Zeichnende und gezeichnete Hand, Brille, Insekt (Subjekt-Objekt, Bildaufbau)

Noch einmal zwei nächtliche Zeichnungen von meiner Hand.
Bei der ersten hatte ich die Idee, mit der ungeübten rechten meine linke Hand zu zeichnen, die ihrerseits meine Brille zeichnet. Die Hand, die ich mit blauem Kuli skizzierte, geriet mir recht lebendig. Doch die Brille, die die Hand mit schwarzem Kuli zeichnete: o weh! „Zu groß, zu starr“, tadelte ich sie, aber da war es schon geschehen. Was tun? Vielleicht brauchte sie ein wenig Nachhilfeunterricht? Ich nahm die Brille in meine rechte Hand und demonstrierte mit der Linken, wie die richtigen Proportionen gewesen wären. Blau und schwarz mischte ich, überging auch die erste Brille mit Blau und setzte ein Stück Schnur dazu, hoffend, dadurch die Zeichnung zu retten.

zwei Hände, zwei Brillen und eine Schnur (Zeichnung mit schwarzem und blauem Kuli, 2019-09-02)

Doch das Ergebnis gefiel mir nur halb. Zu viel war da auf dem Blatt. Also machte ich mich daran,  das zu viele digital auszulöschen. Vielleicht war es so besser?

zwei Hände, bearbeitet (2019-09-03)

Vielleicht brauchte ich aber auch die erste Brille nur zu verkleinern und die Dinge ein wenig zu verschieben, um die Bildwirkung zu verbessern?

Oder sollte ich den Unterschied zwischen der zeichnenden Hand (Subjekt) und dem Gezeichneten (Objekt) vergrößern?

 

Bei der zweiten Zeichnung war ich schlauer. Ich beschränkte mich darauf, mit der Linken die Rechte zu zeichnen und alles drum herum auf Distanz zu halten. Nur eine winzige Motte verirrte sich aufs Blatt.

Bildausschnitt mit Motte, 2019-09-02Nu

Nur eine Motte? Dahinten, auf dem schwarzen Mäppchen, wer oder was turnt denn da herum?

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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14 Antworten zu Zeichnende und gezeichnete Hand, Brille, Insekt (Subjekt-Objekt, Bildaufbau)

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Feinst!
    Da ist ja alles vertreten:
    Schöne gehaltvolle Zeichnungen, Erzählung, Tierchen fein.
    Vor allem Letztere ringen und winden sich gerne um deinen entstehenden Werke. Gut so!

    Gefällt 1 Person

  2. Ulli schreibt:

    Das muss „man“ erst einmal hinkriegen! Chapeau, liebe Gerda …
    ich mag deine Gedankenketten und Versuchsreihen dazu sehr,
    liebgüsst dich Ulli

    Gefällt 2 Personen

  3. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    🙂 das wr noch ein Nachtfalter…

    Bei der ersten Zeichnung *zwei Hände, bearbeitet (2019-09-03)* ist es Dir wunderschön gelungen, mit dem Zurücknehmen der Rechten, die Linke in Szene zu setzen, liebe Gerda.

    Und wie Du der kleinen Motte mit Deinen Stiften zu Leibe rückst, ist schon ein wenig beängstigend *schmunzel*. Sieht fast aus, als wollten die die Kleine vom Blatt schubsen 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Ule Rolff schreibt:

    Solche Spiegel-im-Spiegel-im-Spiegel-Spiele habe ich schon immer gemocht, liebe Gerda. Dass du dich hier traust, die weniger geübte Hand mitspielen zu lassen, bestaunen ich gerade, und überlege, wie groß doch der Anteil der Augen am Zeichnen ist. Denn sooo viel ungeschickter scheint auch deine Rechte nicht zu zeichnen.
    Wie du dir sicher denken wirst, hat mir dein Spiel mit Verkleinerung und Radierer besonderen Spaß gemacht! Du löst ein wenig die strengen Fesseln der Wirklichkeitstreue zugunsten der willentlichen Gewichtsverteilung im Bild – erste Andeutungen eines Phasenwechsels? Aber ich will nicht überinterpretieren, es gibt ja auch sowas wie Launen im Rahmen eines weiter bestehenden Prinzips.
    Wie auch immer, sind deine Zeichnungen wie stets ein Genuss.

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ule, so schön wieder, das deine zu lesen. Phasenwechsel? Ich weiß nicht. Ich habe grad gestern mal die Einträge eines Tages über die fünf Jahre verglichen, die ich nun schon blogge. Und habe mich gefragt, ob es da so was wie Phasen gibt. Es gibt wohl eher Schwerpunkte, etwas rückt in den focus, was vorher nur mitgelaufen ist, es gibt Wiederaufgenommenes, auch Eintagsfliegen, Mehrtagsfliegen gibt es… Die Wahrnehmung „dessen was ist“, ohne es zu arrangieren, ist wohl eher ein Erkenntnisweg als ein ästhetisches Prinzip. Als ästhetisches Prinzip ist es ziemlich widerspenstig, ziemlich mühsam. Wieviel lustvoller ist es doch, nach Lust und Laune zu schalten! Und es macht auch mehr her, regt den Betrachter mehr an, wenn er Brüche im Gewohnten verarbeiten muss. Andererseits ….

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      • Ule Rolff schreibt:

        Solche Rückschauen helfen manchmal klären, nicht wahr? Es ist ja Teil der Freiheit, nicht gezwungen zu sein, eine Linie unbedingt durchhalten zu müssen. Diese kleinen Ausflüge und Schnörkel machen so viel Freude und führen oft zu besonders schönen Arbeiten, weil die Leidenschaft dabei die Routine oder disziplinvolle Systematik einfach beiseitedrückt.
        Dass das „Darstellen, was ist“ ein mühevoller Weg ist, kann ich mir gut vorstellen – dass es weniger hermacht, möchte ich gerade anhand deines Beispiels verneinen.

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    • gkazakou schreibt:

      Vielen Dank, für Hilfe und Bestätigung!

      Gefällt 1 Person

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