abc-etüden: Die Strafe (Kata-Strophen)

Als ich vorhin in mein Arbeitszimmer ging, um nach den Knirpsen zu sehen – ihr erinnert euch, sie tobten grad recht vandalisch auf Herrn Kauzens Schreibtisch herum -, traf mich fast der Schlag. Herr Kauz war heimgekehrt und …. O weh, mir fehlen die Worte!

Kata-Strophe!

Die für die abc-etüden von Christiane erdichteten Kata-Strophen, die sich recht harmlos mit einer Schelte anließen und sich mit dem Kinder-Unsinn der Knirpse ein wenig steigerten, haben nun tragische Ausmaße angenommen. Frau Wortgerinnsel, ich bitte Sie, hatten Sie das etwa mit ihrer Wortspende (Knirps, grotesk, notieren), um die herum wir eine Geschichte von höchstens 300 Wörtern basteln sollten, beabsichtigt?

Die Strafe  –  Kata-Strophen

Lautlos flog er heran, die Ohren gespitzt, geschärft seine Krallen

Die Knirpse ahnten es nicht und hatten frenetischen Spaß

Sie fluchten, zerfetzten die heilige Kladde und rissen im Fallen

Die Stifte herunter, die Federn und Pinsel, das Buch und das Tintenfaß.

Sie schifften umher auf gefalteten Barken, gefüllt mit der kostbaren Tinte,

ließen die Farben tropfen über heilige Wörter und klatschten

Sich Beifall wenn einer von ihnen noch größeren Schaden ersinnte,

und rauften sich wüst und gaben sich Hiebe und Watschten…

 

Doch dann war er über ihnen, der schwarze Schatten des Vogels

Seine Augen funkelten hell im Dunkel der Nacht und des Zorns

Weh euch, ihr Halunken, so dacht er und packte sogleich sich den Einen,

den Murks, ders am tollsten getrieben, fasste ihn fest mit dem Schnabel

da wand sich der Bursche, dem Regenwurm gleich und konnt sich nicht helfen,

wurde inmitten zerschnitten und konnte sich nicht mehr ergänzen.

Den Pim den packt er sogleich mit der Klaue, der schrecklichen scharfen,

der wehrte sich nicht, denn es war eh ganz vergebens, gegen das Schicksal.

Nur Pang sprang auf und suchte sich rennend zu retten, doch weh!

Die Kerze fiel um und setzte in Brand die Fetzen der Kladde.

Da brannte auch Pang, die kleine die immer fidele närrische Heldin.

 

Ich hätte sie gern dem Verderben entrissen, doch darf ich?

Hat der erboste Hausherr, der Kauz, nicht jegliche Rechte

Ganz auf seiner, der Weisheit und Tugenden Seite, zumal er

Der Stärkere ist, und immer im Recht sind die Starken.

 

So bleibt mir nichts übrig als die groteske Szene für mich zu notieren

Und eurem geneigten Urteil getreulich zu präsentieren.

 

Zu Ende ist nun die Geschicht

Was weiter wurde, weiß ich nicht.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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27 Antworten zu abc-etüden: Die Strafe (Kata-Strophen)

  1. Mrs Postman schreibt:

    Oh je, das ist tragisch. So weit hätte es nicht kommen dürfen, Herr Kauz. Es sind doch nur Knirpse, letztendlich, in ihrem Übermut.

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  2. Karin schreibt:

    Der kauz-knirpsige Kladden Krieg …..wie immer nur Unheil und Verderben 🙁 aber künstlerisch und wort“gewaltig“ wunderbar in Szene gesetzt.

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank! meine Kata-Strophen haben natürlicherweise mit Verderben zu tun – das geht so seit dem trojanischen Krieg -, aber manche meiner Reimereien („keine Katastrophe“) gehen auch freundlich aus. 🙂

      Gefällt 1 Person

  3. Elke H. Speidel schreibt:

    Oh weh, der hat ja „Stacheln am Rücken und ein böses Gesicht“, würde meine Enkelin sagen, die von Fall zu Fall (und aus jeweils gegebenem Anlass) stolz auf den Spitznamen „Murks“ hört. Sie würde Herrn Kauz prompt auf den Omabalkon verbannen, wo schon die Dinosaurier, die Monster, die Wölfe und die Krokodile wohnen. „Die Knirpse können doch nichts für den Unfug, den sie treiben, es war nur der TROTZ von den Knirpsen“, würde sie sagen. Und dann finge sie den Trotz sorgsam zwischen Zeigefinger und Daumen und gäbe ihn der Oma, damit die ihn vorsichtig, vorsichtig auf den Balkon befördern könnte, zu den anderen Bösen. Vorsichtig, damit die nicht versehentlich ins Zimmer gerannt kommen. Die Welt der Knirpse ist voller bedrohlicher Monster!

