viel, wenig, fast nichts: Gedanken (tägliches Zeichnen)

Ich warte vor dem Supermarkt, sitze unter der Überdachung des Innenhofs.  Eine große Reklametafel ragt links oben ins Bild und verdeckt ein wenig die in Quadraten sich aufbauende Fensterwand und die schweren leeren Balkone eines Bürogebäudes. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite  werden hinter einer Reihe von Bäumen die monotonen Fronten von Wohnhäusern sichtbar.

Himmel gibt es auch, ein schmaler Streifen über den Wohnhäusern, die Wipfel der Bäume berühren ihn.

Zu viel auf engem Raum, es sperrt mich ein, denke ich und wende meinen Blick nach links, zu einer Säule des Innenhofs.  Es ist keine bedeutende

Säule, nur eine grobe Verschalung am Sockel, darüber das nackte aus Beton gegossene runde Ding. Meine Gedanken gehen zu den Säulen, die dieses Land berühmt machten, die zur Mitte hin anschwellen, die in ihrem Stand der Neigung der Erdkugel folgen. Ja das tun sie, das wusstest du nicht?  Wieviel Hingabe, wieviel Schönheit und Wissen war im Tempel vereint.  Was bleibt?

Was bleibt von den schön geformten irdenen oder erzenen Krügen mit ihren Bemalungen, ihren Darstellungen von Göttern, Menschen, Tieren und Pflanzen? Geblieben ist der Plastikbecher, in dem man mir heute den Kaffee servierte. Ein Fast-Nichts und schon zu viel.

Warum zeichnest du nichts Schönes, Bedeutendes? Unsere Welt ist schäbig geworden. Schnell zücke ich den Kugelschreiber, nehme den kleinen Reporterblock. ZEICHNE WAS IST: eine Flasche aus Glas, eine Flasche aus Plastik, ein Glas.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter alte Kulturen, Architektur, Ökonomie, Geschichte, Meine Kunst, schreiben, Zeichnung abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu viel, wenig, fast nichts: Gedanken (tägliches Zeichnen)

  1. castorpblog schreibt:

    so entstehen die schönsten Zeichnungen

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  2. ele21 schreibt:

    Diese Stimmung- wenn ich Dich recht verstanden hab – und diese Art , sich durch das Konzentrieren auf den Augenblick zu „ retten“ – das kenn ich auch . Lieben Gruß!

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  3. nandalya schreibt:

    Zeichne was ist. Besser kann man es kaum ausdrücken.

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  4. Sehr treffende aber auch ernüchternde Beschreibung und sehr nachvollziehbar.

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  5. Unschönes, Ernüchterndes, Bedrückendes, ausblenden und sich dem Schönen widmen, dem Ästhetischen.
    Ganz deutlich wird es in Deinem letzten Bild, der Skizze einer Flasche aus Glas, einer Flasche aus Plastik und einem Trinkglas mit Stiel, liebe Gerda

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  6. Gisela Benseler schreibt:

    Gerda, es spricht soooooo viel aus diesem Wenigen. Sehr sehr gern würde ich es übernehmen, wenn Du es erlaubst. Doch da gab es, glaube ich, noch eine andere Möglichkeit: Was war das bloß? Ich erinnere mich nicht mehr genau. Irgend eine wissenschaftliche Erklärung zu irgendeinem neutralen Thema. Kann Du Dich noch erinnern, Gerda?

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    • gkazakou schreibt:

      Die andere Möglichkeit ist, dass du etwas eigenes schreibst und in deinen Text hinein einen Link setzt. Dadurch würde für den Leser verständlich, warum du diesen Beitrag gut findest und was er mit deinen eigenen Gedanken zu tun hat. Das ist vergleichbar mit einem Zitat, das man in einem eigenen Text verwendet. Dagegen hätte ich nichts. Dafür musst du meinen Titel kopieren und bei dir reinkopieren (copy und Paste).
      Das viele Rebloggen mag ich nicht, es macht keinen Sinn. Liebe Grüße Gerda

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  7. Friedrich schreibt:

    Zeichne, was ist. Sehr gut.
    Zeichne, was nicht ist. Nächster Schritt. Bei mir.

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