Ich baue mir ein Klischee

Was ist ein Klischee? Ein Drucker weiß,  was ein cliché ist, wie man es herstellt und wozu es gut ist. Nimm einen Druckblock mit einer lichtempfindlichen Schicht, übertrage darauf dein Motiv via Ätzung oder fotomechanisch, neuerdings auch per Laserstrahl,  spüle alles weg, was nicht zum Motiv gehört – fertig. Nun kannst du stempeln, solange bis das cliché seine Kraft verliert.  Es wird matt und matter, bis du es wegschmeißen kannst.

Geistigen Klischees passiert etwas ganz Ähnliches: sie verlieren die Ausdruckskraft, die sie vielleicht mal hatten, und werden durch häufigen Gebrauch Schrott. Beispiel: die von Fräulein Ich zitierten Blondinen. Da gab es mal eine, die nicht parken konnte, und noch eine, und noch eine … Aber wer mir das heute noch mal unter die Nase reibt, der kann sein Auto zum Schrottplatz schleppen lassen. Da  kenne ich keine Hemmungen („Ich bin eine Blondine“).

Da ich ein gründlicher Mensch bin, schaue ich vorsichtshalber bei Wikipedia nach, ob es nicht womöglich noch einen mir verborgenen Sinn von Klischee gibt. Da lese ich: „Das Klischee existiert als etwas geistig bzw. sprachlich Schablonenhaftes.[1] Es ist dabei charakteristisch, dass die Eigenschaft, welche das Klischee bedeutet, nicht eine der Eigenschaften ist, welche die gleichartigen Einzelelemente zu einer benennbaren Klasse werden lässt, sondern vielmehr eine zusätzliche, davon unabhängige Eigenschaft ist.“

Verstehst du das?? Also ich muss da passen („Blondinen sind dumm“).  Das Klischee bedeutet eine Eigenschaft , die aber nicht eine der Eigenschaften ist, die die gleichartigen Einzelelemente ….??? (Das hat wahrscheinlich ein braungelockter Mann verzapft).

Na gut, ich versuch mal eine Umsetzung. Ein geselliges Zusammensein – ein paar gleichartige Eigenschaften  (weiß, schwarz, bewegt, Figur). Als „zusätzliche, davon unabhängige Eigenschaft“ füge ich den Filter extrude hinzu.

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Dann mach noch einen drauf mit den Funktionen Extrude, Umdrehen und Farbintensität

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Ist das nun ein Klischee? „Im Kern“ gibt es ja die „Wahrheit“ einer tatsächlichen Szene – was, wie ich bisweilen lese, für ein Klischee charakteristisch sei….

Vielleicht bin ich aber auch auf dem Holzweg, und beim Klischee geht es vor allem um die einfache Wiederholbarkeit eines Motivs? Schwarze Zypressen – weiße Wolke – dazu weißes Haus und stacheliges Gesträuch – fertig ist das Klischee einer südlichen Landschaft

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Um diese Landschaft als griechische zu kennzeichnen, füge tüchtig Blau hinzu. Wunderbar! Blau-weiß – die griechischen Nationalfarben! Keiner wird zweifeln – das ist Griechenland „wie es im Buche steht“.

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Nun schneide ich die Einzelbildchen auseinander, klebe sie auf meinen Briefkopf – und mach deine Freundinnen neidisch, weil ich in einem so schönen Haus in einem so schönen blauweißen Land lebe.

Es lebe das Klischee!

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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21 Antworten zu Ich baue mir ein Klischee

  1. gkazakou schreibt:

    Hat dies auf MitmachBlog rebloggt.

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  2. Arabella schreibt:

    Es lebe das Klischee!

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  3. kunstschaffende schreibt:

    Also, dann sind Klischees auch ein Ausdruck für sehr positive charakteristische Merkmale, dass finde ich sehr gut! Und da gibt es eben leider Vorurteile wie in allem Möglichen.
    Ein sehr schöner Beitrag!

    ❤ Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

  4. Monika schreibt:

    Liebe Gerda.

    Ich baue mir ein Klischee,
    warum sollte – Ich – es nicht tun? Was ist daran verwerflich. Ein Konstrukt von einer Vorstellung einer Sache, oder Ding zu machen, um es zu erkennen. Nicht – kennen -, denn dann muss ich mich mit dem Klischee und dessen Realität auseinandersetzen. Das zwingt mich Abstriche zu machen, oder Einsichten zu gewinnen. Ich kann dann Pro und Contra handeln. Plötzlich werde ich parteiisch. Aber will ich es denn. Ist es nicht einfacher meine Vorstellung, dem des Klischees anzupassen.
    Nein, ist es nicht. Bestimmt nicht. Warum nicht? – Weil – ich eine Erfahrung mache, eine die – nicht – in mein bequemes und oberflächliche Denken passt. Ein Klischee sensibilisiert mich, meine Gefühle, meine Werte, meine Neigung und meine Bereitschaft, aus dem was vorgegeben ist, die für mich subtile Wahrheit zu finden. Eine Wahrheit, die nur meine, mir eigene ist und die andere nicht unbedingt teilen.
    Also, wenn der Berg ein Berg ist. Eine Erhöhung, oder Ausbuchtung der Erdkruste, dann ist es im Kern richtig. Aber sieht ein Berg, wie ein Berg aus. Welche Besonderheit muss er vorweisen. Hoch, spitz, zerklüftet, sanft ansteigend, steil abfallend, steinig, schneebedeckt, Wolken umhängend?
    Im Kern ist ein Berg ein Berg, weil wir es so festgelegt haben, hätten wir keine Bezeichnung für diese Erhebung, würden wir sie nicht wahrnehmen. Er/ es wäre einfach nicht vorhanden. Das bedeutet doch, dass ein Klischee Merkmale aufweist, die eindeutig auf den Kern hinweisen. Wenn ein Bild so verändert und keine Anzeichen auf den Ursprung führt, wie kann behauptet werden, das der Kern vorhanden ist. Da fehlt mir der Ansatz zum weiter denken. Sind es die mangelnden Beweise.
    Nichts ist wie es scheint, sondern es scheint, wie es ist.
    LG. Monika

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  5. teggytiggs schreibt:

    …kennst Du den?

    Warum sind Blondinenwitze immer so kurz? …damit auch Männer sie verstehen!

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  6. Maren Wulf schreibt:

    „Nun kannst du stempeln, solange bis das cliché seine Kraft verliert.“ Ich musste schmunzeln über diese ebenso bildhafte wie alltagstaugliche Definition des Klischees im übertragenen Sinn. Wunderbar humorvoll, der ganze Beitrag.

    Gefällt 1 Person

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