Wandern die Steine? (tägliche Zeichnung)

Zu welchen Beratungen sich die vier großen Bruchsteine auf dem Feld versammelt haben, weiß ich nicht zu sagen. Sicher gibt es genug, was diese Uralten bewegt. Apropos „bewegt“ – genau! Etwas oder jemand hat sie von ihrem ursprünglichen Platz fortbewegt. Man sieht noch die dunklen erdigen Vertiefungen, in denen sie zuvor lagen. Waren sie es etwa selbst, die ihren Platz verließen? Das würde mein Weltbild ziemlich erschüttern.

Können Steine wandern? Es gibt da doch dies Lied, Bert Brecht hat es gedichtet. Es war uns ein Trost, damals, als in Griechenland die Diktatur zur Herrschaft kam. Und warum soll es uns nicht auch heute trösten?

 

Die Interpretation von Reich-Ranitzki ist sehr hörenswert:

 

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne
Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Eine etwas ausgefallene argentinische Interpretation des Liedes von Brecht/Eisler für modernere Geschmäcker:

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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29 Antworten zu Wandern die Steine? (tägliche Zeichnung)

  1. Ulli schreibt:

    Aber ja, es gibt doch die wandernden Steine in den USA. Mehr ein andereres Mal.

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  2. wildgans schreibt:

    Thema „Steine“ ist gut. In meinem Garten liegen welche aus allen möglichen Ländern und Orten. Sie wachsen einfach nicht an. Sie wandern sogar manchmal unterirdisch. Oder sie fliegen ein Stück.
    Nachtgruß von Sonja

    Gefällt 2 Personen

  3. Gisela Benseler schreibt:

    „Die Großen werden nicht groß bleiben, und die Kleinen werden nicht klein bleiben. “ Diese Worte aus dem Englischen habe ich gerade von Bert Brecht übersetzt. Das ist wohl wahr. Aber das sollen nicht wir Menschen ändern wollen. Das geschieht von selbst. Es kommt dann so. Die Steine bewegen sich auch, aus der Tiefe nach oben, das habe ich im Garten oft beobachtet. Daß sie aber auf der Erde wandern, das glaube ich eher nicht. Ich dachte, Du hättest sie selbst bewegt, Gerda.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich wars nicht. liebe Gisela. ich fand die Steine so vor. Dass Steine an die Oberfläche wandern, ist eine schöne Beobachtung. Es gibt auch auf der Ebene wandernde Steine (Ulli hat einen link eingestellt). Und natürlich wandern sie bei starkem Regen, in Füssen und Meeren.
      Im übrigen: wer sagt, das „sollen nicht wir Menschen ändern wollen“ – selbstverständlich will ich menschliche Verhältnisse ändern, die von anderen Menschen ungerecht gestaltet werden. Leider kann ich es nicht. Und so hoffe ich immer, dass das „ich“ zum „wir“ wird: „wir wollen das ändern“. Du nicht? Brecht spricht hier übrigens von Diktaturen und anderen menschenverachtenden Verhältnissen.
      Warum übersetzt du vom Englischen ins Deutsche? Das Original ist auf Deutsch,

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Gerda, ich las es auf Englisc. Es ging alles etwas schnell. Zu den Steinen, welche „wandern“. Das ist mir neu, dachte nicht, daß das möglich wäre, höchstens wenn das Wasser sie bewegt oder sie ins Rutschen kommen, oder durch Maulwürfe oder ähnliches. Nun, wenn Ulli es „beweisen“konnte, muß es wohl stimmen. Aber das ist für mich kein Thema jetzt. Verhältnisse verändern will ich nicht, auch keine Diktaturen. Es wird einen Sinn haben, und ich werde etwas daraus lernen. Der Text „Rückschläge“ , den Du ja kennst, sagt etwas dazu aus. Du kannst es natürlich halten, wie Du es für richtig hältst. Also sage ich jetzt nicht mehr „wir“, jedenfalls nicht bei Dir. Ich darf es aber selbst sagen, solange es keinen stört.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Gisela, du kannst es selbstverständlich halten, wie du es für richtig erachtest. ich muss es ja nicht verstehen.

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  4. juergenkuester schreibt:

    Liebe Gerda! „Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.“. Das gefällt mir. Das hilft. Gerade nach so einer Entscheidung wie gestern in Thüringen.
    Liebe Grüße
    Juergen

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    • gkazakou schreibt:

      Ich hoffe doch sehr, dass das noch Kleine nicht erneut groß wird. Im übrigen gab es eine Abstimmung in Washington, die für die Weltgeschicke weit wichtiger war. Habt ihr in Deutschland wohl nicht so mitbekommen.

