Abgebrochener Spaziergang, Zeichnungen und mehr zu Original und Reproduktion

Heute musste ich den Hunde-Zeichnen-Spaziergang abbrechen, denn ein Gewitter kündigte sich an. Zeus grummelte mächtig und ließ hin und wieder einen Blitz über den Himmel fahren. Mein Hund Tito mag das gar nicht. Er drehte um und strebte mit eingezogenem Schwanz heimwärts. Ich eilte nolens volens hinterher.

Zeichnungen hatte ich zum Glück noch von gestern im Sack bzw im Skizzenblock. Du erinnerst dich: der rote Faden führte mich zu meinem Lieblingsplatz, der sogar frei war.

Zweimal blieb ich stehen und skizzierte, was ich vor mir sah, angelehnt an einen Baumstamm. Oben angekommen, ging es weiter. Auch fotografierte ich das Entstandene im Licht-Schatten der Bäume und ein zweites Mal durch mich selbst verschattet. (Anklicken = Vergrößern)

Heute fotografierte ich noch einmal bei grauem Tageslicht auf dem Balkon. Da sehen die Zeichnungen dann so aus:

Zu viel des Aufwands? Macht nichts, ich wiederhole mich gern. Wiederholung ist die Mutter der Weisheit. Ich denke, wir alle haben nun begriffen, was es mit dem „Original“ auf sich hat, das man durch Fotografien präsentiert bekommt. Natürlich ist eine gewaltige Steigerung der Genauigkeit der fotografischen Wiedergabe möglich, die aber für den Betrachter eines wirklichen Originals irrelevant, da nie erreichbar ist. Der Fotograf kann das Bild in einem weißen Zelt fern von Fremdeinflüssen aufnehmen, die Details ausleuchten und heranzoomen, kann die Leinwand, das Papier, den Bleistift porennah präsentieren – . Ich aber, die ich vor einem Werk stehe, kann das nicht. Ich bin angewiesen auf meine Augen und das gerade herrschende Licht. Die perfekte fotografische Wiedergabe entspricht mithin keinesfalls dem Sinneseindruck, den der Betrachter (und also auch der Künstler) hat, der vor einem Original steht.

Nachdem dies gesagt ist, darf ich dir auch noch ein paar meiner digitalen Bearbeitungen präsentieren, die den Vorteil haben, Originale zu sein (!). Wie das? Nun, sie sind, was sie sind. Sie geben nicht vor zu sein, was sie nicht sind. Sie sind nicht aus Papier,  Bleistift, Kuli und was weiß ich. Sie sind mit der iphone-Technik aufgenommene Fotos, die ich mit Fotoshop-Filtern nach eigenem Gusto überarbeitet habe und im WP-Format präsentiere und die du, entsprechend deinem Gusto, so anschaust, wie sie dir erscheinen, oder die du für dich heranzoomst, indem du ein Foto anklickst und mit der rechten Taste der Maus und der ersten Anweisung des dort erscheinenden Menüs zu dir heranholst.

Eine Zeichnung – ein Fotos – drei Bearbeitungen.

Dieselbe Zeichnung – ein anderes Foto – drei Bearbeitungen

Eine Zeichnung – ein Foto – drei Bearbeitungen

Eine Zeichnung – ein Foto – drei Bearbeitungen

Eine Zeichnung – ein Foto – zwei Bearbeitungen

Und die Moral von der Geschicht? Im Zeitalter der elektonisch (re-) produzierten Kunst ist die Reproduktion das Original. Das aber, was wir uns angewöhnt haben, ein „echtes“ Original zu nennen, ruht in der Regel wohlbewacht und unnahbar in den Tresoren der Reichen, hinter schussfestem Glas in Museen, teilweise natürlich auch in den Mappen der Künstler oder hübsch gerahmt in der einen und anderen Wohnstube,.

Literaturhinweis: Wer sich in das Thema, was die technische – und inzwischen elektronische – Reproduzierbarkeit mit der Kunst und mit uns Menschen macht – einarbeiten möchte, der lese die immer noch erstaunlich aktuelle Schrift von Walter Benjamin „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (Faksimile der von Benjamin kurz vor seinem Tod autorisierte Endfassung, 1955 erstmals im Druck erschienen).

