Montag ist Fototermin: Die Geraden des Meeres

Eben sah ich bei Joachim Schlichting  Foto und Artikel von Geraden am Meer. Und schrieb dazu: „Gestern schaute ich auf die so gerade erscheinende Linie des Horizonts und teilte meinem Gesprächspartner meine Gedanken darüber mit: wie die Alten …. und die Kugelform …. und dass es ja eigentlich ein Kreisabschnitt … So ins Weite laufende Geraden gab es nicht zu fotografieren, wohl aber Gebäudegeraden.“

Und möchte mein gestriges Foto als Beweismittel für die Synchronizität unserer Gedanken hier zeigen:

Selbstverständlich dachte ich nicht nur an die Geraden, sondern auch daran, welch seltsamer Gedanke es doch ist, dass die Erde (das Meer) dort hinten am Horizont nicht abgeschnitten ist, sondern einfach, ohne Aufhebens davon zu machen, weiter und weiter sich öffnet. Da läuft doch tatsächlich kein Schnitt durchs Meer, keine Grenze wird sichtbar. Wie anders ist doch die Erfahrung, wenn du auf der Stelle hockst und den Horizont betrachtest, und wie anders, wenn du das Meer befährst und sich dir Küsten und Häfen öffnen und du weiter und weiter vordringst, bis du wieder an deinem Ausgangspunkt anlangst – vielleicht.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu Montag ist Fototermin: Die Geraden des Meeres

  1. wolkenbeobachterin schreibt:

    liebe gerda, das foto gefällt mir sehr. erst vor ein paar tagen habe ich einen videoclip angesehen, in dem es um die kunst von hockney ging. und eine von hopper. (ja, ich habe kunstbedarf *lach*). und ich wollte fragen, ob ich dein foto als inspiration und vorlage für ein bild verwenden darf. ich weiß noch nicht, welcher art das bild wird, aber dieses bild gefällt mir so sehr und ich würde es gern versuchen. ob es was wird, werde ich dann wissen, wenn es soweit ist. ich möchte nur vorher deine erlaubnis, es verwenden zu dürfen. solltest du nicht einverstanden sein, respektiere und akzeptiere ich das selbstverständlich. liebe grüße aus berlin.

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  2. Ulli schreibt:

    Nur oberhalb des Polarkreis habe ich den Horizont am Meer mit Krümmung gesehen.

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  3. Diese Synchronizität der Gedanken ist schon merkwürdig. In diesem Zusammenhang stelle ich immer wieder fest, dass sich z.B. bei Schiffsfahrten kaum einer darüber wundert, dass der sich entferndende Ort so schnell aus dem Blickfeld verschwindet. Ich habe vor längerer Zeit mal bei einer Überfahrt mit dem Schiff einen Menschen überredet nach dem Verschwinden des letzten Hochhauses schnell einige Decks höher zu gehen, um dann das Hochhaus erneut in den Blick zu nehmen. Erst dann wurde er nachdenklich…

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  4. wildgans schreibt:

    Diese Gedanken verführen …
    Manchmal kommt man mit Manchem nie am Ausgangspunkt an. Der Horizont am Meer lädt mein kindliches Gemüt dazu ein, mir auszudenken, dass man hinten runterfallen kann. Wohin? Wohl arg in die Tiefe…
    Gruß von Sonja

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    • gkazakou schreibt:

      Und doch lernt das kindliche Gemüt irgendwann, dass da hinten, hinter der Linie, alles so ist wie vor der Linie, abgesehen mal von den kleinen Wandlungen, die sich freilich zu etwas ganz anderem summieren können. .

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  5. Ule Rolff schreibt:

    Ein,stilles, klares Bild ohne Ablenkungen von den Linien. Zu denken, dass hinter dem Horizont noch etwas ist, fällt in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich leicht … es hat auch etwas mit Hoffnung zu tun.

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    • gkazakou schreibt:

      „Hinter dem Horizont“ – gibt es das? Oder sind wir in einem kontinuierlichen unendlichen Raum ohne Ausweg gefangen? Und müssen daher das beste aus unserem Stück überschaubarer Welt und Lebenszeit machen?

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      • Ule Rolff schreibt:

        „Hinter dem Horizont“ gibt es als … Denkmodell, Sprachbild oder so etwas, wobei sich der Bedeutungsgehalt mit jedem Schritt, theoretisch mit jedem x<Nanometer verschiebt. Insofern: ja natürlich unendlich, Gerda, und nur als Näherungswert fassbar.
        Aber es gibt auch die topoi von der "besseren Welt", dem "idealen Glück" etc, und die befinden sich seit eh und je hinter dem Horizont – diesseits wären sie ja spielend erreichbar schon in Sichtweite.

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      • gkazakou schreibt:

        https://gerdakazakou.com/2015/12/06/lyrik-am-sonntag-noch-einmal-kavafis-die-stadt/

        Sicher, Ule. Ungefähr wie „unter dem Regenbogen durchgehen“. Mit einem kleinen Unterschied: der Punkt am Horizont ist erfahrbar.
        Die Erfahrung, dass „hinter dem Horizont“ dieselben Naturgesetze herrschen und man nicht in eine andere (womöglich schönere, ideale) Welt fliegt bzw purzelt, ist schwer zu ertragen, finde ich, aber nötig, um Kraft fürs Hier und Jetzt zu mobilisieren. Das Zentrum des Horizonts liegt in uns selbst – unausrottbar.

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      • Ule Rolff schreibt:

        Das Beste draus machen ist definitiv ein guter Plan, liebe Gerda.

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  6. Johanna schreibt:

    Ja es ist eine Frage der Perspektive… so wie die Geschichte von den Blinden, die einen Elefant beschreiben und sich sehr uneinig sind, da sie jeweils einen anderen Teil beschreiben 😅

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  7. Ruhrköpfe schreibt:

    Oh, ein Hopper, war mein erster Gedanke, bloß ein Mensch fehlt dafür auf dem Bild.
    Gefällt mir sehr. Viel Platz für Gedanken. So etwas mag ich sehr.

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    • gkazakou schreibt:

      Ist schon witzig, wie Maler unser Sehen prägen. Auch ich sah einen „Hopper“, und an der Bucht mit seinen ockerfarbigen kubischen Felsen sehe ich einen „Cezanne“ und bei einem Zypressenwäldchen neben Ölbäumen einen „van Gogh“…… So laufen wir durch die Natur, als wärs eine Gemäldegalerie….:)

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  8. Bruni Wortbehagen schreibt:

    Ja, an Hopper läßt es wirklich denken, Dein Bild, liebe Gerda. Ich habe die Ausstellung in Riehen zwar leider nicht gesehen, aber das sehe ich auch so 🙂
    Die Geraden verblüffen, aber es liegt eine totale Ästhetik darin. Krumm und schief würden die Linien an Chaos , Zusammenbruch denken lassen…

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  9. gkazakou schreibt:

    Diesem Gebäude, liebe Bruni, habe ich schon oft gewünscht, dass es zusammenbricht. Es ist hässlich und verbaut den Blick aufs Meer. Aber hier auf dem Foto gefällt es mir wegen seiner klaren Linien.

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