Andreas Schnipsel: Das hässliche Gesicht des Rassismus (Nachtrag zu Ping Pong 089)

Gestern legte ich für den PingPong mit Ulli Gau ein Bild aus Andreas Schnipseln, das das hässliche Gesicht der White Supremacy darstellen soll. Die Überlegenheit der weißen Rasse ist damit gemeint. Der Begriff ist in den USA geläufig.

Es gibt auch das Gegenstück dazu: Black Supremacy. Die Überlegenheit der schwarzen Rasse. Da es sich bei der „Black Supremacy“ um eine reaktive Spiegelung handelt, habe ich mein Bild einfach invertiert und gespiegelt, ohne sonst irgendetwas zu verändern.

Hier kannst du sehen, wie ich arbeite. Ich lege eine Pappe DINA 2 auf ein zusammenfaltbares Blackboard,  das ich dorthin trage, wo ich ausreichendes Licht habe. Darauf breite ich dann die Schnipsel aus und kreiere das Bild, bis kein Schnipsel mehr übrig ist.

Das fertige Bild fotografiere ich, so gut es geht, je nachdem bei Tages- oder bei Lampenlicht.

Dann fange ich oft an, das fotografierte Bild zu bearbeiten. In diesem Fall invertierte ich es (Fotoshop), dh die hellen Tön werden dunkel, die schwarzen hell. Außerdem spiegelte ich die beiden Figuren, so dass die Frau nun auf der anderen Seite steht. Die ursprünglichen Farben stellte ich auf der Farbskala wieder her.

Aus dem hässlichen weißen Mann, der sich seiner Überlegenheit sicher ist,  wird ein „armer Nigger“, Inbegriff des Vorurteils. Nichts wurde verändert, nur Schwarz und Weiß wurden ausgetauscht. So arbeitet das rassistische Vorurteil. Der arme weiße Mann sieht einen schwarzen Mann – und in dem schwarzen Mann einen armen Nigger. Dem fühlt er sich überlegen und bemerkt nicht, dass er ihm gleicht: ein armer Schlucker er selbst. Der schwarze Mann seinerseits spiegelt die Eigenschaften des weißen Mannes und imitiert sie, verliert dabei sich selbst und wird zu einer Karikatur seiner selbst.

In der Nacht lief „zufällig“ Tarantinos grandioser Pseudo-Western über die Sklavengesellschaft des amerikanischen Südens  „Django unchained“ im Fernsehen. Wie passend! Der befreite schwarze Django wird zum individuellen Superrächer, und der schwarze Stephen, der  vollkommen mit dem weißen Sklavenhalter identifiziert ist, wird zum elenden Verräter. Diese beiden verkörpern die  Extremformen möglicher Reaktionen auf die vollkommene Entrechtung. Sie werden ihren Unterdrückern gleich.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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15 Antworten zu Andreas Schnipsel: Das hässliche Gesicht des Rassismus (Nachtrag zu Ping Pong 089)

  1. Linsenfutter schreibt:

    Viel Arbeit. Mal interessant zu sehen, wie Du arbeitest.
    Schönen Sonntag.
    LG Jürgen

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  2. Myriade schreibt:

    So viel sprühende Kreativität! Das grüne Fischauge habe ich auch wiedergefunden 🙃

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Ja, so schaukelt sich alles hoch. Die Motive sind die gleichen: Keiner will unterdrückt sein, also will er herrschen über den, der ihn zuvor beherrschte. Und doch ist keiner wirklich überlegen, sondern dem anderen ähnlich geworden. Das hast Du gut erfaßt und beschrieben und dargestellt, Gerda. 2So sollte man ja daraus lernen.

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  4. Verwandlerin schreibt:

    Es hat mich als Kind immer sehr irritiert, dass zum Beispiel in der Bill Cosby Show nur Schwarze vorkamen, erschien mir als künstliche Trennung. (Und wie wir heute wissen, war Bill Cosby auch Arsch.)
    Heute sind in den US-Serien die Besetzungen virl gemischter.
    Mein Highlight in den 80ern war der schwarze Chef von Amanda in „Agentin mit Herz“.

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    ☆ So sollte man….

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  6. Gisela Benseler schreibt:

    Ich finde aber das Ausgangsbild auch sehr gut. Wenn die kleinen Mädchen mit schwarzen und weißen Puppen spielen, tun sie doch schon sehr viel für den Völkerfrieden und werden später keine Rassistinnen sein, sondern für Ausgleich und Frieden sorgen, damit keine Rasse die andere unterdrückt und ausbeutet, sondern die Arten, nicht vermischt, sondern nebeneinander sich entwickeln, um am Anderen zu wachsen und am Leben zu lernen.

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  7. Ule Rolff schreibt:

    Ein kleiner Blick in deine Werkstatt, liebe Gerda, sehr schön. Was dein Vorgehen betrifft, ist alles klar bis auf dies: „Die ursprünglichen Farben stellte ich auf der Farbskala wieder her.“ Was meinst du mit „Farbskala“ und was machst du da genau?
    Deine Gedanken über schwarzen und weißen Rassismus finde ich interessant. So wie du es fasst, wäre es dann übertragbar auf das, was die Israelis mit den Palästinensern treiben, nicht war? Sie müssten es doch eigentlich besser wissen.

