Landschaft im Nebel

„Nebel“ ist das Wort, das den Mitmachblog in dieser Woche regiert.

Nebel aber gibt es in Griechenland nicht – behauptet einer seiner großen Dichter, Jannis Ritsos.

«Εμείς δεν ξέρουμε τι είναι η ομίχλη.
Εμείς που λες όλα τα φτιάχνουμε στο φως.»

(„Wir wissen nicht, was Nebel ist./ Wir, wie gesagt, machen alles im Licht“)

Das sind natürlich nur fromme Wünsche eines engagierten Poeten, die mit der Wirklichkeit nicht viel gemein haben. (Ritsos, 1909-1990, war Kommunist,  aktiv im Widerstand gegen die deutsche Besatzung, nach dem Bürgerkrieg 1949-52 und dann wieder während der Militärdiktatur 1967-74 auf Verbannungsinseln inhaftiert)

Nebel in jeder Bedeutung gibt es also auch in Griechenland, und sein großer Gestalter war der Regisseur Theo Angelopoulos. Und da dachte ich, ich stelle euch heute seinen Film   „Landschaft im Nebel“ vor. Er verbindet „meine“ beiden Länder Griechenland und Deutschland und nimmt auch das Motiv der Vatersuche auf, das letztens in meinem Blog diskutiert wurde (https://gerdakazakou.com/2016/08/07/den-vaetern-ein-nachtrag-zur-alten-wassermuehle/).

Eine gute Zusammenfassung der Handlung findet sich bei  Wikipedia. Sie beginnt folgendermaßen:

Landschaft im Nebel ist ein Roadmovie des griechischen Regisseurs Theo Angelopoulos aus dem Jahr 1988 über zwei griechische Kinder auf der Suche nach ihrem unbekannten Vater. Das Grundmotiv des Films hat Angelopoulos einer Zeitungsmeldung entnommen: „In einer Zeitungsnotiz las ich vor einigen Jahren, daß zwei Kinder nach Deutschland aufbrachen, um ihren Vater zu suchen. Mich beeindruckte dieses starke Verlangen, den Vater zu finden.“[1]

Der Film wurde 1988 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie

und

1989 mit dem Felix in der Kategorie Bester Europäischer Film des Jahres ausgezeichnet. 1989 wurde er auch für die Nominierung zum Oscar als Bester fremdsprachiger Film vorgeschlagen.

Die Musik zu dem Film komponierte Eleni Karaϊndrou, die auch für andere Angelopoulos-Filme die Musik schrieb.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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9 Antworten zu Landschaft im Nebel

  1. gkazakou schreibt:

    Hat dies auf MitmachBlog rebloggt.

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  2. mmandarin schreibt:

    Manchmal ist Nebel hilfreich. Die klare Sicht kann schmerzen. Ich hatte einen Vater, aber wer er wirklich war, blieb nebulös und manche Erinnerung möchte ich auch nicht ins grelle Tageslicht gezerrt wissen. Marie

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  3. teggytiggs schreibt:

    …schon die wenigen Bilder weisen auf einen berührenden Film hin…mein Sohn hat einen „Vater“, der nie nach ihm gefragt hat und sich nie kümmerte (und er wollte das Kind) und mein Sohn hat furchtbar darunter gelitten und tut es wohl heute noch…

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  4. kunstschaffende schreibt:

    Schade Gerda, den Video kann ich nicht ansehen. Die GEMA Rechte müssen noch geklärt werden, steht da. Zum Thema Nebel, ich liebe diese mystische Stimmungen und habe einige Fotos dazu gemacht. Bald geht’s wieder los mit the Fog.
    Ich bin auch ohne Vater aufgewachsen, habe aber, bewusst, nichts vermisst!
    So ist dass, nichts gilt für alle!

    ❤ Grüße Babsi

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  5. gkazakou schreibt:

    Oo wie schade! Ich kann sehr oft in Deutschland eingestellte Videos nicht sehen, weil sie in GR nicht zugelassen sind. Ich vermute, dass das mit dem laxen Umgang mit den Urheberrechten zusammen hängt. – s hön, dass du bewusst nichts entbehrt hast. Viel hat wohl mit der „Familienpolitik“ der Mutter zu tun.

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  6. Brigitte Eckert schreibt:

    Das Thema Vatersuche (und generell Verlust und Suche) zieht sich durch das Werk von Th. A., in verschiedenen Versionen von Verschwinden und verschwunden bleiben. Es hat wenig zu tun mit dem Thema der ‚vaterlosen‘ Kinder unserer Generation.
    Als 7jähriger erlebt er die Verhaftung seines Vaters, 1942 in Athen, der dann als vermeintlicher Nazikollaborateuer zum Tode verurteilt wird. Da man nicht weiss, ob der Vater getötet wurde, begleitet er seine Mutter in ein Schauhaus, um unter Exekutierten den Vater zu suchen. Die Mutter deckt Leiche um Leiche auf, der Vater wird nicht gefunden.

    Ich denke, auch als Ausnahmekünstler kann man mit derart traumatischen Erlebnissen kaum, auch nicht in einem ganzen Leben, abschliessen.

    (Quelle: Walter Ruggle, Theo Angelopoulos: Filmische Landschaft)

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    • gkazakou schreibt:

      Vielen Dank für diese Ergänzung, liebe Brigitte! Leider sind solche Erfahrungen in den Jahren der deutschen Besatzung und des Bürgerkriegs in Griechenland vielen Kindern zugemutet worden. Ich habe eine alte Freundin, die war immerhin schon 16, als sie mit einem Stück Gewebe in der Hand zwischen lauter verstümmelten Leichen herumgehen musste, um ihren ermordeten Vater zu identifizieren. Sie konnte es nicht, starrte immer nur auf den Stofffetzen. Ihre Mutter wurde verrückt.

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