither folgt ein shutdown dem nächsten und es wird immer schwieriger, sich vorzustellen, wie man jemals wieder mit geistig behinderten Menschen wird arbeiten können, die körperliche Nähe und menschlichen Kontakt mehr als alles brauchen. Ganz abgesehen von Fragen der Existenzsicherung.

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      • Melina/Pollys schreibt:

        Ich habe jahrelang als Erzieherin in der Münchner Lebenshilfe gearbeitet (eine mir sehr erfüllender Arbeit mit mehrfach geistigen und körperbehinderten Jugendliche gearbeitet. Ich weiß genau wovon Du sprichst.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke für die Rückmeldung, Melina. Bei all den Diskussionen des letzten Jahrs wird diese Personengruppe sorgfältig ausgeklammert. Es ist schlimm.

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    • gkazakou schreibt:

      Als Argument wäre allerdings anzuführen (wenn man an die Wirksamkeit und Unschädlichkeit des Impfens glaubt), dass die Sterblichkeit von geistig behinderten Menschen, die in geschlossenen Einrichtungen leben und an Covid erkrankt sind, sehr hoch ist. Eine Fortsetzung der Isolierung, um sie zu schützen, ist ebenfalls inakzeptabel.

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  2. Habt ihr auch eine PayPal Email Adresse? Das geht schneller und unkomplizierter mit der Überweisung!
    Unglaublichen was alles an so einem Projekt alles dran hängt!🤔
    Und das mit dem Shop ist super! Je mehr sich das Ganze von selbst trägt, desto besser ist es!
    Ihr könntet auch über WordPress und einer Homepage mit dem Verkauf anfangen! Über Facebook wird ja auch verkauft mit zum Bspl einem Link auf die Webseite dann!
    Vielleicht findet ihr einen Studenten, der dies kostengünstig machen könnte!
    Also ich wünsche dem Projekt ganz viel Glück und Erfolg! 🙌🍀🍀🍀🍀🍀🍀
    Liebe Grüße Babsi

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  3. Und für Will.i ist es sehr lehrreich gewesen!👌👍Vor allem, das eben auch Eleftheria davon berichtet hat!

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  4. Ingrid Spieker schreibt:

    Liebe Gerda mou * Niemand kann ein bedeutungsvolleres und gleichzeitig fröhlicheres Logo gestalten * als Du *
    Sobald wir bewegungsfrei sind * komme ich rüber zu Euch klugen * unermüdlichen * kreativen * ❤warmen Projekt-Arbeiteriinen * Möchte doch auch Will.i kennenlernen 🍀
    Eure Ingrid

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    Ich hoffe, daß vieles davon wahr wird.

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  6. TeggyTiggs schreibt:

    …ich wünsche Euch, dass Ihr alle Eure Vorhaben umsetzen könnt!!!

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  7. Myriade schreibt:

    Alles Gute für die Umsetzung dieses Projekts !! Das Legebild gefällt mir auch sehr. Ich schlage den Titel „Bürokratie“ vor, oder heißt es ohnehin schon so 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      Zu erledigende Vorarbeiten und andere Eventualitäten- so vielleicht, denn es ist ja nicht nur die Bürokratie. es gibt sehr viele Unwägbarkeiten, von denen die größte ist, wann endlich dieser Lockdown aufhört, der schon im Oktober begann, und wie dann die Bedingungen sind für solch ein Betreuungsprojekt.

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    • gkazakou schreibt:

      Wir haben ja schon zwei Alternativen: zuerst wollten wir ein Cafe-Treffpunkt mit Snacks etc für die von uns betreuten Behinderten schaffen, wo sie dann auch die Arbeiten erledigen und Geld verdienen könnten. Das ist momentan illusorisch. Also orientieren wir uns jetzt auf Werkstatt mit zwei oder drei Ausbildern und e.shop. An was anderes hast du gedacht?

