Kleine Beobachtungen 10 (Lichtbrechung, Schatten, Skizzen)

Auf dem leicht genoppten Papier-Tischtuch der Taverne spiele ich immer gern mit den einfachen Wasser- und Weingläsern. Herrliche Lichtmuster ergeben sich da. Und ich fragte mich: warum sind die Schatten eines durchscheinenden Glases so dunkel?

Heute fiel mir auch als merkwürdig auf, dass die Schatten unserer Lesebrillen so verschieden aussehen: Wieso wird das Licht durch meine Brillengläser hell und gelblich auf das Tischtuch geworfen, durch die meines Mannes aber kommt es gebrochen grau? Wir haben beide unsere Brillen nicht tönen lassen, sondern haben ganz gewöhnliche Gläser. Dachten wir.

Während bei meiner Brille das Glas von der Seite betrachtet grau ist, im Schattenbild aber hellgelb erscheint, ist es bei der Brille meines Mannes umgekehrt: die geschliffene Oberfläche scheint hellgelb zu sein, im Schattenbild aber ist sie grau.

Tischdecken sind nicht nur gut geeignet, um solche Schattenspiele aufzufangen, man kann auch auf ihnen zeichnen, besonders wenn man seinen Block mal wieder vergessen hat.

Solche „kleinen Beobachtungen“ mit dem Stift machen ebenfalls Spaß und vertreiben angenehm die Zeit, bis die Fischlein gebraten sind.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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27 Antworten zu Kleine Beobachtungen 10 (Lichtbrechung, Schatten, Skizzen)

  1. afrikafrau schreibt:

    du siehst was andere nicht sehen…. eine sehr gute Beobachterin

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Was Du da gerade an physikalischen Wundern entdeckst, Gerda, ist unglaublich. Und das ist wohl erst der Anfang; denn wie ist das zu erklären?

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  3. TeggyTiggs schreibt:

    …sicherlich gibt es für alles eine Erklärung, interessant ist, dass Du darauf aufmerksam machst…

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    • gkazakou schreibt:

      Da hast du auch wieder recht. Ich kann auch ohne Erklärung solche Phänomene hoch interessant oder auch schön finden. Aufs Wahrnehmen kommt es an. Wenn es dann auch noch eine Erklärung dazu gibt, die ich verstehe, entzaubert es das Phänomen nicht etwa, sondern beschreibt es nur auf eine andere Weise. Und das gefällt mir auch

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  4. Ule Rolff schreibt:

    Deine Brillen- znd Glasbeobachtungen sind mal wieder „typisch Gerda“, immer wach und mit Fragezeichen im Kopf 🙂.
    Auf Joachims Erklärung bin ich auch in diesem Fall gespannt. Zum Glück werden Bilder nicht weniger schön dadurch, dass man erklärt, wie sie zustande gekommen sind.

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  5. Susanne Haun schreibt:

    Schatten faszinieren mich auch immer wieder, Gerda, gestern viel die Sonne durch das Fenster und die Schatten hatte diese goldene Farbe, die einzig Licht fabrizieren kann.
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

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  6. christahartwig schreibt:

    Ich bin begeistert und möchte am liebsten den Rest des Tages damit zubringen, Lichtbrechungen zu fotografieren.

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  7. Das sind sehr schöne Fotos und vermutlich wirst du in dieser Jahreszeit besonders darauf aufmerksam, weil die Sonne tief steht und damit auch durch die Fenster weit in die Räume scheint. Aber da ich mich natürlich angesprochen fühle, und du es nicht als Entzauberung empfindest, wenn zusätzlich physikalische Gedanken ins Spiel kommen, noch kurz zu den direkt oder indirekt angesprochenen Fragen. Dass das ja eingentlich lichtdurchlässige Glas einen besonders starken Schatten hat, liegt daran, dass das fehlende Licht an andere Stellen fokussiert wird, die dann noch heller sind, als bei der direkten Bestrahlung. Das ist sehr schön am obersten Foto zu sehen, wo die Brennflecken auch noch in den normal beschienenen Raum fallen.
    Die Ursache der gelben Färbung bei der Brille kann mehrere Gründe haben (z.B. UV-Filter, Verspiegelung, Kunststoffglas). Dass überhaupt ein Schatten bei transparentem Brillenglas zu sehen ist, hängt wieder damit zusammen, dass das wie eine Linse wirkende Glas, den Hauptteil des Lichts an anderer Stelle bündelt.

