Begegnung der Dritten Art (abc-etüde)

Dies ist ein Beitrag zu Christianes abc-etüden. Die Wörter „Unterwürfigkeit, verschuldet, verjubeln“ spendierte Werner Karstens.

Ich öffne das Gartentor, um die gleißende Fläche des Meeres zu fotografieren. Da  bemerke ich auf dem Feld gegenüber etwas Buntes.

Ein Spielzeug? Doch nein, das ist  …

wie heißt er doch gleich … genau! Weltraumforscher Jonas im Walfischgefährt!

„Hallo“ rufe ich erfreut!  „Jonas, du?“

„Hällou!“ tönt es zurück. „Dora schickt mich! Ich soll dich loseisen. Sonst verjubelst du das Jahr sinnlos mit Madame Transparenz, sagt sie!“ – „Verjubeln? Du meinst: vergeuden“ –  Immer diese Wortklauberei, tadle ich mich im Stillen. Wenn Jonas jetzt sauer wird, hast du es selbst verschuldet. –  „Nun komm schon, steig ein!“

„Das ist mir zu plötzlich“, sage ich. „Und es geht auch nicht. Diaphania ist Repräsentantin des Jahres. Meine Leser haben das so bestimmt. Ich kann nicht einfach …“ –  „Was soll diese Unterwürfigkeit?“  unterbricht mich der Kleine. „Du bist deinen Lesern gar nichts schuldig! Die haben schon vergessen, wen sie gewählt haben. Transparenz ist gut nur dort, wo sie fehlt. Niemand will sie an der Regierung haben.“

„Du irrst dich!“ antworte ich bockig. „Alle lieben Transparenz. Und ich bin nicht unterwürfig, sondern konsequent. Was soll ich im Weltraum?  Gibt es dort etwa Frühling und Mandelblüte? Schau, die erste rote Anemone!“

„Dafür gibt es rote Riesen und weiße Zwerge! Und Dora! Die erwartet dich auf der Betelgeuze!“

Dora …  die sähe ich gern wieder. Ich könnte ihr eine Anemone bringen. „Wielange dauert die Reise zur Beteldingsbums?“ frage ich zögernd. „Och, ein paar Lichtjahre sind es schon. Aber keine Bange! Licht ist superschnell, und so ein Lichtjahr ist im Nu vorbei.“ – „Lichtjahre? Ne, mein Lieber, solange kann ich hier nicht fehlen. Tut mir leid. Bestell Dora meine Grüße und sag ihr, die Katzen brauchen ihr Futter. Das versteht sie.“

„Überlegs dir! Ich komm morgen noch mal vorbei!“ Und schon hebt sein Wal ab und verschwindet zwischen den Sternen.


Anmerkung: Das „Weltraum“-Bild sah ich vorhin, als ich mit meinem Sohn skypte. Es ist ein Bildsceen, um den tatsächlichen Wohnhintergrund des Home-Workers zu verdecken.

 

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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7 Responses to Begegnung der Dritten Art (abc-etüde)

  1. Da kommt Schwung auf!🙋🌌🌈

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  2. Avatar von Christiane Christiane sagt:

    Genau, die Realitäten zuerst: Die Katzen brauchen Futter, du musst rechtzeitig zurück sein, sie verlassen sich auf dich. Alles andere lässt sich ändern oder aufschieben 😉
    Schön, die Mandeln und die Anemone! Danke für die Etüde!
    Morgenkaffeegrüße ☁️🌼🎶☕🍪

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  3. Avatar von Mitzi Irsaj Mitzi Irsaj sagt:

    Ein Lichtjahr ist zu lang – das kann ich nicht abwarten. Auch wenn ich dir ein Wiedersehen mit Dora (und mir Reiseerzählungen) gegönnt hätte. 😉

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  4. Ich finde auch, daß ein Lichtjahr viel zu lange ist, aber Gerda denkt an die Katzen und läßt sich nicht zum Weltraumflug verführen 🙂

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  5. Mit 1 Lichtjahr werben, obwohl es 642,5 Lichtjahre zu Betelgeuse hin sind, finde ich schon nicht fair. Ja, und Haustiere gehen in jedem Falle vor!

    Sehr launig geschrieben!

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