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      • Myriade schreibt:

        An nichts Konkretes, ich weiß ja auch nicht wie die räumlichen Gegebenheiten sind. Ich habe nur prinzipiell gedacht, dass man Pläne anpassen kann, wenn´s sein muss. Einen online-shop aufzuziehen ist keine Kleinigkeit, abgesehen vom Informatik-Teil muss man die Dinge ja auch verschicken und eine Buchhaltung betreiben.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, ich weiß, auch das ist nicht einfach, wir suchen halt noch Lösungen. Wenn diese Kontaktbeschränkungen nicht aufhören, weiß ich wirklich nicht weiter. Wir können uns ja nicht mal frei bewegen, geschweige denn mit der Ausbildung von geistig behinderten Menschen beginnen, wo Körperkontakte unausweichlich und notwendig sind.

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    • gkazakou schreibt:

      ich teile deine Zuversicht in der Hinsicht nicht, Myriade.

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  8. Ich bewundere dich für dein Engagement!

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  9. Das sagen fast alle sozial engagierten Menschen.

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  10. Johanna schreibt:

    Danke für diesen wunderbaren, vielschichtigen Beitrag… ja diese Ungewissheit wie die Einschränkungen weitergehen ist lähmend. Ich wünsche Euch all die richtigen Menschen und Hilfen, dass es trotzdem klappt!!

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Johanna. Ihr habts auf eurer Insel ja auch nicht grad bequem dieser Tage….Gute Wünsche auch euch!

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    • gkazakou schreibt:

      Oder auch Promies – Berühmtheiten. Bei uns bereitet man Luxusquartiere samt G5 vor für „digital nomades“ aus eurem Brexit-Land.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja. Ich las davon in der Broschüre, dass man auf diese Brexit-Flüchtlinge mit dem leichten Gepäck und dem dicken Konto ganz besondere Hoffnungen setzt. So wie in Zypern auch.

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    • gkazakou schreibt:

      Sicher. „Investoren“ können die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes kaufen. An dem Programm Goldenes Visum“ sind bereits 20 EU-Länder beteiligt, die erforderlichen „Investitionen“ (zB eine Residenz kaufen oder einfach nur einen Betrag an die Staatskasse abliefern) liegen zwischen 13 500 und 3 Millionen, je nach Land. Die neuen Staatsbürger brauchen nicht hier zu wohnen, sie dürfen etwa 4 Monate in der EU herumreisen etc. Die einzige Sorge, die die EU hat, ist, dass es sich womöglich um Geldwäsche und kriminelle Subjekte handeln könnte – was selbstverständlich nicht auszuschließen ist 😉 . Übrigens ist auch GB an dem Programm beteiligt, die City ist voll von solchen Neubürgern. Aber durch das brexit brauchen sie für ihre EU-Geschäfte nun noch eine andere Residenz. Beliebt sind Malta und Zypern. Bulgarien, Kroatien, Slowenien, Littauen, Estland sind, glaub ich, besonders preiswert, Frankreich und Italien spielen wohl in einer größeren Liga.

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      • Johanna schreibt:

        Na denn! Ja bei uns wurden auch einige ‚Brexiteers‘ dabei erwischt, sich EU Pässe zu beschaffen, nachdem sie lauthals das Brexit beschworen hatten. Keine Ahnung wie die Leute nachts schlafen… 🙄

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      • Johanna schreibt:

        Ja UK plc steht schon lange zum Verkauf, wie es scheint… Hauptsache der Preis stimmt.

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  11. Ein tolles Legebild, liebe Gerda und ein Besuch, der viel zu verdauendes Material mitbrachte. Wenn wenigstens der Lockdown Ende Januar zu Ende sein wird. Ewig kann es so nicht gehen. Alle kleinen Geschäfte und viele größere machen schlapp.
    Aber Eure Idee mit dem E-Shop ist sehr begrüßenswert. Ich hoffe, Ihr könnt die meisten Eurer Ideen ihn in die Tat umsetzen.
    Über die gar nicht so kleine Spende, die Du ihr übergeben konntest, wird sie sich sehr gefreut haben.

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