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    • gkazakou schreibt:

      Wie schön, dass du dich angesprochen fühlst!
      Ich gebe zu, lieber Joachim, dass es mir schwer fällt, ans Licht als von einer irgendwie begrenzten Menge zu denken, die zB durch Fokussierung an einer Stelle zu Verdunkelung an anderer Stellle führt. Ich denke immer, Licht gibt es, wie Liebe, in unendlicher Fülle, so dass zB die Fokussierung auf eine geliebte Person den anderen Menschen nix wegnimmt. Oder ist diese Analogie nicht verständlich?
      Übrigens sind diese Fotos im Außenraum aufgenommen, nicht drinnen, und zwar gestern ungefähr um halb vier Uhr (nach der Zeitumstellung)

      Liken

      • Nur noch eine Ergänzung zu deiner Verwunderung über die „Materialität“ des Lichts: Die Sonne verliert allein durch die Abstrahlung von Energie in Form von Licht enorme Mengen an Masse, die dann irgendwo im Weltall, z.B. auf dem weißen Tischtuch absorbiert wird. Sie sieht es aus, wenn man es physikalisch betrachtet, was man natürlich nicht muss 😉

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, mich interessiert die physikalische Betrachtung sogar sehr, und mich fasziniert die Vorstellung, dass die Sonne Masse verliert, die sich dann im Tischtuch wieder manifestiert. Wahnsinn! Ich hatte zwar mitbekommen, dass die Physiker ein Problem damit hatten, wie sie Licht beschreiben sollen, als Welle oder als Teilchen, und sich entschlossen, beides gelten zu lassen, aber ehrlich, begriffen habe ich das nicht. Und Sätze wie deiner „Die Sonne verliert durch die Abstrahlung von Energie in Form von Licht enorme Mengen an Masse“ führen bei mir zu einem Karussel im Hirn: Energie wird abgestrahlt – wie denn, ist Energie nicht selbst Strahlung? Und nun gar „in Form von Licht“, wo ich dachte, es wäre vielleicht in Form von Wärme, dass die Sonne energetisch in Erscheinung tritt … und ja, dies Wärmeabstrahlen, das kann ich mir vorstellen, führt zu Masseverlust. Wie Holz weniger wird, wenn es verbrennt. Aber das Licht? In welchem Zusammenhang steht das Licht zu diesem Wärmeprozess?
      Ich drücke mich so kindlich wie möglich aus, um meine Unwissenheit nicht zu kaschieren und dich zu einem Kind angemessenen Erkärungen zu verleiten. .

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      • Ich will versuchen auf deine Fragen einzugehen.
        Aus physikalischer Perspektive sind Masse und Energie äquivalent. Strahlung, also auch die sichtbare Strahlung, die wir mit Licht bezeichnen, entspricht daher auch einer Masse.
        Die von unserer Sonne und auch von anderen Sonnen (Sternen) kommende Strahlung setzt sich aus Anteilen unterschiedlicher Wellenlänge zusammen (Nimm das vielleicht nur als ein wie auch immer geartetet Unterscheidungsmerkmal hin). Das sichtbare Licht von Rot (große Wellenlänge) bis blau (kleine Wellenlänge) können wir mit den Augen sehen und teilweise mit der Haut fühlen. Unsere Haut fühlt aber auch noch langwelligere Strahlung als Wärme, die wir nicht mehr sehen können. Es gibt weitere Strahlungen, die wir nicht sehen können, z.B. ultraviolettes Licht, das von sehr kurzer Wellenlänge ist und unserer Haut in größerer Menge gefährlich werden kann.
        Strahlung, die von irgendwelchen Gegenständen absorbiert wird, wird von diesen in Wärme umgewandelt, die dann wieder in Form von Wärmestrahlung (lange Wellenlänge) oder direkt durch andere Transportvorgänge wieder an die Umgebung abgegeben. Zum Beispiel durch Wärmleitung, wenn ich durch den heißen Sand am Strand gehe.
        Den unterschiedlichen Strahlungen entspricht ein unterschiedlicher Energiegehalt. Die Energie kann nicht vernichtet, sondern nur in eine andere Erscheinungsform umgewandelt werden.
        Ich hoffe, dass ich damit ein wenig Struktur in deine Vorstellungen bringen konnte und dich nicht etwa weiter verwirrte.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Joachim, für deine Erklärung. Ich werde das jetzt mal überschlafen.

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  8. Johanna schreibt:

    Wunderbar! Ich habe diese Art der Schatten, Spiegelungen, Refraktionen auch schon oft mit Faszination beobachtet! Eine physikalische Erklärung nimmt nichts von dem Zauber, sondern lässt nur weiter staunen, denn dass die Naturgesetze so perfekt und noch zugleich wunderschön sind, ist Wunder genug !

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    • gkazakou schreibt:

      ja, so empfinde ich es auch. Ich mag wissenschaftliche „Erklärungen“, die ja auch nur eine Art erweiterter Beschreibung sind. Denn das „warum“ und „wozu“ kennen sie ebensowenig wie ich und du.
      Ule schreibt einen schönen Kommentar unter „Rätselhaftes“ zum Selbstsein des Schönen.

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  9. Bruni Wortbehagen schreibt:

    Die Beobachtungen, die Du gemacht hast, liebe Gerda, hätte ich auch gemacht, aber ich hätte nur die Schönheit, die Formen und Farben der Schatten gesehen und nicht weiter darüber nachgedacht… und dabei ist es so spannend, was ich nun hier alles dazu lesen kann.
    Verstehen tue ich wenig, leider.

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