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    • gkazakou schreibt:

      du hast eine weise Enkeltochter, viel weiser als der Kauz. Nur in der Welt der Käuze geht es halt rauer zu.Sag mal, willst du ihr mal die Geschichte zeigen und sehen, was sie wirklich dazu sagt?

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    • gkazakou schreibt:

      das würd mich sehr freuen! Am besten, du zeigst ihr erst die erste Episode …. und wenn sie sich geäußert hast, die zweite …. und wenn sie ihr Urteil abgegeben hat, die dritte. Ichwäre schon sehr gespannt zu erfahren, mit wem sie jeweils sympathisiert und warum. Bei den erwachsenen LeserInnen hab ich es jetzt ja gesehen. Sie sympathisieren mehrheitlich mit den Gesetzesübertretern 😉

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  4. Christiane schreibt:

    So geht es dahin, wie es immer geht, autoritäres Gehabe, beleidigte Eitelkeit und Übermut führen in die Katastrophe … Wie du schon sagst, seit dem Krieg um Troja. ☹️
    Aber zauberhaft sind deine Legebilder dazu, das möchte ich endlich mal anmerken. 😀
    Liebe Grüße
    Christiane

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  5. ann christina schreibt:

    So ist die Welt – nicht immer geht’s gut aus… Also weniger grotesk als man auf den ersten Blick annehmen würde 😉

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    • gkazakou schreibt:

      die Welt ist grotesk und nicht vernünftig, denke ich mal. und Aus einer Zurechtweisung folgt das Bedürfnis nach „Rache“ (Murks), und der Spaß am Zerstören hat freie Bahn. Am Ende ist alles kaputt, Dinge und Knirpse. Und der Kauz hat zwar seine Rache, aber ebenfalls das Nachsehen.
      Wir riefen damals: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ udn auch heute spielen die kleinen Anarchos – junge Leute, die sich Studenten oder Schüler nennen – mit dem Molotovcocktail und dem Vorschlaghammer die Racheengel…

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  6. Random Randomsen schreibt:

    Gerächt ist gerächt – aber selten gerecht. Auch wenn die Rächenden das Recht immer auf ihrer Seite sehen (notfalls stellt man sich einfach passend hin oder man stellt die Scheuklappen passend ein, damit die Perspektive stimmt), schießt die Rache oft übers Ziel hinaus (wie hier eindrücklich zu sehen ist). Selbst wenn sie die „Richtigen“ trifft, sind diese letztlich doch die Falschen, weil der Rächende an ihnen oft eine Wut stillt, die er zu großen Teilen anderwärts gesammelt hat.

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    • gkazakou schreibt:

      „Rächen“ wollen beide Parteien – Murks sagt ausdrücklich, er spiele gern den Rächer, obgleich er für den Geschädigten nur Verachtung übrig hat.
      (Episode 2 beginnt so:
      „Wie was“, sprach Murks zu Pim dem Kleinen
      „Der Kauz hat dich davongejagt?
      Nu hör mal auf, du Knirps, zu greinen
      Denn der gewinnt, der etwas wagt!
      Wir brechen ein in die Gemächer
      Wenn er mal grad woanders ist
      Ich spiele allzu gern den Rächer
      Auch wenn du nur ein Schwächling bist.“

      Seine Motive? Nun, man findet sie oft genug bei Leuten, die sich, obgleich ihnen persönlich nichts geschehen ist, gern als Rächer der Armen und Gedemütigten aufspielen. – Andererseits ist der Kauz eigentlich eher Strafer als Rächer, schießt aber ebenfalls über das angemessene Maß hinaus. So geht es in vielen Fällen. In Ehezwisten empfiehlt man, zwar die ungehörige Handlung des anderen nicht zu übersehen, aber die Reaktion ein wenig herunterzufahren, so dass der andere dann ebenfalls ein wenig gelassener reagiert etc. Anstatt in einen Wettstreit der Bösartigkeiten einzutreten, ist es weit konstruktiver, schrittchenweise Spannungen abzubauen.
      Mal sehen, ob mir solch eine Variante einfällt, die dann allerdings keine Kata-Strophe wäre. 😉

