Bruchsteine auf dem Feld (1 + 2 + 3)

Du weißt schon: Wenn etwas wirken soll, musst du es dreimal sagen. Also habe ich noch zwei Bruchsteine auf dem Feld gezeichnet. Was gibt das Thema her? Sind die Persönlichkeiten der Steine – ihre mineralische Zusammensetzung, ihr Schicksal –  erkennbar? Ist der Zusammenhang zwischen dem Stein und dem Wachstum der Pflanzen deutlich geworden?

Beuys hat ja einst mit seiner berühmten Eichenpflanzaktion die Beziehung zwischen Stein und Baum thematisiert. Er pflanzte 1000 junge Eichen und setzte zu jeder eine mächtige Basaltsäule, wie sie in der Kasseler Landschaft zu Hauf anzutreffen sind. Inzwischen hat sich das Größenverhältnis umgedreht: mächtige Eichen sind herangewachsen – und daneben steht immer noch, jetzt aber klein und unauffällig, eine Basaltsäule. Sie hat den Baum genährt und ist dabei unmerklich geschrumpft.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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31 Antworten zu Bruchsteine auf dem Feld (1 + 2 + 3)

  1. wildgans schreibt:

    Unglaublich: Wie kann eine Basaltsäule einen Baum nähren?
    Steine und Pflanzen sehe ich in keinem Zusammenhang außer dem der Natur. Vielleicht ist es ja das…?
    Nachtgruß von Sonja

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    • gkazakou schreibt:

      die Pflanzen nähren sich – außer von Licht, CO2 und Wasser – von Mineralien, liebe Sonja. Natürlich sind die Basaltsäulen in wenigen Jahren nicht messbar geschrumpft, aber sie wirken jetzt winzig neben den riesigen Eichen.

      Gefällt 4 Personen

  2. chris schreibt:

    Ich muss dich korrigieren, es waren 7000 Eichen!
    Nicht alle haben überlebt, aber viele sind in der
    Tat zu schönen Bäumen herangewachsen. 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Ja, richtig, danke, Chris. Ich habs schon unten bei Johanna kommentiert.

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      • chris schreibt:

        Wobei Eichen nicht unbedingt die idealen
        Straßenbäume sind – man kann sie nach
        knapp 40 Jahren als Teenager betrachten.
        Eine Eiche braucht nämlich 150 Jahre, um
        richtig ausgewachsen zu sein…. 🙂
        (die Aktion begann 1982, allerdings sind
        viele Bäume erst in den Folgejahren ge-
        pflanzt worden: es dauerte bis der Haufen
        mit den Basaltstehlen vom Friedrichsplatz
        verschwunden war…)

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    • gkazakou schreibt:

      warum sind Eichen keine idealen Straßenbäume?

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      • chris schreibt:

        Weil sie nicht so gut mit dem Stress in der Stadt zurecht kommen, als da wäre Trockenheit und Einengung des Wurzelbereichs ect pp – der Ginko wäre der ideale Baum für die Stadt, wird leider selten gepflanzt (wächst auch sehr langsam) – in Asien (speziell Japan) sieht man ihn dagegen häufig in den Städten…

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  3. Verwandlerin schreibt:

    Eine wundervolle poetische Geschichte, die mich – vllt. aufgrund meiner Situation gerade – seltsam melancholisch anrührt.

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Sehr schön, alle 3 Variationen! Die Zusammenhänge zwischen den Steinen und Pflanzen sind auch etwas Besonderes…

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  5. TeggyTiggs schreibt:

    …es ist Dir gelungen, die Steine so abzubilden, als gehörten sie genau in diese Umgebung, find ich…ein Zusammenklang…die dritte Zeichnung sieht für mich aus wie eine Aufbettung…die zweite, als nährten sie sich gegenseitig und die erste hat (für mich) etwas harmonisch-lustiges…

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Teggytiggs. Ich habe schon lange damit aufgehört, Steine aufzusammeln und aus ihrer Umgebung zu entfernen. Ich mag es, sie genau dort zu lassen, wo sie hingeraten sind. Genauso wie Pflanzen. Sie sind für mich genauso mit ihrem Ort verbunden. Ausnahmen sind gestattet.
      Die erste Zeichnung kann man auch tragisch deuten, finde ich.

