Skizzieren auf meinem Rentenbescheid (tägliches Zeichnen)

Es war nicht geplant, heute außer Haus zu essen. Doch dann saßen wir zur Mittagszeit unter den großen schattenden Platanen einer Taverne, lauschten dem Rauschen eines Brunnens und dem Stimmengewirr im Hintergrund – dort wurde eine Kindstaufe gefeiert -, und warteten auf die Bestellung. Ich kramte in meinem Beutel nach dem Zeichenblock, aber der war nicht da. Nur ein Briefumschlag mit dem letzten Rentenbescheid fand sich. Warum nicht? Auch der hat eine unbedruckte Seite.

Ich ließ das A4-Blatt zusammengefaltet und begann auf dem untersten Drittel zu zeichnen. Salz- und Pefferstreuer auf unserem Tisch zogen als erstes meine Aufmerksamkeit auf sich. Davon ausgehend fügte ich Flasche, Gläser, den Teller mit dicken Bohnen …hinzu. 

Uns gegenüber stand eine gewaltige Platane, deren „Sockel“ hübsch mit Blumen bepflanzt ist. Wie winzig und flüchtig erscheinen gegen diesen Baum die Menschen! Zwei speisen links vom Baum. Rechts in der Tiefe des Tavernengartens lässt es sich die Taufgesellschaft gut gehen. Bunte Luftballons geben einen festlichen Anstrich.

Das oberste Drittel des Blatts füllte ich mit einer Szene, die sich jenseits des gepflasterten und mit einer umheckten Blumenanlage geschmückten Hofs abspielte.  Eine kleinere Gesellschaft hatte sich dort niedergelassen. Der Rest des langen Tisches war noch unbesetzt, er würde sich später füllen. In der Tiefe des Raums staffeln sich die Stützpfeiler und Querbalken für die großen schattenden Planen. Rechts gibt es erhöhte Sitze und den Eingang zu den Innenräumen, die im Sommer nicht genutzt werden. 

Du kannst dir das ohne Fotos nicht recht vorstellen? Dann schau hier.

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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8 Antworten zu Skizzieren auf meinem Rentenbescheid (tägliches Zeichnen)

  1. afrikafrau schreibt:

    folge deinen täglichen Zeichnungen, wie schön, teil zu haben…..

    Gefällt 2 Personen

  2. wildgans schreibt:

    Einfach loszeichnen. Egal, worauf. Wunderbar. Habe mal irgendwo eine weiße Papiertischdecke gesehen,die war unter Glas und es waren Skizzen und Sprüche drauf. Wahrscheinlich aus einem Kaffeehaus mit Poeten- und Künstlerpublikum. Briefumschläge – auch gut!
    Gruß von Sonja

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  3. Arno von Rosen schreibt:

    Das ist das Beste, was aus einem Rentenbescheid werden kann liebe Gerda 😉 Übrigens habe ich früher auch jeden Brief mit Rezepten vollgekritzelt 🙂

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  4. Ule Rolff schreibt:

    Das kann das amtliche Papier nur bereichern, so verziert zu werden, liebe Gerda.
    Die Fotos zur Zeichnung hätte es nicht gebraucht, sie zeigen aber, was Nichtzeichner an deiner Seite gesehen hätten. Gut, dass du sie erst nach den Zeichnungen zeigst. So können erst die Skizzen aus sich selbst wirken.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich glaube, ich habe schön öfter was über dies Vergleichen von Zeichnen und fotografischem Dokumentieren gesagt, liebe Ule. Ich hoffe doch sehr, dass die Zeichnungen „aus sich heraus wirken“ Die Fotos haben eine ganz andere Funktion. Sie unterstützen meine Erzählung.

      Gefällt 2 Personen

  5. Geschichtenweise schreibt:

    Ich finde es immer wieder schön, wenn Menschen einfach aus sicher heraus wirken. Die einen schreiben spontan, die anderen fangen an zu singen und du zeichnest munter drauflos. Hältst einen Moment für die Ewigkeit fest… gefällt mir.

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    • gkazakou schreibt:

      Dankeschön, Geschichtenweise, aber ganz so, wie du es dir vorstellst, ist es nicht. Es ist nicht ein einfaches Draufloszeichnen, auch wenn es spontan wirkt. Oder, wenn dir der Vergleich mehr zusagt: ein ausgebildeter Sänger kann zwar auch einfach drauflos singen, aber Grundlage seines Singens ist dauerhaftes Üben. Üben und Üben.

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  6. www.wortbehagen.de schreibt:

    Dank dem Rentenbescheid können wir nun die Szenen in der Taverne ein bissel mitverfolgen, liebe Gerda. Findig wirst Du, wenn Dir Dein übliches Material fehlt und wie gut, daß es so ist, sonst würden uns so viele Eindrücke um Dich fehlen.

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