Mindestens drei von zwölf ausgelosten Wörtern sollen wir bei Christianes Etüdensommerpausenintermezzo in einem Text unterbringen. Mich hat der Ehrgeiz gepackt, sie reimend alle zwölf zu verwenden. Auch einen Wunsch sollten wir einbauen. Und siehe da: es ging!
Die Wörter sind:
Balkonbewohner
Blütentraum
Gewitterfront
Lampenfieber
Portrait
Schnickschnack
Streuobstwiese
Unzulänglichkeiten
Vergebung
Vollidiot
Warnung
Wünschelrute
Wünschelruten-Abgesang
Die Wünschelrute ausgefahren!
Schon kleben Wünsche dran zu Hauf!
Wird sich der Menschen Kriegsgebaren
Mal ändern und der Welten Lauf?
Wird sich Vergebung mal einschleichen
Für Unheil, das man einst erlitten?
Lässt endlich Frieden sich erreichen?
Wird stets von Neuem hart gestritten?
Hört irgendwer die leise Warnung
Durch all den Schnickschnack der Kanäle?
Braucht stets die Wahrheit Tand und Tarnung
Damit sie uns nicht allzu quäle?
Es ist nicht fein, wenn zwei sich streiten
Und sich bedrohen ohne Not.
Doch alle Unzulänglichkeiten
Zusammen führen erst zum Tod.
Ihr friedlichen Balkonbewohner
Die eben noch sich selig sonnten
Ihr Unschuldslämmer, Niedriglohner
Seht ihr nicht die Gewitterfronten
An allen Horizonten stehn?
„Ich seh sie, ja, doch was soll sein,
ich werd dem Unheil schon entgehn.
Kann eh nichts machen, so allein.“
So mancher kriegt schon Lampenfieber
Und hechelt lustvoll: endlich Krieg!
Doch irr dich besser nicht, mein Lieber,
auch diesmal endet’s nicht mit Sieg.
Nicht alle Blütenträume reifen
Dem, der bei Krieg an Sieg gedacht.
Wem Kugeln um die Ohren pfeifen
Bereut, was er sich vorgemacht.
Vielleicht wirst du bald Ruhe finden
Im Streuobstwiesen-Massengrab
Dein Portrait wird kein Kranz umwinden
Und niemand hört, was sich begab
Mit dir, dem Vollidioten, der
Dem Rufe folgte und begehrlich
Sich einschrieb bei der Bundeswehr
Wie konnt er bloß! Ihr Leute, ehrlich…
260 Wörter.

Großartig! Ich werde Deinen Beitrag gleich unter meinem nachtragend verlinken. Ich möchte unbedingt, dass er von mehr Menschen gelesen wird.
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Sehr gern, danke. (War im Spam)
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Pingback: Nach-der-Feier-Intermezzo – Querfühlerin
Lieben Dank fürs Verlinken, Cynthia!
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(Seltsamerweise wurde mein Kommentar hier verschluckt. Ich probiere es noch einmal:)
Großartig! Ich freue mich, dass mein Gedicht der Anstoß zu Deinem war und ergänze nachtragend unter meinem Artikel den Link zu Dir. Danke für das gemeinsame Spiel 🙂
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Danke dir, war im Spam. Da verschwindet dies und das. Ich schaue dann nach und befreie es.
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Wow, Gerda, klasse! Das klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber ich finde, du übertriffst dich echt selbst. Und ja, so wahr, so oft, in so vielem, leider …
Eins muss ich korrigieren: 7 aus 12 sind unterzubringen, nicht 3. Aber ich freue mich, dass du dich offenbar schon gedanklich mit deiner Adventüde beschäftigst 😉
Danke dir für dein (erstes) Intermezzo!
Nachmittagskaffeegrüße 🌤️🌳🦋☕
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Lieben Dank, Christiane, für dein Lob aus berufenem Munde!
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Gerda, absolut großartig! 💐👍🤗
Liebe Grüße vom Lu Finbar
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Danke, lieber Lu!
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Toll! Die Katas-trophen sind schon was sehr eigenes. Meine Favoriten: der Schnickschnack der Kanäle und das Streuobstwiesen-Massengrab. Ah, und „nicht alle Blütenträume reiften“, das ist aus Goethes Sturm- und Drangzeit „Prometheus“, ein Gedicht, das ich sehr mag. Ich glaube fast, ich kann es noch auswendig …
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Dankeschön. 🙂
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da ist dir etwas hervorragend gelungen, liebe Gerda!
sagt Sonja
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😊
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😊 danke!
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ja, und heute schon wieder!
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durchaus, ja 🙂
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Du hast wieder eine sehr originelle Schnipselfigur geschaffen, liebe Gerda, und Deine Verse sagen so vieles aus, bei dem ich heftig mit dem Kopf nicke.
Sich freiwillig zum Töten zu melden bedeutet, sich zum Morden zu melden und ein Massengrab in Streuobstwiesen ist noch das beste, was der Krieger kriegen kann…
Es darf keinen neuen Krieg mehr geben. Zu viele junge Menschen sind doch schon gestorben und viel zu viele Tränen wurden geweint…
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danke, Bruni. Für deine guten Worte. Wer braucht Krieg?
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Da kann ich nur auf Eric Bogle verweisen, damit einem klar wird, was einen im Krieg erwartet:
https://youtu.be/cnFzCmAyOp8
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Danke dir, Werner. Ich brauche freilich keine Hilfe, um es mir vorzustellen.
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