Serie „Mensch und Umwelt“. Idylle in der Taverne am Meer (Skizze, Bearbeitungen)

Wie du vielleicht verfolgt hast, bemühe ich mich, mein aktuelles Thema „Mensch und Umfeld“ ästhetisch-theoretisch und zeichnerisch-praktisch zu klären. Wie kommen Mensch und Umwelt in einem Bild zusammen? Im Kommentar zu Ule Rolffs letztem Eintrag „Museum mit Menschen“ schrieb ich dazu: „Bisher fand ich drei Lösungen: der Mensch gliedert sich in den Raum ein und übernimmt seine Formensprache (Kubisten) – Der Mensch prägt seine Formensprache der Umwelt auf (Romantik) – Mensch und Dingwelt/Architektur bleiben getrennte Elemente des Bildes, die verschiedenen Ästhetiken gehorchen und sich nicht ineinander übersetzen lassen.“

Es ist ein interessantes Thema, das ich heute mit einer kleinen Skizze weiterverfolge. Es zeigt drei Menschen im Gespräch. Eingebettet in einen Rahmen aus Meer, Küste, Bäumen und den Tischen und Sesseln der Taverne wirkt das Ganze recht idyllisch: eine freundliche Kultur-Natur wie für den Menschen geschaffen.

Zeichnerisch habe ich dem insofern entsprochen, als ich Dingwelt-Natur-Menschen gleich behandle. Nun, vielleicht gebe ich den Menschen doch ein wenig mehr Bedeutung, indem ich zwei Gesichter individualisiere.

In den Bearbeitungen fasse ich Menschen und Umwelt,  auf der Skala Distanz-Integration spielend, noch enger zusammen oder dividiere sie auseinander.

Hier 4 Schwarz-Weiß-Bespiele:

In Farbe lässt sich das Thema vielleicht noch besser zeigen: die Menschen sind mehr oder weniger von der Umwelt geschieden-unterschieden (No 1) bzw in sie integriert, Teil der Natur (No 4) .

Anschließend habe ich die Grundstruktur des Bildes durch Betonung einiger Linien herausgearbeitet. Dadurch wird deutlich, dass der offene Raum hier wie ein Innenraum gestaltet ist, der den Menschen ein Gefühl von Nähe und Schutz vermittelt – genau das, was mit dem Wort „Idylle“ angedeutet wird.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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20 Antworten zu Serie „Mensch und Umwelt“. Idylle in der Taverne am Meer (Skizze, Bearbeitungen)

  1. wechselweib schreibt:

    In der Tat ein interessantes Thema. Die Bearbeitung fabriziert gewinnbringende Unterschiede.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, in der Tat, hier ist dir durch die Bearbeitung eine Symbiose von Mensch und Umwelt gelungen, gerade bei den bunt bearbeiteten Bildern – dort, wo du die Linien verstärkt hast, wird das Umgebende zu einem Schutzraum. Du hast schon Recht, dass die Menschen den Blick auf sich lenken, zu ihnen gehören noch Stühle und Tische im Vordergrund, Baum und Meer bilden eine Umrahmung, die sich aber eben bei den farbigen Bearbeitungen zu einem Ganzen vereinen.
    Soweit meine Sicht auf deins …
    Herzensgrüsse an dich
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

  3. Ule Rolff schreibt:

    Ein wunderbares Beispiel zu diesem Thema, Gerda! Deine linearen Betonungen am Schluss zeigen genau das, was ich von deren ersten Abbildung an empfunden habe: diese Geborgenheit eines schützenden Raumes, den die Natur um die Menschen bildet. Je nach Bearbeitung gehen die Personen in dieser Geborgenheit fast völlig auf (siehe sw-Versionen 2 und 4) oder behalten noch Eigenständigkeit.
    In den farbigen Bearbeitungen nutzt du die Farbe, um das noch deutlicher herauszuarbeiten: ich scheue fast von einer Spannung zwischen Mensch und Natur zu sprechen, so präsent ist die Harmonie in diesem Bild. Die Dingwelt als dritten Spieler hast du von den Hauptakteure getrennt, und obwohl du ihr einen Platz ganz vorne gibst, tritt sie hinter Natur und Mensch zurück.
    Wie viel Wärme deine gezeichneten Szene ausstrahlt!

