Impulswerkstatt Bild 1: Mit dem Fahrrad unterwegs

Die Zeit, dass ich die Welt per Fahrrad erkundete, ist längst vorbei, aber einst war das Fahrrad für mich gleichbedeutend mit Freiheit. Und so unterwarf ich mich als Jugendliche einem sehr strengen Sparprogramm, um in den Besitz eines Fahrrads zu gelangen. In den Ferien sammelte ich die von den erntenden Frauen vergessenen Kartoffeln im Sack (5 DM konnte man am Tag verdienen) oder füllte Erbsten in Konservendosen  (0.50 DM Stundenlohn für uns, 1.50 DM für die Frauen), bis ich nur noch von Erbsen träumte. Langsam, sehr langsam kam die Summe zusammen, die ich brauchte, um ein Tripad-Fahrrad (mit drei Gängen!!) zu kaufen. Das war, wenn ich mich nicht irre, 1957, und ich war 15. Das Tor zur Welt war aufgestoßen.

Na ja, so weit, wie die heutige Jugend mit ihren Fahrrädern kommt, kam ich nie. Das äußerste waren Touren nach Kiel oder Lübeck, 70 km entfernt. Was darüber hinausging, erledigte ich per Anhalter. Doch blieb das Fahrrad mein wichtiger Begleiter, machte jeden Umzug mit, bis es mir schließlich geklaut wurde.

Mein deutscher Neffe und auch mein britischer Großneffe sind Großmeister im Durchqueren von Kontinenten per Fahrrad. Ersterer durchfuhr allein ganz Australien und überstand eine Fahrt von Kanada bis nach Feuerland. Beide haben mich schon mal per Fahrrad besucht, der eine kam „einfach mal“ in Athen vorbei, der andere kam mit Freundin vom Nordkap herunter in die Mani, um Europa einmal von Norden nach Süden abzufahren. Wir waren die letzte Station vor Kap Tainaron, von wo es dann in die Unterwelt geht (hier).

Diesen jungen Menschen ist kein Gebirge zu hoch, kein Fluss zu reißend, keine Wüste zu dursttreibend – sie müssen hindurch. Nur das Meer …Ja, das Meer setzt ihrem Fortbewegungsdrang dann doch eine Grenze.

Dies ist ein Beitrag zu Myriades „Impulswerkstatt„.

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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9 Responses to Impulswerkstatt Bild 1: Mit dem Fahrrad unterwegs

  1. Wie Du Dir Dein Fahrrad damals verdient hast, ist beeindruckend.
    Was die Fahrradkünstler von gestern und heute vorhaben, übersteigt unseren Horizont der Vorstellungen.
    Aber sie schauen – ja wie wir damals – nach vorn. Und das ist gut so.🚴

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  2. Avatar von Myriade Myriade sagt:

    Das Gefühl von Freiheit wenn man mit dem Rad unterwegs ist, kann ich nachvollziehen, aber es ist halt auch sehr anstrengend. Meine Hochachtung für Leute, die über Berg und Tal und durch Wüsten radeln! Bequem wie ich nun leider bin, bin ich im Weltreisealter Interrail gefahren und geflogen. War auch schön, aber nicht so nah an der Natur.. Danke für den schönen Radbeitrag !

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  3. Ich habe es auch bei mir angezeigt. 🚴

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  4. ich erinnere mich gern zurück an meine fahrradreisen…

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  5. Avatar von sonnenspirit sonnenspirit sagt:

    Als du dein erstes rAD FUHREST, BIN ICH GERADE ERST GEBOREN….und als Kind machten wir alles auf dem Fahrrad. Heute finden sich Räder an jeder Ecke, denn entweder fährt man E-rad oder E-Roller, Junge wire Alte. In meiner Garage stehen vier ausrangierte Räder…die noch gut sind. Einen Steinzeitkollegen deines Alters habe ich, der auch einmal die Tour von Kanada bis Peru radelte! Er erzählt gerne…Ich liebte besonders mein großes schwarzes 28er von der Oma.

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  6. *lach*, zur Steinzeit! Toll, wie Du zu Deinem Fahrrad gekommen bist!
    Ich bin wenig Fahrrad gefahren. Wir wohnten an einem Berg, zwischen zwei dörfern.
    Ich konnte zur Konfirmation wünschen: Entweder ein Rad oder eine Armbanduhr.
    Dann wurde ich sehr geschickt zu einer Armbanduhr gedrängt.
    Dann kam ich doch noch zu einem Fahrrad der Marke Peugeot. Wie lange ich damit fuhr, weiß ich nicht mehr, aber mit meiner jüngeren Tochter war ich oft damit unterwegs.
    Dann wurde dieses Rad entsorgt, wieso weiß ich nicht mehr, und ich bekam ein neues, sehr chic und ich benutzte es immer weniger.
    Mein Chef brauchte dringend eines und ich lieh es ihm herzlich gerne… (einen PKW konnte er sich nicht mehr leisten)
    Der Rennradbegeisterte ist mein Ehemann, aber solch riesige Touren wie Deine Verwandten hat er doch nicht gemacht. 🙂

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  7. Mein erstes (eigenes) Fahrrad musste ich mir auch erarbeiten auch 3-Gang (Fichtel & Sachs). Meine Arbeit war ähnlich – statt der Erbsen, waren es aber Rollmöpse. Dafür blieb meine Liebe fürs Radfahren ein lebenlang erhalten.

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