Von Zaum zum Raum – mit Lyrifants Schnipseln

Och, jetzt bin ich auch im neuen WP-Format gelandet und fühle mich total meschugge. Blocks soll ich auswählen, wie denn, was ist das? Am besten, ich setze hier einfach rein, das ich vorbereitet habe. Und denke morgen weiter über das doofe WP nach.

Vom ZAUM zum RAUM also – ein Übergang, der durch Zaum mit weich anlautendem Z bewerkstelligt wird. Denn Zaum ist die Sprache des Musik, der Mathematik und Dichtkunst, wie ich im vorigen Beitrag schrieb. Zaum führt mich mit mathematischer Sicherheit von Wort zu Wort, von Bild zu Bild, indem ich einfach einen Buchstaben, ein paar Schnipsel verschiebe.

Da sind zwei, die teilen sich einen RAUM, der immer mehr zusammenschrumpft. Sie müssen sich anpassen. Kooperieren. Eine Lösung finden. Was sie auch tun, denn: „Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar“, meinte völlig zu Recht Friedrich Schiller.

Und so will ich auch heute mit einem Gedicht enden:

Friedrich von Schiller

Der Jüngling am Bache

An der Quelle saß der Knabe,

Blumen wand er sich zum Kranz,

Und er sah sie fortgerissen,

Treiben in der Wellen Tanz.

»Und so fliehen meine Tage

Wie die Quelle rastlos hin!

Und so bleichet meine Jugend,

Wie die Kränze schnell verblühn!

Fraget nicht, warum ich traure

In des Lebens Blütenzeit!

Alles freuet sich und hoffet,

Wenn der Frühling sich erneut.

Aber diese tausend Stimmen

Der erwachenden Natur

Wecken in dem tiefen Busen

Mir den schweren Kummer nur.

Was soll mir die Freude frommen,

Die der schöne Lenz mir beut?

Eine nur ists, die ich suche,

Sie ist nah und ewig weit.

Sehnend breit ich meine Arme

Nach dem teuren Schattenbild,

Ach, ich kann es nicht erreichen,

Und das Herz bleibt ungestillt!

Komm herab, du schöne Holde,

Und verlaß dein stolzes Schloß!

Blumen, die der Lenz geboren,

Streu ich dir in deinen Schoß.

Horch, der Hain erschallt von Liedern,

Und die Quelle rieselt klar!

Raum ist in der kleinsten Hütte

Für ein glücklich liebend Paar.«

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Dichtung, Kunst, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Philosophie, Schrift, Serie "Distanz" abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Antworten zu Von Zaum zum Raum – mit Lyrifants Schnipseln

  1. mmandarin schreibt:

    Ach der Goethe, der alte Schlawiner.

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  2. TeggyTiggs schreibt:

    …interessant, dass die beiden Zusammengefundenen die Buchstaben RA tragen, was sie wohl mit dem ägyptischen Sonnengott verbindet?

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  3. Christiane schreibt:

    Editor: Wenn du im Dashboard auf „Beiträge“ gehst, ist ganz oben neben der Überschrift ein Button „Erstellen“ mit einem Pfeil. Klickst du den an, kannst du wählen, ob du den Block-Editor oder den klassischen (bisherigen) Editor verwenden möchtest.
    Eben gelesen, noch nicht selbst ausprobiert, aber zumindest bei mir auf dem PC öffnet sich dann die vertraute Schreibumgebung. 😉
    Morgenkaffeegruß 😁☁️☕🥐👍

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    • gkazakou schreibt:

      O, danke, danke, danke, Christiane! Du hat mich vor einem großen Frust gerettet. Ich hatte schon gar keine Lust mehr aufs Bloggen. Alles war mir fremd und verhasst auf der neuen Oberfläche, ich brauchte unendlich lange, um ein Billd zu posten oder ein Gedicht zu zentrieren. .Nun habe ich es ausprobiert, es scheint zu funktionieren!

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      • Christiane schreibt:

        War nicht mein Verdienst, liebe Gerda, ich habs bei der Wolkenbeobachterin in den Kommentaren gelesen. Ich mag die neue Oberfläche auch nicht, und bei dem Gedanken daran, dass ich ja für Sonntag die neue Schreibeinladung vorzubereiten habe und für Montag die Montagsgedichte, war ich auch nicht eben heiter. 😦
        Aber wenn du sagst, dass es zu funktionieren scheint, dann sehe ich dem etwas beruhigter entgegen. 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, ich habs ausprobiert, es hat funktioniert. Allerdings gabs ein Problem: Wenn ich zwischendurch abspeicherte, was ich gewöhnlich tue, landete ich beim Weiterschreiben erneut auf dem Block-System und fand dort auch keine Möglichkeit zum Umschalten. Also vermied ich diesmal das Zwischendurch-Abspeichern – und so ging es. Ein bisschen heikel, ein bisschen Herzklopfen, aber es funktionierte.

