Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Vieles fällt mir zu diesem Wörtchen ein, denn wir leben in zutiefst verwirrten Zeiten, wo mir sämtliche politischen und ethischen Begriffe auf den Kopf gestellt zu sein scheinen. Und so frage ich mich oft: Soll ich offen Stellung beziehen? soll i aus meim Hause raus, soll i aus meim Hause nit raus? Und weiß mir keine Antwort.
Christian Morgenstern
Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst
Soll i aus meim Hause raus?
Soll i aus meim Hause nit raus?
Einen Schritt raus?
Lieber nit raus?
Hausenitraus –
Hauseraus
Hauseritraus
Hausenaus
Rauserauserauserause …

Illustration zu ur-und-die-erschaffung-der-welt-abc-etuede-und-impulswerkstatt-
Natürlich bin ich nicht sooo verwirrt wie die Morgensternsche Hausschnecke und schaffe es stets, hinauszugehen und Freude zu suchen. Denn, wie ich in einer Sommerpausenetüde (hier) mal dichtete: bin weder Schnecke, weder Maus….
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
Wer drin bleibt, hat es bald bereut
Vergällt die Lebensgeister
Drum schnell hinaus aus deinem Haus
Bist keine Schnecke, keine Maus
Bist Wasserläufer-Meister

Mit Humor geht alles besser…
WO wären wir denn so ganz ohne, liebe gerda? Im hintersten Winkel im Haus ?
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Hach, dieses Morgenstern-Gedicht liebe ich auch SEHR – es passt gut in diese wirre Zeit!
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