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Jürgen! Wenn der faschistische Brand von solchen Brandmauern abhinge – dann wäre es freilich fatal. Entweder funktioniert eine Demokratie zufriedenstellend – (und es scheint ja, dass sie funktioniert) – oder sie ist schon so morsch, dass die kleinste Erschütterung sie zum Einsturz bringt. Der Vergleich mit dem Nazi-Faschismus, der bei jeder Gelegenheit herbeizitiert wird, ist meiner Meinung nach falsch. Die Vorausetzungen waren damals völlig andere. Auch wird Deutschland niemals die Verheerungen anrichten können (selbst wenn es wollte), die das „Reich“ über Europa brachte. Die – verständliche – Fixierung vieler Deutsche auf die „braune Gefahr“ wird im Ausland überhaupt nicht verstanden. Ich las heute NZZ, Le Monde, NYTimes, Kathimerini … Wenn es überhaupt zur Kenntnis genommen wird, dann mit Schulterzucken.
      Ich will damit nicht sagen, dass mich die Entwicklung kalt lässt, schließlich bin ich Deutsche, antifaschistisch, mit einem „Migranten“ verheiratet und einem Sohn mit „Migationshintergrund“. Liebe Grüße aus dem schönen Hellas, das auch seine Probleme und Verwerfungen hat !

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      • juergenkuester schreibt:

        Liebe Gerda! Die Wahrnehmung und Einschätzung der “braunen Gefahr” durch die ausländische Presse ist für mich ohne Interesse. Die politische Situation ist nicht mit der in der Weimarer Republik vergleichbar, das stimmt. Das völkisch – nationales ausgrenzendes Denken immer stärker um sich greift erschreckt mich zutiefst und bedroht nicht nur die Demokratie, sondern auch das alltägliche Leben.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Jürgen, ich will es auch gar nicht kleinreden. das „völkisch – national ausgrenzende Denken“ ist überall und immer eine Herausforderung für normal empfindende Menschen.

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  5. Paleica schreibt:

    ein tolles bild-bild und ein tolles wort-bild. berührend.

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  6. Ule Rolff schreibt:

    Tröstlich oder bedrohlich kann Brechts Text klingen, Reich-Ranicki betont den Trost so wohltuend.
    Ich teile deine Einschätzung bezüglich der Bedeutsamkeiten Thüringen/Impeachment nicht: Das Ergebnis des Impeachment-Verfahrens war vorhersehbar, das ganze Verfahren leider Wahlhilfe zur Wiederwahl. Die Annahme der Wahl durch Kemmerich in Thüringen ist für mich ein Quantensprung in der machtgeilen Amoral.

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Nun, ich sehe das Ergebnis in Thüringen nicht so dramatisch wie ihr. Das eigentlich Dramatische ist die Entwicklung der Altparteien und des politischen Handelns, und das nicht erst seit gestern. Schau dir doch mal an, wer in Berlin und in Brüssel regiert, und vor allem, wie. Da gedeihen dann eben allerlei „Alternativen“.
      In Bezug auf die USA hast du recht: es war voraussehbar. Aber ist es deshalb weniger bedeutsam? Die Demokraten haben es geschafft, Trump eine Steilvorlage für die Wiederwahl zu geben, und sie zerfleischen sich jetzt gegenseitig mit 11 Kandidaten – von deren Qualität ich erst gar nicht rede. (Biden? Warren? Bloomberg?) Es ist noch gar nicht abzusehen, was dieser Machtzuwachs der Trumpisten für die Welt bedeutet. Vor Thüringen fürchte ich mich momentan weniger.

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    • gkazakou schreibt:

      Politische Moral? ich lache bitter. Wo siehst du die? Nimm Sigmar Gabriel, SPD (wirklich nur ein fast gleichgültiges Beispiel) ist (Zitat Wiki) „seit Juni 2019 Vorsitzender der Atlantik-Brücke[33] und Mitglied der Trilateralen Kommission[34] sowie des European Council on Foreign Relations.[35] Außerdem gehört er seit Mai 2018 dem Kuratorium der International Crisis Group an[36] und seit März 2019 dem Beirat von Deloitte.[37] Seit Juni 2018 ist er als Autor für die Holtzbrinck-Medien Handelsblatt, Der Tagesspiegel und Die Zeit tätig und verdient damit zwischen 15.000 und 30.000 Euro im Monat.[38] … Seit November 2019 ist er bei der Eurasia Group als Politikberater tätig.[41]

      Am 24. Januar 2020 nominierte die Deutsche Bank ihn für ein Mandat im Aufsichtsrat ihres Geldhauses.[42][43][44]“ (Zitatende)

      Ich vermute, du kennst diese feinen Foren – von Atlantikbrücke über Trilaterale, ECFR und ICG, Deloitte bis Eurasia Group??
      Ich habe eben übrigens Le Monde und The Economist gelesen, da wird man über deutsche Angelegenheiten besser informiert als in Deutschland selbst. Vor allem ist das Spektrum viel weiter. Liebe Grüße

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      • Ule Rolff schreibt:

        Leider, liebe Gerda, stimme ich in dein bitteres Lachen ein, nur manchmal umdribbeln altmodische Träume meine Desillusionierung.
        Ja, ich kenne diese Foren, so weit man das kann.

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  7. kowkla123 schreibt:

    ich glaube ja, man muss immer versuchen, das beste aus dem Tag zu machen, Klaus

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  8. bluebrightly schreibt:

    Maybe we need the stones to migrate here in the U.S. We certainly need something to shake up!

    Gefällt 1 Person

  9. Pingback: Unsere Erde und die Natur schützen/Protecting our earth and nature* | da sein im Netz

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