      Liken

    • gkazakou schreibt:

      Ich habs ausprobiert, Nandalya. leider gilt es nur für die Business-user, ich habe eine biligere Version, die mir Reklame vom Hals hält und mehr Speicherraum gibt.

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  4. lyrifant schreibt:

    Wunderbare assoziationsreiche Geschichten, die da entstehen. Ich bin begeistert und fühle mich durch diese kleine Schnipselspende unendlich reich beschenkt.

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  5. Ule Rolff schreibt:

    Du bewegst dich mit deinen Assoziationen kongenial zu Lyrifants Art und Weise, ihr Gedichte zu entwickeln … du tust es ihr gleich in Prosa und Legebild. Ihr beide seid ein Traumpaar.
    Übrigens finde ich deine Visualisierung des „glücklich liebend Paar“ ganz liebreizend schön.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ule. Ich strahle vor Vergnügen. Dieses glücklich liebend Paar hats mir auch angetan. Als ich begann, hatte ich keine Ahnung, wie es enden würde, und an das Schiller-Zitat erinnerte ich mich überhaupt erst, als ich die fertige Serie betrachtete. Ich wusste nur: Da ist ein Raum – den legte ich aus vier Buchstaben. in den füllte ich ein paar Schnipsel und umgab das Ganze mit dem Zaun des Eckenpoems. Aus den Schnipseln bildeten sich zwanglos zwei Figuren. Nun ließ ich den Raum schrumpfen, indem ich die Eckenpoem-Schnipsel verschob – die Menschlein mussten sich dreinschicken. So gings Stück um Stück weiter, ich wusste nicht, würden sie sich vertragen oder schlagen? Und siehe da: sie vertrugen sich nicht nur, sie wurden ein liebend Paar. 🙂 Und dann fand Teggytiggs noch heraus, dass auf ihren Köpfen RA – Sonne geschrieben steht, und so sah ich das UM, das zu ihren Füßen (und um diese herum) liegt und das UM-Feld bildet. Zusammen RA-UM. Das schien mir ein so passendes Bild!

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  6. Ule Rolff schreibt:

    Das ist ein sehr konkreter Blick in deinen Kopf, während du ein Legebild entstehen lässt, und zugleich auch eine Antwort auf Sabines Wunsch nach Einblick in diesen Prozess.
    Die Idee von Terrytiggs hatte ich gelesen und finde sie genau richtig, als hättest du es so geplant. Da ist doch irgendwas in uns, das klüger ist, als unser bewusstes Denken, nicht wahr?

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  7. nandalya schreibt:

    Aiko mag deine Schnipselbilder sehr. Sie hat gelacht. Aber das macht sie ohnehin fast immer. Dann muss ich dann immer schauen, ob sie etwas angestellt hat. 🤔

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    • gkazakou schreibt:

      Baut doch mal einen Raum zB aus Kissen, setzt euch rein und seht, wie es sich anfühlt, wenn ihr drin sitzt und der Raum schrumpft und schrumpft. Und am Ende seid ihr richtig zusammengequetscht. Ich glaube, Aiko hätte viel Spaß damit.

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      • gkazakou schreibt:

        In dieser Absicht, als Einblick, hab ich’s auch geschrieben, nachdem ich Sabines Wunsch grossspurig abgeschmettert hatte.
        Ja, unser bewusstes Denken nährt sich aus einem gewaltigen Fundus nicht bewusster Inhalte, nur weniges ist unserem Bewusstsein jeweils zugänglich. Das Unbewusste enthält alles, was Menschen je beschäftigt hat (kollektives Unbewusstes) und insbesondere all das, was uns selbst mal begegnet ist und die Schwelle des Bewusstseins nicht überschritt. Ich arbeite mit beiden, wenn ich Wörter aufstelle (wie gleich wieder). Jedes Wort ist wie eine Tiefenbohrung, mit der ein „Bohrkern“ ans Tageslicht befördert wird, wie es Geologen tun, um Informationen über die Erdentwicklung zu gewinnen. Für mich ist das ein diagnostisches Verfahren, um den seelischen Zustand des Ratsuchenden zu erkennen.

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      • lyrifant schreibt:

        Kunst als Archäologie, ja Geologie – das gefällt mir gut. Und dass die Kreationen oft mehr ‚wissen‘, als uns bewusst ist, dürfte eine Erfahrung sein, die wir alle kennen. Vermutlich sind es auch diese Erfahrungen, die uns überhaupt erst dazu bringen, uns künstlerisch auf den Weg zu machen.

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