Fotografie und Magie – Delphi

Delphi 2

Wenn die Mühen der Malerei überhand nehmen, flüchte ich mich gern in die Fotografie.

Walter Benjamins Bedenken gegen die reproduzierbare Kunst in Ehren, aber das Foto hat unsere Welt schon lange erobert, und seit geraumer Zeit wurden auch Mittel entwickelt, um die ursprüngliche Fotografie in etwas völlig Neues zu verwandeln. Teufelswerk, Zauberwerk, Verführung des armen Malers, der all das auch gern könnte. Und zwar mühelos, staunend, wie ein spielendes Kind.

Eine Kameraausrüstung habe ich nicht, und die paar Tricks, die mir eine befreundete Graphikerin beibrachte, machen mich nicht  zur Expertin. Und dennoch: selbst mit diesen bescheidenen Mitteln kann ich so ziemlich alles, was ich will, hervorbringen. Ein Zauberlehrling. Schaut selbst. Das Foto einer Distel machte ich in Delphi, drum heißt die Serie  Delphi. Schaut mit mir in die Zauberkugel der Verwandlung durch technologische Mittel.

Delphi 4

Delphi 144 SW Quadrat d

Halt! Ist das denn dasselbe Foto? Ja, freilich. Dies ist Delphi 4. Du glaubst es nicht? Nun, Delphi 5 ist nicht genauso gut gelungen, aber auch nicht schlecht, zumal es die Flamme imitiert. die unter dem Dreifuß der Pythia brennt.

 

Delphi 144 SW Quadrat e

Und was sagt die Delphische Priesterin zu meiner Zukunft? Verstehst du den Sinn ihres Orakels?

Delphi 144 SW Quadrat pattern

Nein? Ich auch nicht. Was ich sehe, sind Barrieren, eine grausame Abfolge von sich wiederholenden Stockungen.

Ich lasse mich nicht leicht entmutigen. Eine neue Beleuchtung kann vielleicht Wandel schaffen und Aufklärung bringen.

Delphi 144 SW Quadrat invert, polar copy

Aha, ja, da scheint sich irgendetwas im Qualm des Orakelfeuers herauszukristallisieren. Eine message, die mir weiterhilft.

Delphi 144 SW Quadrat sphere c

Aber nein, in dieser Zauberkugel erscheint die Delphische Priesterin wieder und wieder, aber keine Lösung. Vielleicht hilft es, in die 2-Dimensionalität zu gehen, die ja das Metier des Malers ist.

Delphi 144 SW Quadrat h

Ich sehe einen Globus vor mir, in den Zeichen eingetragen sind. Hieroglyphen vielleicht, deren Bedeutung sich erst in Zukunft erschließen wird. Wenn ihre Zeit gekommen ist. Aber dann kenne ich ihre Bedeutung ohnehin.

Worin besteht denn nun eigentlich der Unterschied zwischen der Generierung von Bildern durch den Computer und durch die Hand des Malers? Es muss da doch einen Unterschied geben, einen gewaltigen Unterschied. Doch worin besteht er? Worin besteht er nur?

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Fotografie und Magie – Delphi

  1. Myriade schreibt:

    Eindrucksvoll ! Dennoch gefällt mir das Distelbild am besten, weil es klar und authentisch ist. Auch das letzte Produkt gefällt mir, spricht aber nicht direkt zu mir ….. Ich weiß nicht, ob es den Unterschied gibt, vielleicht doch ???

    Gefällt 1 Person

  2. mannigfaltiges schreibt:

    Es gibt keine „authentischen“ Photos. Schon allein bei der Wahl des Standortes und der Perspektive verändert der Photograph die Wirklichkeit, er zeigt ja immer nur einen Ausschnitt. Genauso muss ich immer schmunzeln wenn Photographen stolz sagen, ihr Bild sei nach der Natur und nicht bearbeitet. Sie überlassen die Bearbeitung also stillschweigend der Technik, egal ob es nun die Silberbromid/Entwickler- oder Pixel/Softwarekombination ist. Ich vergleiche das einfallende Licht immer mit Farbtuben, die Photomaschinen&Software (oder eben der Film & Laborprozess) sind Pinsel und Leinwand. Es ist unsere Sache damit was anzufangen.
    Erich

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Genau! Jeder kann auch feststellen, dass „dasselbe“ Motiv, von verschiedenen Menschen fotografiert, verschieden aussieht. Ich verglich mal Naturstudien einer Mutter und ihres erwachsenen Sohns. Die Mutterfotos waren weich mit viel Atmosphäre, die des Sohnes akkurat, scharf, wie Dokumentationen (er ist Techniker).

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  3. Ulli schreibt:

    Beim fotografieren gibt es keine Farbklekse an Händen und auf der Kleidung😉 …

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  4. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda,
    ja, so geht es mir auch, du hast es perfekt formuliert: Nach den Mühen der Malerei (des Zeichnens) greifst du zum Fotoapparat. So geht es mir auch. Deine Fotos gefallen mir sehr gut. Ist es nicht erstaunlich, wie gut der PC zaubern kann? Aber halt! Es ist nicht der PC, denn der ist immer nur so schlau oder kreativ wie die Person, die davor sitzt!
    Einen schönen Tag von Susanne

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Also auch du, Tochter Bruta. Na, ich dachte es mir. Schon in den Anfängen der Fotografie haben Maler Fotos gemacht, oft genug, um Motive zu sichern. ZB Macke in Tunesien hat Eselreiter, Gebäude etc in Schwarzweiß-Aufnahmen festgehalten und später ziemlich genau für seine berühmten Aquarelle verwendet, die auch Bleistiftvorzeichnungen enthalten. Ich persönlich finde das Fotografieren, um Motive zu suchen, für mich nicht hilfreich, sondern nehme es als eigenständige Kunst wahr. .

      Gefällt 1 Person

      • Susanne Haun schreibt:

        Ja, so geht es mir auch. Die Fotos inspirieren mich und natürlich ist es eine eigene Kunst, so benutze ich die Fotos auch. Auch Picasso nahm Fotos als Hilfe für seine Kunst. Selbst Marlene Duchamp, was mich überraschte, ich hatte damit nicht gerechnet. Ich mag am liebsten, in der Natur zu zeichnen – ich habe die Blüten lieber in der Hand und das Modell lieber vor mir. Aber es ist auch nicht immer möglich, jedoch mag ich es nicht, nach Fotos (besonders fremde) zu zeichnen. Sie können mich inspirieren, anregen und mit den Augenblicken, die ich erlebe ergeben sich eigene Aussagen in der Zeichnung.

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  5. Katrin - musikhai schreibt:

    Susanne Haun sagt so treffend:

    Aber halt! Es ist nicht der PC, denn der ist immer nur so schlau oder kreativ wie die Person, die davor sitzt!

    So sehe ich das auch! Auch Fotografie ist ein kreativer Akt!

    Gefällt 2 Personen

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