Dora zum VierundzwanzigstenVierten: Ostersonntag

ΚΥΡΙΕ ΔΟΞΑ COI (Dir Ruhm, Herr): Kerzengehänge mit Rotkehchen, Außenfassade der Klosterkirche

Der heutige Tag war, wie es sich für einen Ostertag gehört, von exquisiter Schönheit: Klar und sonnig, das Meer eine stille hellblaue Fläche, alle Hänge und Felder überblüht, in den  Schründen der Berggipfel allerletzte Schneereste. Auch konnte ich heute nun doch noch eine  Osterliturgie im „Kleinen Kloster“ besuchen.

Ich habe schon öfter von diesem Kloster erzählt, auch Bilder gezeigt, vom Esel, vom Garten, von der Wandbemalung und den schmückenden Details, zB hier und so kann ich mir weitere Erzählungen sparen.

Auch von der Auferstehungs-Liturgie in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag, die ich gestern leider nicht besuchte,  erzählte ich in Bildern, nämlich hier.

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Heute wurde mir schöner Ersatz, denn zur „Liebesfeier“ des Ostersonntag waren zwei junge Psalten gekommen und ergänzten in schönster Weise die Stimmen der älteren Mönche. Ich weiß nicht, ob du jemals einer orthodoxen Liturgie beigewohnt  hast: alles wird gesungen. Gesungen wird also auch der Evangelientext. Das „göttliche Drama“ kommt als Gesang, begleitet von seit Jahrhunderten einstudierten Gesten, zur Aufführung. Die Mönche und Psalten verkünden das Geschehen, die Gemeinde geht mit dem Geschehen mit und erlebt eine Katharsis (Reinigung) – nicht viel anders als im antiken Theater.

Bevor die Liturgie begann, machte ich einen Spaziergang zum benachbarten Dorf. Still und wie verlassen lag es im späten Nachmittagslicht. Auf den Straßen, zu schmal für Autos, lagerten Katzen jeglicher Größe und Farbe und ließen sich von der Wanderin nicht stören. Alte Gemäuer, für das Fest geweißte Straßenränder, Blühendes in Kübeln oder Ruinen, und Kirchen. Das Dorf hat kein Kafenion mehr, aber Kirchen hat es jede Menge. Kein Mensch begegnete mir auf meinem Streifzug. Wäre nicht Dora mit ihren Faxen, ich dächte, ich wanderte in einem verwunschenen Ort des Schlafs und Vergessens.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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23 Antworten zu Dora zum VierundzwanzigstenVierten: Ostersonntag

  1. Peter Klopp schreibt:

    Da freue ich mich mit dir, dass es dir gelungen ist, doch noch die Osterliturgie in einem Kloster mitzuerleben. So etwas kann man durch Fernsehen einfach nicht ersetzen.

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  2. Linsenfutter schreibt:

    Ich hoffe Du hattest ein schönes Osterfest.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Wunderschön muß das Erleben gewesen sein, da auch die Natur so festlich war!

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  4. elsbeth schreibt:

    Oh, ja ! Griechische Osternacht …ich erinnere mich GUT, auch wenn es schon ein halbes Jahrhundert her ist: Andacht, Ernst und – Jubel ..und spontanes Einbeziehen jedes (!) Menschen in die Osterfreude. Das hat mich tief beeindruckt. ..Ich denke, du hast Recht, die Form geht zurück bis ins antike Theater !!! Spannend finde ich auch: Das zur Staatskirche erstarkte Christentum verbietet zunächst alles Heilige der „Heiden“…Olympiade, Philosophenschulen u.u…. und eben auch das Theater. Aber aus der Osterliturgie des frühen Mittelalters, die lateinisch gesungen und gespielt wurde, mit bestimmten zu lernenden Gesten, …aus dem Wechselgesang zwischen den Frauen und dem Engel “ quem queritis ?“ “ wen sucht ihr ? “ entwickelt sich dann allmählich NEU das europäische Theater. Jedenfalls ein (!) Strom, der der in ganz Europa sich verbreitenden Mysterienspiele.(Ein anderer geht über die Vorformen der Comedia dell`arte )Ich habe den Eindruck, da ging trotz dieses Verbietens ein unterirdischer Strom des antiken Theater weiter… ???
    Grüße !!! Elsbeth

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    • gkazakou schreibt:

      Danke von Herzen, Elsbeth, für die historische Erweiterung. Deinen Satz „da ging ein unterirdischer Strom des antiken Theater weiter“ möchte ich noch in die Zeit vor dem antiken Theater zurückverfolgen. Ich weiß zwar nicht, wie die Mysterienspiele in der Antike (Eleusis u.a.) ausgeführt wurden, aber mir scheint wahrscheinlich, dass sich das Theater als eine exoterische Veranstaltung, die jeder besuchen konnte und sogar sollte, in der klassischen Zeit daraus entwickelt hat (Aischilos u.a.), . Und so ist es auch wahrscheinllich, dass der esoterische Unterstrom über die mittelalterlichen Mysteriendramen dann erneut auch das exoterische Theater (Shakespeare, Faust u.a.) hervorbrachte. Du wirst mehr darüber wissen.

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  5. olecordsen schreibt:

    Sehr schöner Text, schönen Start in die Woche!

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  6. wildgans schreibt:

    Schön, alles!
    Habe mal ein Seminar mitgemacht, die Überschrift war: Mathematik, Kunst, Religion…Daran denke ich nun.
    Gruß von Sonja

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  7. Ein stiller Ort, in dem dann die Osterliturgie stattfand.
    Ich kann mir diese uralte Zeremonie gut vorstellen und beim Nachdenken darüber bekomme ich Gänsehaut…

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    • Pega Mund schreibt:

      liebe gerda, eben lese ich in frühmorgendlicher ruhe, von vogelstimmen zart erquickt, deine osterberichte und möchte dir danken dafür!

      mein leben ist derzeit so absolut getrieben von mannigfachen pflichten und nöten, dass ich mich auf die osterzeit kaum besinnen konnte – deine schilderungen lassen vieles anklingen in mir, rühren auch an kindheitserinnerungen: osterbräuche, religiöse zeremonien, streng und großartig und auf geheimnisvolle weise nährend …

      ganz herzliche grüße!
      pega

      Gefällt 1 Person

  8. Ich habe eben vor zwei Tagen einer orthodoxen Lithurgie beigewohnt, naemlich einer Hochzeit hier in Californien in San Diego in einer Orthodox Church. Es war wunderschoen die Texte und Gesaenge.

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  9. Pega Mund schreibt:

    liebe gerda, eben lese ich in frühmorgendlicher ruhe, von vogelstimmen zart erquickt, deine osterberichte und möchte dir danken dafür!

    mein leben ist derzeit so absolut getrieben von mannigfachen pflichten und nöten, dass ich mich auf die osterzeit kaum besinnen konnte – deine schilderungen lassen vieles anklingen in mir, rühren auch an kindheitserinnerungen: osterbräuche, religiöse zeremonien, streng und großartig und auf geheimnisvolle weise nährend …

    ganz herzliche grüße!
    pega

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Pega, ich freue mich sehr, wenn dir durch mein Erzählen Kraftquellen deiner Kindheit in Erinnerung kamen. Lass dich nur ja nicht zermahlen von deinen tagtäglichen Anforderungen!. Von Herzen, Gerda

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      • Pega Mund schreibt:

        danke dir, liebe gerda!
        ja, ich bemühe mich, einigermaßen unversehrt zu bleiben in diesen vielfach schwierigen, im großen wie im kleinen scharfkantigen zeiten.
        vielliebe grüße,
        bestes dir!
        pega

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