Das Brot des Bäckers (Fotografien)

Kalamata, 31.12.2019, Blick auf die Markthalle und die beiden Hauptkirchen

Beginnen wir das Neue Jahr oder auch Jahrzehnt bescheiden: mit dem täglichen Brot, das dem Vaterunser immerhin eine Bitte wert war – genauso viel wie etwa, dass uns unsere Schuld vergeben werden möge.

Gestern kauften wir unser Brot bei einem traditionellen Bäcker, wie es noch immer viele in diesem Land gibt: Die Straße duftet, du brauchst nur deiner Nase zu folgen. Der alte Backofen wird mit Holz geheizt, das als Schnittholz bei der Olivenernte abfällt. Menschen stehen draußen, warten, dass sie an der Reihe sind, denn der Verkaufsraum ist klein. Andere kommen heraus, ein, zwei, drei schlanke Brote oder auch einen dicken Brotlaib unter dem Arm.

Da nun aber die Sitte verlangt, dass am Ersten des Jahres die Vassilopita angeschnitten wird, kauften wir auch eine. Der Heilige Wassilios entspricht dem Heiligen Nikolaus, denn er bringt Gaben – nicht am 6.12., nicht zu Weihnachten, sondern am 1. Januar.

Unsere Vassilopita ist nicht ganz traditionell, aber hübsch mit einem roten optimistischen Band verziert. In diesen Wassilis-Kuchen werden wir gleich große Teile einritzen – eins in der Mitte fürs Hauswesen, eins für die Hungrigen der Welt, eins für Papa, eins für Mama, eins für den abwesenden Sohn Wassilis, eins für die abwesende Schwiegertochter Petra…. Dann schneidet das Familienoberhaupt die Stücke und reicht sie den Benannten, sofern sie erreichbar sind. Jeder sucht sofort, ob er vielleicht den Glückstaler erwischt hat, der im Kuchen versteckt ist. Früher war es wohl schon mal ein echter Silber-Sterling, heute reicht eine billige Nachahmung, in Aluminiumfolie eingewickelt. Aber egal: Glück ist Glück!

Vassilopita

Και του χρόνου! (im nächsten Jahr wieder!)

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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13 Antworten zu Das Brot des Bäckers (Fotografien)

  1. afrikafrau schreibt:

    Ein schöner Brauch, viel Glück und Gesundheit

    Gefällt 3 Personen

  2. puzzleblume schreibt:

    Ein schöner Brauch, und die Fotos scheinen den Duft zu transportieren, der von den frischen Broten ausgeht.
    Ein schönes neues Jahr wünsche ich!

    Gefällt 2 Personen

  3. Ein sehr schöner alter Brauch!
    Ein gutes neues Jahr 2020 und Dir liebe Gerda und Deiner Familie GESUNDHEIT, SCHUTZ und GLÜCK!
    Herzliche Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

  4. wechselweib schreibt:

    Oh, ich liebe Brot!

    😊

    Gefällt 1 Person

  5. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Was für ein wundervoller Brauch, liebe Gerda. gefällt mir sehr.

    Ich erinnete mich an einen solchen traditionellen Bäcker und das nach sooo vielen Jahren. Man mußte eine oder zwei Stufen zu ihm hinunter steigen, er lag ein wenig tiefer als das kleine Sträßchen. Ich frage mich, wo ich diese Erinnerung gebunkert hatte *schmunzel*

    Gefällt 1 Person

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