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      • Random Randomsen schreibt:

        Ja, in diesen Kata-Strophen ist der ganze unheilbefrachtete Reigen anzutreffen. Eben auch Anstifter (die eigentlich ihr eigenes Süppchen kochen) und Mitläufer, die eigentlich mit der ganzen Geschichte nichts zu tun hätten, aber doch mehr als gerne Wind säen – und später folgerichtig Sturm ernten (wobei sie möglicherweise die Eigendynamik dessen, was sie anzetteln, gewaltig unterschätzen).
        Es ist richtig, dass der Kauz (zumindest von der Absicht her) eher der Strafende ist. Möglicherweise wird er hier auch von der destruktiven Dynamik des Treibens der Knirpse mitgerissen. Am fatalen Ausgang ändert dies freilich nichts.
        Es ist durchaus konstruktiver, einen gewissen Abstand zu gewinnen, bevor man auf ungebührliche Handlungen reagiert. Das ist allerdings – wie so oft – leichter gesagt, als getan. :/
        Auf die nicht kata-strophale Variante bin ich gespannt. 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      schön, wie du das Knäuel aufdröselst! Eins hast du freilich übersehen: der Kauz ist ein Vogel, kein Mensch. Ihm kommt so ein regenwurm-artiges Wesen wie der Murks durchaus gelegen – ob nun strafend oder fressend, einerlei. 😉

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    • gkazakou schreibt:

      🙂 🙂 hihi, wie wahr!

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  7. Raffa´s Welt schreibt:

    Wie habe ich genossen
    in meinen frühen Morgenstunden
    den Zauber zwischen den Buchstaben deiner Worte.
    Und so werde ich getragen von dieser Magie
    welche mir zu teil
    und ich noch immer die Augen reibend
    hinaus flattern in den Tag.

    Hab Dank, werte Gerda.

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  8. kowkla123 schreibt:

    ich bin auch bei den „Gesetzübertretern“, beste Grüße von mir zu dir.

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  9. www.wortbehagen.de schreibt:

    Uhuuu, uhuuu, schreit er im Anflug, die Krallen griffbereit wie glühende Zangen
    Seinen Zorn kann niemand mehr zügeln und er schießt mit seiner Strafe weit über das Ziel hinaus. Derart drakonisch hätte sie bei den kleinen papierenen Knirpsen nicht ausfallen dürfen.
    Er verhängt gewissermaßen die Todesstrafe über sie und betätigt sich gleichzeitig als Henker…
    Herr Kauz, Herr Kauz, ich hätte von einem derart weisen Mann mit ihrer Bildung etwas anderes erwartet.
    Zügelloser Zorn funkelte aus seinen Augen und ich frage mich, wozu sollte die ganze Bildung dann taugen? Und wo blieb seine Weisheit? Wer weiß, wo er die gelassen hat…
    Und nun? Was machen wir jetzt? Könnten wir sie irgendwie wieder zum Leben erwecken, liebe Gerda?
    Genial sind Deine Schnipselbilder zu der Knirps-Geschichte und vor allem das allerletzte nun, mannohmann, wie ist das gut. Ich sehe es vor mir, dieses schreckliche Strafgericht des Herrn Kauz, der sich nicht zügeln konnte…

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    • gkazakou schreibt:

      Du sprichst es aus, liebe Bruni: Weisheit schützt vor Torheit nicht! Wer sich solange geplagt hat und alles, was er an Weisheiten auflas oder erdachte, sorgfältig notierte, hat vieles andere in seinem Leben versäumt. Das mag ihm, als die Kleinen sein Lebenswerk sinnlos zerstörten, schrecklich bewusst geworden sein. Wozu all die Opfer, wenn die Jugend nichts besseres damit zu tun weiß, als es kaputt zu schlagen?
      Außerdem – ich schrieb es schon – sollte man nicht vergessen, dass Herr Kauz ein Vogel ist, dem Würmer schmecken. … 😉

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      • www.wortbehagen.de schreibt:

        *lach*, kleine und auch größere Würmchen, oh ja, liebe Gerda.
        Sie haben mutwillig zerstört, das stimmt auf jeden Fall! *seufz*

        Du meinst, auch ein alter Uhu hat menschlich Gefühle *g*

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    • gkazakou schreibt:

      Ob ein Uhu … ich enthalte mich da besser eines Urteils, liebe Bruni.

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