Kunst am Sonntag: Der Wunderblock und Hilma af Klint (Video)

Von all den vielen Büchern, die sich in unserem Haushalt angesammelt haben, verteilt auf viele viele Regale, suchte Will.i gestern eines heraus: den „Wunderblock – Eine Geschichte der modernen Seele“. Wie es dazu kam, beschreibe ich in meinem vorigen Eintrag.

In Erwartung seiner Fragen nahm ich mir am Nachmittag noch einmal den dicken Wälzer vor. „Wunderblock – Eine Geschichte der modernen Seele“.  Welche der vielen Seelentheorien waren hilfreich, dem inzwischen 5-jährigen Knaben Frage und Antwort zu stehen?

Die Ausstellung fand in Wien statt – einer Stadt, die wohl die meisten bedeutenden „Seelenforscher“ – neudeutsch Psychologen – beherbergt hat. Und natürlich waren sie auch hier im Buch vertreten. Aber würde man einem „Seelenforscher der anderen Art“ wie zum Beispiel Rudolf Steiner ebenfalls ein paar Seiten widmen? Immerhin ist Steiner in einem Wiener Randbezirk aufgewachsen, hat in Wien gearbeitet und studiert, und hat dort seine Doktorarbeit „Philosophie der Freiheit“ verfasst, bevor er als 30Jähriger nach Weimar umsiedelte, um die Herausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes vorzubereiten.

Er kommt vor – allerdings nur indirekt: in einem kurzen Aufsatz von Konrad Oberhuber: „Hilma af Klints spiritualistische Malerei“, S. 395ff. Diese Malerin und einige wenige ihrer Bilder waren mir bekannt, und ich wusste auch, dass sie einen engen Kontakt zu Steiner suchte. Ich hatte von ihrer Serie „Schwan“ ein paar Anleihen gemacht, als ich 2005-6 meinen Roman „Schwanenwege“ schrieb (dort auch eine Abbildung). Die Schwedin Hilma af Klint malte bereits um 1900 große abstrakte Bilder  – weit früher also als die „russische Avantgarde“ und die anerkannten „ersten Abstrakten“ Kandinsky,  Kupka, Malevich.

Inzwischen, so dachte ich mir, muss ihre Kunst doch viel bekannter sein, womöglich gibt es eine gute Doku im internet? Ach, was lebe ich doch außerhalb der Welt!  Die meines Erachtens unbekannte af Klint ist längst in aller Munde. Eine riesige Ausstellung 2018-9  im wunderbaren New Yorker Guggenheim war für das Museum die meistbesuchte einträglichste Ausstellung aller Zeiten .

ARTE machte darüber einen Film, den ich als Einstieg in ihre Kunst empfehlen kann.

Vorgestellt wird nicht nur ihr hoch interessantes Werk, sondern auch die Frau, die als eine der ersten Frauen in Stockholm Kunst studierte, aber natürlich keine Künstler-Karriere machen konnte, sondern ihr Werk für einen späteren Zeitpunkt bestimmte. Sie hatte es für zwanzig Jahre nach ihrem Tod freigegeben. Jetzt erst ist ihre Message in der Kunstwelt angekommen. Jedenfalls dort.

Für euch, die ihr nur mal kurz in das Werk hineinschnüffeln möchtet, eine Einführung in die Hamburger Ausstellung.

Dass af Klints Werk ausgerechnet im Guggenheim-Museum präsentiert wurde, dessen Schneckenform an die für die Künstlerin so bedeutungsvolle Spirale erinnert (sie wollte einen Schneckentempel bauen),  war ein besonders symbolhaltiges Zusammentreffen.

Viel Freude beim Gucken!

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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20 Antworten zu Kunst am Sonntag: Der Wunderblock und Hilma af Klint (Video)

  1. wildgans schreibt:

    Was man finden kann, wenn man halb- oder ganzherzig in die eigenen Regale greift…Toll!
    Muss eine hochinteressante Ausstellung gewesen sein. Ach, wie sehne ich mich nach dergleichen, und mir fällt die Ausstellung über Mary Bauermeister ein, die meine Freundin und ich im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen dereinst besuchten…
    Gruß von Sonja

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  2. kopfundgestalt schreibt:

    Ich bin das keinesfalls ,eunuchisiert. Nie und nimmer. Und wer das behauptet, der schaut nicht genau hin. Bin voller Saft- im übertragenen Sinne wohlgemerkt.

