Das antike Elis und noch mal Dimitsana (Fotos, Skizzen)

Ηλιδα – Elis war die Hauptstadt der gleichnamigen Region auf der westlichen Peloponnes (Hλεία). Von der Burg Chlemutsi kommend, suchten und fanden wir es: ein Ruinenfeld inmitten einer weiten Schwemmebene, auf der Schafherden weiden, Elstern in uralten Bäumen herumturnen und Bauern ihre Felder bestellen.

Elis  wurde „immer schon“ bewohnt, von der mittleren Altsteinzeit (um 13-120 000 v.Chr.) bis zur frühbyzantinischen Epoche (7. Jh n.Chr). Als Stadt gegründet wurde es im 12. vorchristlichen Jahrhundert. Weitere Blütezeiten gab es während der frühen klassischen Epoche (6.-5. Jh v.Chr.)* und während der fünfhundert Jahre, als die Römer über Griechenland herrschten (2. Jh v.Chr.-3. Jh. n.Chr.)*

Wir stromerten ein wenig auf dieser weiten Ebene zwischen dem Fluss Peinios und den fernen Gebirgen herum und lauschten auf das Echo aus uralten Zeiten. Dann fuhren wir im wachsenden Dunkel nach Arkadien und über gebirgige Straßen nach Dimitsana – dem Herkunftsort meines Mannes, den wir vor zwei Wochen bereits besuchten. Wir fanden ein Zimmer in einem schönen, im traditionellen Stil neu erbauten Hotel über der Schucht des Lousios.

Besucher und Hotelier in der „Pulvermühle“ von Dimitsana

In Dimitsana entstanden dann jedenfalls ein paar Erinnerungs-Skizzen, auf winzigem Block (1-2) oder auf dünnem Papier (3-5).

Fotos: Morgenblick vom Hotelbett aus – Cafe-Front in der Nacht (auf dem Balkon rechts saß ich, als ich die beiden letzten Skizzen machte).

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*471 v.Chr. gab sich die Gemeinde Elis eine demokratische Verfassung und wurde zur Hauptstadt der Provinz. Der Peloponensische Krieg (431 v. Chr. bis 404 v. Chr.) mit dem Sieg der Spartaner, die Elis verwüsteten, brachte das Ende dieser Blütezeit. Philipp II von Mazedonien (Vater von Alexander d.Gr.) hob 343 die demokratische Verfassung auf zugunsten des Feudalismus (Herrschaft der landreichen Familien)…. Im 1. Jh v.Chr. wird es als Provincia Macedoniae offizieller Bestandteil des Römischen Reiches – und damit zu einer multikulturellen Stadt mit vielen Privilegien, u.a.  wird es mit der Durchführung der Olympischen Spiele betraut. Damit beginnt die zweite Blütezeit.

Vom 3. Jh bis zum 5. Jh. n.Chr. leidet es, wie das gesamte Römische Reich, unter den Einfällen der Barbaren: Herulier, Visigothen,  Vandalen verwüsten es, zwei schwere Erdbeben im 6. Jahrhundert machen ihm den Garaus. Im 7. Jh. wird es von den letzten Bewohnern verlassen.

** Das Dörfchen Zatouna (3. Foto vom Hotel-Balkon) war  während der Obristendiktatur (1967-74) der Verbannungsort von Mikis Theodorakis (Jg. 1925). Glück im Unglück, denn Mikis war schon damals weltbekannt und entkam darum dem Gefängnis. Er litt an Tuberkulose, und kurierte sich hier aus. Und so lebt er, jetzt 95jährig, bis heute…

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Das antike Elis und noch mal Dimitsana (Fotos, Skizzen)

  1. Anonymous schreibt:

    Wie schön du die Gegend beschreibst und kleine Erlebnisse mit uns teilst, ein Wochenendausflug mit Geschichtsunterricht und deinen kleinen Entwürfen, genieße ich.

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  2. Ule Rolff schreibt:

    Du scheinst tatsächlich permanenten Sommerurlaub zu haben, liebe Gerda. Genieße es und hör bloß nicht damit auf: du nimmst uns alle mit, das ist wunderbar. Danke.

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Gern, Ule, nehme ich euch mit in den Sommer, der hier noch nicht aufgehört hat. Zwar ballen sich Wolken, das Meer schlägt Wellen, aber es ist warm. Ich war vorhin schwimmen. Doch wenn du denkst, ich mache nur Urlaub: stimmt nicht. Ich arbeite viel mehr als mir lieb ist. Tägliche Sitzungen mit Ratsuchenden und nur selten mal ein freier Tag.

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  3. wildgans schreibt:

    Schön sieht`s dort aus,belebt sieht es aus. Zum Glück gab es kein Beherbergungsverbot.
    Nachtgruß von Sonja

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  4. www.wortbehagen.de schreibt:

    Ich kannte nicht mal die Namen Herulier und Visigothen, liebe Gerda, aber mitgelesen und mitgegangen bin ich gerne mit Dir in Gedanken in der uralten, nur noch in Ruinen sichtbaren Stadt Elis.
    Mikis Theodorakis lebt noch, ach, wie schön, das wußte ich nicht. Trotz Tuberkulos ein so reiches Leben…

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