    Gefällt 3 Personen

    • gerda kazakou schreibt:

      danke, Ule, für deinen so feinen Kommntar. Im Grunde ist es nur zum Teil die Natur, die den schützenden Raum bildet: Da ist die Bucht, da ist der Abbruch der Felsküste, da sind die Bäume (die sind bereits vom Menschen gepflanzt), dann aber auch die Tische des Vordergrunds, die Andeutung menschlicher Gemeinschaft durch die Sessel, die Gläser etc auf unserem Tisch… Insofern unterscheidet sich diese „Idylle“ von Schäfer- oder Waldidyllen, bei denen das Naturelement unvermischt erscheint. Darum nenne ich es Kultur-Natur. Ich denke, das ist es, was die meisten Menschen suchen. Nur wenige trauen sich in die unvermischte Natur und nur wenige genießen eine Kultur, die keine Natur mehr übrig lässt. Bei deinen Museums-Fotos dachte ich,:die Leute gehen sicher danach in ein Cafe mit Blumenkübeln, um sich von der strengen Architektur und der nackten Kultur zu erholen und sich im Gesprächsaustausch zu normalisieren.

      Gefällt 2 Personen

      • Ule Rolff schreibt:

        Das könnte sein: wie Menschen sich fühlen in der stilistischen Kühle/ in der Wärme deiner Kultur-Natur gehört zu den Fragen, die unsere Bilder stellen.
        Auch die Frage, ob Menschen vielleicht ganz anders werden in Perfektionismus, geraden Linien, rechten Winkeln, gar nicht mehr das Bedürfnis nach Natur haben?

        Gefällt 2 Personen

    • gerda kazakou schreibt:

      Natur „in Maßen“ braucht wohl jeder, und sei es auch nur eine kunstvolle Ranke, eine gekonnt platzierte Vase…Die „volle Natur“ hingegen wird von den meisten Menschen vermieden. Dazwischen gibt es alle möglichen Kompromisse, will lmir scheinen.

      Gefällt 4 Personen

  4. mmandarin schreibt:

    Liebe Gerda, Fassung Nummer zwei springt mich am Meisten an, vielleicht, weil ich sie als Scherenschnitt sehe und mein Scherchen schon zuckt. Alles stimmt an diesem Bild. Ich fühle mich wohl beim Anschauen und sitze unsichtbar dabei. Ich rieche den Duft von Kaffee und lausche dem Geplauder. Einzelne Brocken verstehe ich. Endaxi

    Gefällt 1 Person

  5. kowkla123 schreibt:

    Liebe Gerda, ab geht es ins Wochenende, genieße es, Klaus

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  6. Anonymous schreibt:

    Gerda, ich schickte Dir schon viele Briefe, bin aber unsicher, was davon ankam…Antwortest Du mir mal kurz?

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  7. rabirius schreibt:

    Tolle Serie.

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  8. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Der offene Raum wie ein Innenraum, schön zu sehen, Deine Linien helfen, liebe Gerda
    Ein Wohlfühlort, ein äußerer Raum, ein Raum, in dem das Innere zur Ruhe kommt, sich wohlfühlt, weil es die Geborgenheit spürt. Der Baum, die Natur, beugt sich leicht und schützend über die Menschen, die hier sitzen. Sein blättriges Dach gibt ihnen Schatten, dämpft die Hitze und Wohlgefühl stellt sich ein, als wäre die Natur, die sie hier umgibt, ein innerer Raum, ein Nest, ähnlich einem Zuhause, eine Idylle eben…

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