Nächtliches Zeichnen: Pinienzapfen und runde Vase

Nachts, wenn alles still ist, sitze ich gern noch ein Weilchen allein am Kamin, trinke ein Glas Rotwein und zeichne ein wenig. Im Moment hat es mir der Pinienzapfen angetan, der vor mir auf einem runden schwarzen Eisentisch liegt. Er stammt von unserer gewaltigen Pinie im Garten und ist ziemlich angeschlagen. Seine schaufelförmigen in einer Spirale angeordneten Schuppen sind teilweise ausgebrochen, der Rhythmus kaum noch zu erkennen. Doch nun ist er einmal da, und ich lege ihn neben die runde weiße Vase, in der ein paar inzwischen vertrocknete Stengel mit Hagebutten sowie ein unverwüstliches Kunstblatt stecken. Im schwarzen Tisch zeigen sich leichte Spiegelungen, im dunklen Zimmer schimmert eine Stuhllehne als Lichtstreifen.

Auf der ersten Zeichnung lasse ich mich von den Hell-Dunkel-Kontrasten leiten, was nicht ganz einfach ist, weil Tisch und Raum und teilweise auch die Gegenstände sich zu einer dunklen Masse vereinigen. Ich versuche die dennoch vorhandenen Abstufungen des Schwarz wahrzunehmen und wiederzugeben.

Bei der zweiten Zeichnung ergänze ich das Motiv um das Weinglas und zwei Stifte und gehe dem Linienspiel nach. Die Hell-Dunkel-Kontraste deute ich dadurch an, dass ich manche Linien verstärke.

In dieser Art zeichnend nachzusinnen, bringt mir den Seelenfrieden, der mir dann auch einen guten Schlaf beschert. Fürs Skizzieren benutze ich dicke Dossiers mit Kopien von Texten, die ich irgendwann mal wichtig genug fand, um sie aus dem internet zu ziehen, zu kopieren und heften zu lassen. An manchen Stellen scheinen die Texte durch.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Nächtliches Zeichnen: Pinienzapfen und runde Vase

  1. Katrin - musikhai schreibt:

    Zeichnen als Schlaftrunk, eine schöne Vorstellung.

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  2. TeggyTiggs schreibt:

    …beide Zeichnungen wirken sehr inniglich auf mich, so, als wärest Du ganz bei Dir gewesen…die zweite gefällt mir noch besser als die erste, weil die Gegenstände wirken, als lösten sie sich auf, wodurch sie überhaupt nicht mehr wichtig erscheinen…finde ich sehr schön!

    Gefällt 1 Person

  3. Die erste Zeichnung finde ich wunderschön und außerordentlich gut gelungen.
    Bei der zweiten, kaum Materie, stutze ich und weiß nicht recht, wie ich sie finde, doch dann sehe ich sie mir in Abständen immer wieder an und bei jedem Hinsehen wird sie mir lieber, liebe Gerda.

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