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      • TeggyTiggs schreibt:

        …stimmt, nur sehe ich es stimmungsabhängig und heute ist es witzig…

        …gestern fand ich einen Stein auf einem Fensterbrett und fast mit einem schlechten Gewissen tat ich ihn ins Freie, wissend, dass er nun heimatlos geworden und sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden muss…

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  6. Ulli schreibt:

    Die Lebendigkeit der Steine sind doch den meisten recht unbekannt. Dass sie nähren sowieso. Schön, dass du es benennst und eben auch zeichnerisch umgesetzt hast.
    Liebe Morgengrüße an dich
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Mir scheint, immer mehr Menschen wird es bewusst, dass auch Steine leben – wenn auch auf eine ganz andere Art als Lebewesen. Sie sind lebendigen Prozessen entsprungen, haben daher ihre Substanz und Form und unverwechselbaren Charakter, und zerfallen nun langsam, das lebendige Pflanzenreich nährend.

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  7. kowkla123 schreibt:

    sag mir mal, kann man das Winter nennen, Klaus?

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  8. Johanna schreibt:

    Wieder ganz umwerfend! Interessant auch der Bezug auf die 7000 (!) Eichen mit ihren Basaltkumpeln in Kassel 😊

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  9. Ule Rolff schreibt:

    Die „nährende“, symbiotische Verbindung zwischen Pflanzen und Stein sehe ich am ehesten in der oberen Zeichnung, Gerda. Auf den beiden anderen kommt es mir so vor, als würde das Gras vom Stein plattgedrückt. Aber auch solche Ereignisse gehören ja zur Natur, es sind nicht immer alle Mitspieler liebevoll und nährend. Mineralien brauchen wir alle zum Leben, und wenn man es recht bedenkt, sind gelöste oder zu Sand gewordene Mineralien ja auch nur Steine oder Steinreste, ohne die die Natur nicht sein kann – so ganz unbelebt können sie daher nicht sein. Und wenn das ein Kurzschluss ist, so ist mir das egal, ich finde (natürliche) Steine wunderbar, auch gebrannte Ziegel zum Beispiel schätze ich sehr. Weniger mag ich Beton und solches.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ule, deine Wahrnehmung ist ganz richtig: die Steine 2 und 3 wurden offenbar vor nicht sehr langer Zeit aus ihrer ursprünglichen Position in die jetzige gebracht. Das Gras und die anderen Pflanzen versuchen, sich wieder hervorzuarbeiten. Aber das Leben der Steine ist lang – es kommt auch wieder die Phase, wo ihr langsamer Verfall von den Pflanzen als nährend erlebt wird. Und ja, auch wir könnten ohne Mineralien kein Knochengerüst aufbauen….

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  10. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Wie schon, nun drei Deiner Bruchsteinezeichnungen bewundern zu dürfen, liebe Gerda-
    Die erste gefällt mir immer noch am besten. Vielleicht liegt es daran, daß dieser Stein schon am längsten da liegt und sich in dieser Umgebung total geborgen fühlt. Bei den anderen Steinen habe ich das Gefühl nicht.
    Die erste Zeichnung regt meine Fantasie sehr an *g*, die beiden andern nicht so recht, Da weß ich genau, was da liegt und überlege nicht, als was ich diesen feinen Stein auch noch sehen könnte 🙂

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  11. bluebrightly schreibt:

    I love these drawings, they’re so full of love and life….and thank you for mentioning the Beuys piece – I don’t remember hearing about that one. I googled it – it’s a great piece! It was sponsored by DIA, which is based in New York, and was one of my favorite art galleries/museums to visit when I lived in NY. I see that DIA installed more trees and basalt columns in NYC. I’ll have to look for hem the next time I’m there. 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      thats nice you mention this connection to NY, dear Lynn!

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      • bluebrightly schreibt:

        Beuys was popular among certain avant-garde American artists in the 1970s when I was in art school in New York. It seems to me that many contemporary European artists are not known well in the U.S. but for some reason, he had a presence. I just found this on Wikipedia:
        „The only major retrospective of Beuys work to be organized in Beuys’s lifetime opened at the Guggenheim Museum in New York in 1979. The exhibition has been described as a „lightning rod for American criticism,“ eliciting as it did some powerful and polemical responses.“

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