Als ich heute wie jeden Sonntag hinab ins Archiv stieg, begegnete ich vielen Wiederholungen: wieder war, wie fünf Jahre zuvor, Ostern (https://gerdakazakou.com/2025/04/19/archivbild-der-woche-19-4-2020-war-auch-ostern/),

wieder blühten die Zitronen so schön wie in früheren Jahren (https://gerdakazakou.com/2024/04/19/tagebuch-der-lustbarkeiten-wiederholen/)
…Wieder und wieder zeichnete ich Olivenbäume,

oder auch dieselbe Kugelvase mit der unverwüstlichen künstlichen Mistel.

Schließlich lande ich beim 19.April 2022. Es ist das Dora-Jahr. An jenem Apriltag ist die Sonne über einer regennassen Welt aufgegangen, die in den Strahlen leuchtet und glitzert. Dora ist begeistert über alles und jedes. Ich erkläre ihr ein paar Namen und denke über Dora nach, die nur diesen einzigen Frühling 2022 erleben wird
„Immer wieder vergesse ich, dass dies Doras erster und einziger Frühling ist. Dass sie noch nie eine Ackerwinde gesehen hat und auch keinen Hahnenfuß. Ich müsste all die kleinen Blüten mit ihr betrachten, mit ihr zusammen wieder lernen zu staunen, so als sähe ich all dies zum ersten Mal. Oder zum letzten Mal. Habe ich es überhaupt schon je gesehen – ich meine: wirklich gesehen -, was da nach dem nächtlichen Regen so wundersam aus der Erde sprießt?“

Als sie eine Blatttränke für Insekten entdeckt, ist sie vor Verzücken außer sich.

„Und ich gebe zu: Auch ich habe selten so etwas Feines gesehen. Die Tränke steht witzigerweise direkt vor dem Pumpenhäuschen der Wassergesellschaft. In jedem der wie Schöpfkellen geformten in vielen Etagen übereinander stehenden Blätterschalen liegt eine wohlgeformte glänzende spiegelnde Wasserperle! Dora versucht, mir eine zu bringen, ohne dass sie zerrinnt.“
So schrieb ich vor vier Jahren.
Für Dora war alles neu, nichts wiederholte sich. Denn sie war ja ein Jahres-Geschöpf, das nur einmal den Jahreszirkel durchlief. Für mich aber wiederholt sich vieles, denn ich erlebe nun schon den 84. Lenz. Auch die Natur wird nicht müde, sich zu wiederholen. Wieder-Holen, was vergessen war, was untergegangen ist. Ja, warum nicht?
„Die liebe Erde allüberall / Blüht auf im Lenz und grünt / Aufs neu!“ „„Allüberall und ewig/Blauen licht die Fernen! Ewig… ewig…“ So verklingt der 6. Satz von Mahlers „Lied von der Erde“: Abschied.
Immer wieder dasselbe und immer wieder vollkommen neu….
und immer wieder ein Wunder … Lieben Gruß!
LikeLike
Die Zeichnung des Olivenbaumes gefällt mir sehr 🙂 Lieben Gruß
LikeLike
Jedes Jahr ein Frühling. Und doch verliert er nicht seine Schönheit und bringt jedes Jahr ein kleines Staunen. Dora hat mich, ich erinnere mich gut, daran erinnert, das Staunen nicht zu vergessen.
LikeLike
Deine sonntäglichen Besuche zu deinem Archiv sind spannend ! Tolle Idee und schön, dass wir daran teilnehmen können ! Und schöne Erinnerungen kommen wieder auf. Was für eine Schaffenslust! Ja, das Staunen ist schon ein Lebenselixier! Liebe Grüße, Petra
LikeLike