Dora zum Vierten: Die Schafskopfrunde

„Was liest du da eigentlich die ganze Zeit?“ fragt mich Dora. „Immerzu starrst du auf dein Handy, schneidest Grimassen und sagst Pu oder Sieh mal an!“ –  „Lass mich mal, ich lese die neusten Nachrichten“, antworte ich abwehrend. „Und worum geht es?“ beharrt Dora. „Geht es um die Geschenke, die ich den Menschen gebracht habe?“

„Ja, klar! Um deine Geschenke geht es! Worum denn sonst?“ antworte ich entnervt und ich lese ihr vor: „Der Ehrenpräsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, spricht sich für eine konsequente Ausgrenzung von Ungeimpften aus …. Erst vor kurzem habe er eine private Schafskopfrunde abgebrochen, weil sich herausgestellt habe, dass ein Mitspieler ungeimpft sei, berichtete Hoeneß.“

Otto Dix, Kartenspieler, 1920, eigenes foto mit Dora-Collage

„Die Impfung, sage ich mit ironischem Unterton, „ist ein Geschenk der Wissenschaft an die Menschheit. Steckst du ja wohl dahinter, oder?“

Dora ist verwirrt. Von Ironie versteht sie nichts. Ich versuche, ihr die Zusammenhänge zu erläutern.  Was ein „Ehrenpräsident“ und was eine „Schafskopfrunde“ ist, begreift sie schließlich, aber warum ein „Ungeimpfter“ nicht tauglich für eine Schafskopfrunde sein soll –  das will ihr nicht in den Kopf. Dora ist eben recht naiv, ihre Weisheit ist die von Kindern. Sie schüttet ihre Gaben freihändig auf alle aus, egal ob sie ihr Schürzchen aufhalten oder nicht. Nie käme ihr in den Sinn, jemanden zu zwingen, etwas anzunehmen, was er nicht haben will.

„Dann wäre es ja kein Geschenk, sondern …“

Das passende Wort fehlt in ihrem Wortschatz, sie stammelt und stottert und schaut mich hilflos an. Ich hätte schon ein paar Wörter zur Verfügung, aber wie soll ich ihr die begreiflich machen? Drum stehen hier drei Punkte, die du nach Bedarf selbst ausfüllen kannst.

Francois Leger, Kartenspieler 1917, eigenes Foto mit Dora-Collage

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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10 Antworten zu Dora zum Vierten: Die Schafskopfrunde

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Oh Gerda, sind das nicht lauter Kettenreaktionen? Die Gedankenwelt ist offensichtlich mächtiger als man denkt, und Worte ziehen andere Worte an.
    Lieber gute Gedanken in die Welt setzen. Vielleicht hilft Dora schon dabei und Du auch….

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Dora zeigt sich ja recht tapfer in der Collage.

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  3. Leela schreibt:

    auf dem ersten Foto musste ich Dora lange suchen, aber dann fand ich sie. Ein freudiges „aber“. „Aber“ kann also durchaus auch angenehm und erkenntnisreich sein. Ob Dora das wohl auch wusste, als sie gestern das „Aber-Geschenk“ in die Runde streute? Nötigung fällt mir für die drei Punkte ein. Doras Art zu schenken gefällt mir. Wie eine Rose, die ihren Duft verströmt. Von Absichten frei…

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    • gkazakou schreibt:

      Danke Leela, deine Antwort ist wie ein Geschenk mit Rosenduft! 😉 🙂

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      • Leela schreibt:

        danke Gerda, so schön, wie du das sagst…🙂 bin grade zu Besuch bei einer langjährigen Freundin im Süden der Republik in ehemals heimatlichen Gefilden.. sehr schön haben wir gestern unser Wiedersehn gefeiert und jetzt gehe ich gleich mit ihrem Hund spazieren. Noch arbeitet sie, aber wenn die Impfpflicht in Kraft tritt, werden eine Reihe alter Menschen eine liebevolle Pflegerin weniger haben…

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    • gkazakou schreibt:

      Ich las, die Träger können Ausnahmen machen, wenn sonst die Pflegesituation zu schwierig wird. Vielleicht kann deine Freundin bleiben. Und vielleicht löst sich dieser Spuk langsam auf wie ein Nebel, der die Köpfe der Menschen befallen hat. Euch noch eingutes Zusammensein!

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  4. nandalya schreibt:

    Morgen werden dann Raucher und später noch SUV-Fahrer konsequent ausgegrenzt und in Umerziehungslager gesteckt. Die schaden nämlich alle der (Volks)Gesundheit.

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  5. Wie Dora sollten wir alle neu zu denken
    beginnen und Toleranzen wachsen lassen.

    Selbst infizierte Hilfskräfte, die keinerlei Symptome haben, können weiterarbeiten, habe ich gestern in einem TV-Bericht gehört .
    Leider war mein anderes Ohr mit Tochter und Enkel beschäftigt, so dass ich nicht weiss, welcher Sender es ausstrahlte

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