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    • gkazakou schreibt:

      Wg Farbskala: bei Fotoshop gibt es die Funktion hue/saturation, bei hue verschiebe ich nach dem Inversieren die Farbe bis zum äußersten Anschlag.links.

      Zu den Israelis: sie sind in einer von fern vergleichbaren Rolle mit den Weißen, die Amerika „kolonialisierten“ und die vorher dort lebenden Menschen verdrängten, unterdrückten, töteten. Warum tun sie das? Weil sie deren Land nahmen und verhindern wollen, dass die Vertriebenen es sich zurücknehmen. Nur der kann seinen Raub genießen, der den Vorbesitzer gewaltsam außer Gefecht setzt.

      Die Weißen, die Amerika kolonialisierten, waren sehr oft „arme Schweine“, die aus einer sehr unterdrückten Existenz entflohen und nun mit den einzigen Methoden, die sie gelernt hatten, ihrerseits wüteten, um sich zu nehmen, was sie entbehrt hatten: Land, Machtgefühl, Ausbeutung anderer Menschen.

      „Sie müssten es doch eigentlich besser wissen“ gilt für Israelis, die selbst oder deren Vorfahren als Juden in Europa unterdrückt und entrechtet wurden – und viele von ihnen wissen es tatsächlich besser und sind keinesfalls einverstanden mit der israelischen Politik gegen die Palästinenser (ich weiß das aus Erfahrung, als ich 1967 in einem Kibbuz mit deutschen Überlebenden war). Aber das ist nun eine Minderheit.

      Gefällt 2 Personen

  8. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Liebe Gerda, aber da ist eine Passage in Deiner Antwort an Ule, bei der frage ich mich, ist das wirklich so?

    * Nur der kann seinen Raub genießen, der den Vorbesitzer gewaltsam außer Gefecht setzt. *

    Muss es nicht anders gehen, um sich gut zu fühlen?
    Wie kann ich mich in Recht fühlen, wenn ich einen um sein Eigentum gebracht habe?
    Oder denke ich nun zu naiv?

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Ich nehme nicht an, Bruni, dass du jemanden um sein Eigentum bringen würdest. Du gehörst nicht zu der Sorte. Aber wer das tut, der muss darauf sehen, dass der andere keine Chance erhält, sich sein Eigentum zurückzuholen.. Das wird er nämlich tun wollen – immer. Und wie kann der Räuber den Beraubten hindern? Entweder durch Rechtsmittel, indem er „beweist“, dass er der rechtmäßige Eigentümer ist, oder durch Gewalt. Oder durch beides. Wie denn sonst? Muss er nicht immer zittern, solange der Beraubte oder seine Erben leben?

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      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        Du meinst, die Israelis zittern um dieses Land, das sie nun ohne rechtliche Handhabe besetzen? Sie müssen gewaltsam sehen, wie sie die Palistinänser hier wegkriegen?
        Krieg bedeutet es also.
        Wenn ich es richtig weiß, wurde ihnen genau dieses Stck Land damals gar nicht zugesprochen,,.
        Jemand, dem so großes Leid zugefügt wurde, müßte doch nun gerecht und nie gewaltsam handeln? Sind wir dann nicht wieder dort, wo friedliebende Menschen niemals hinwollen? Im Hauen und Stechen einer Zeit, die es nie wieder geben sollte? Nirgendwo in der Welt

        Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Niemand sagt, dass es so sein SOLLTE. Aber denk doch mal nach: Israel wurde gegründet auf einem Gebiet, auf dem andere Menschen lebten, Araber. Die wurden zum großen Teil gewaltsam vertrieben, um Platz zu schaffen für die Neusiedler…

      Stell dir vor: Flüchtlinge kommen und besetzen dein Haus, vertreiben dich mit Gewalt, weil sie sonst keine Bleibe haben. Oder weil sie sagen: hier war vor zweitausend Jahren mein Haus, das land gehört mir. Du kämpfst um dein Recht, ziehst vor Gerichte, weichst nicht von dem Gartenzaun, wirfst immer mal einen Kadaver oder auch einen Molotovcocktail hinein, damit die, die dir dein Haus wegnahmen, weggehen, und du wieder reinkannst. Die gehen aber nicht weg, sondern bauen einen höheren Zaun, nehmen auch noch das angrenzende Land in Besitz, damit du deine Feuersbrände nicht reinwerfen kannst, sie bauen auf diesem angrenzenden Land weitere Häuser für ihre Kinder und Kindeskinder, befestigen alles – und du, die Vertriebene, deine Kinder und Kindeskinder leiden. Und eins deiner Kinder sagt: ich kämpfe, damit wir unser Recht bekommen, und sprengt sich in die Luft, reißt auch Menschen, die dort in deinem Haus wohnen, mit in den Tod. So geht das fort und fort. Gibt es eine Lösung? Nein.

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