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  3. Johanna schreibt:

    Danke Gerda, eine wunderbare Anregung! Werde das Video mir bäldigst anschauen !

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  4. felsenquell schreibt:

    Danke, Gerda, daß Du an Hilma af Klint erinnerst und Dokumaterial zur Verfügung stellst. Es muß mal wieder Gedankenübertragung sein: ich wollte Dich just nach dieser Künstlerin fragen, die Du mir damals, als Du Deinen Schwanenroman schriebst, zuerst nahe gebracht hast.

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  5. sonnenspirit schreibt:

    Ach so ein Zufall! Gerade gestern sah ich den Film !Jenseits des Sichtbaren, als DVD erhältlich und finde sie wirklich sehr interessant! es ging da viel um Frauen in der Kunstgeschichte, aber ich glaube den spirituellen Gehalt hat noch keiner richtig verstanden.Verstehen wollen. Na ja, UNd Rudolf Steiner schon gar nicht!!!! Als sie ihm seine Bilder gezeigt hatte, war der so ablehnend, dass sie vier Jhre nicht gemalt hat!. Und ich glaube gerade die ersten großen -ich mag sie gAR NICHT ABSTRAKT NENNEN; DAS PASST FÜR MICH GAR NICHT;- die haben was in sich…

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Sonnenspirit, den spirituellen Gehalt hat wohl tatsächlich noch niemand wirklich verstanden – sie selbst inbegriffen (?). Was Steiner anbetrifft, so habe ich da zu wenige Informationen. Mir scheint, er wollte ihr nicht ihr Werk erklären (wie sie hoffte), weil er sich nicht einmischen wollte. Sie sagte ja, sie habe geistige Führung beim Malen. Mich erinnert das an mein Zögern, wenn Menschen zu mir um Hilfe kommen, die sich in einer Psychotherapie befinden. Da kommt man dann in eine merkwürdige Dreieckskonstellation. Ich glaube nicht, dass er sie entmutigt hat, sondern ihr vielmehr half, ihren eigenen Weg zu finden, ohne sich einer geistigen Führung anzuvertrauen wie zuvor beim automatischen Malen. Dieser Übergang hat eben gedauert. Danach hat sie aus sich selbst heraus geschaffen.

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  6. sonnenspirit schreibt:

    weisst du, was mir einfiel, als sie den Tempel erwähnte, wie der sein soll? In auroville wurde ein runder Tempel erbaUT; DER GENAUSOLCHE aNFORDERUNGEN HATTE; DIE VON AUROBINDO BZW: mother Mira vor ihrem Tode gemacht wurden. Es dauerte sehr lange wegen der speziellen und teuren Materialien. Ich war einmal drin, als Gast . Kann mir aber nicht vorstellen, dass dort Bilder hängen dürfen…

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  7. Sie muß eine wundervolle Malerin gewesen sein, liebe gerda.
    Ihre Bilder, die, die ich nun gesehen habe, sind so grandios, so überragend und gewaltig und dann wieder so fein und rein, daß ich mich sehr wundere, noch nicht mal ihren Namen bisher gehört zu haben.
    Danke für Deine tollen Hinweise.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich finde interessant, wie lange es gebraucht hat, bis sie ein wenig bekannt wurde, und wie schnell, geradezu explosiv sich jetzt ihr Ruf ausbreitet. . Niemals zuvor haben so viele Menschen das Guggenheim-Museum in NY besucht wie zu dieser Ausstellung

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  8. Myriade schreibt:

    Ah, das sind videos, die ich mir gerne ansehen werde!

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  9. Sabine schreibt:

    Lese gerade die Biografie von ihr, bin Anfang des Jahres auf Hilma aufmerksam geworden. Interessante Persönlichkeit, das Spirituelle ist mir ein bissel anstrengend. Aber man muss auch an die Zeit denken, wo sie lebte, auch als Frau in dieser Epoche….

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