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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18 Antworten zu Abgebrochener Spaziergang, Zeichnungen und mehr zu Original und Reproduktion

  1. pflanzwas schreibt:

    Die Idee mit den Schatten auf deinen Skizzen gefällt mir besonders gut, ebenso wie die letzten beiden bearbeiteten Serien, vor allen Dingen die vorletzte. Die Vermischung von Schatten mit Skizze ist dort besonders gelungen und wirkt in der Bearbeitung wie eins. Sehr schön!

    Gefällt 2 Personen

  2. Ule Rolff schreibt:

    Hach Gerda, was für ein Strauß der allerschönsten Originale! Morgen versuche ich mal einige von ihnen zu drucken (mal sehen, wie weit ich mit der Auflösung komme). Sie sind einfach zu schade, um im Internet zu verschwinden.

    Gefällt 2 Personen

  3. finbarsgift schreibt:

    Oh ja, Wiederholung ist die Mutter der Weisheit … wie klug und wie spielerisch farbexperimentell umgesetzt, liebe Gerda, klasse!
    Liebe Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 1 Person

  4. Ulli schreibt:

    Es ist noch zu früh, um mich eingehender mit dem Text von Benjamin zu befassen, was ich aber gerne noch machen werde, danke dafür.
    Deine Gedanken erinnern mich an meinen Beitrag Original und Fälschung https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/10/sonntagsbilder-06-2019/ und daran, dass die Fotografie eine eigene Gattung der Kunst ist, da sie, niemals das Original wiedergaben kann, wir können uns annähern, aber dann gibt es eben das Foto, das nun ein Original ist und durch weitere Bearbeitungen zu weiteren Originalen – ob es nun andere Fäschungen oder Verfremdungen oder wie auch immer noch nennen … soweit erst einmal dazu – zu deinen Bildern ka mir noch der Gedanke, dass hier noch etwas sichtbar wird, nämlich wie etwas abstrakt wird, ganz besonders deutlich bei der Zeichnung mit den starken Blätterschatten.
    frühmorgendliche und liebe Grüße, Ulli
    falls du wieder keine Benachrichtigung erhalten solltest, heute geht es bei mir mit unserem PingPong weiter …

    Gefällt 3 Personen

  5. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Wiederholung ist die Mutter der Weisheit. Liebe Gerda, endlich jemand, der es ausspricht, denn ich wiederhole mich manchmal so gerne, wenn mir etwas gut gefallen hat und möchte es immer mal wieder weitergeben, deshalb auch manchmal ein älteres kleines *Wortwerk* von mir, das ich aus der Vergsnhenheit in die Gegenwart befördere 🙂
    Ich dachte doch immer schon, wer mag nur die Mama der Weisheit sein, die tut, als hätte sie keine Mutter gebraucht, als wäre sie immer schon das gewesen, was wir in ihr sehen. Aber vielleicht tue ich ihr Unrecht und ich bitte sie sehr um Verzeihung dafür. Sind es doch nur die Nichtweisen, die ihre Herkunft verleugnen…
    Da geriet ich doch tatsächlich ins unernste Herumschwafeln. Manchmal passiert es mir leider 🙂

    Heute bin ich auch mal zu der einen oder anderen Bearbeitung direkt unter das Foto gegangen
    und ich stelle fest, Dein Spielen mit Licht und Schatten, Deine Bearbeitungen, sind wirklich sehenswert.

    Gefällt 1 Person

    • gerda kazakou schreibt:

      Ich freu mich sehr über deinen Kommentar (wann eigentlich nicht?) und deine Zustimmung nun auch zu meinen Experimenten mit Licht-Schatten und Elektronik. Ich verstehe die Hemmungen nur allzu gut. Zuerst war es Jürgen (Buchalov), der mir den Anstoß gab, meine eigenen Erfindungen nicht ängstlich, sondern entschlossen anzufassen. Und so entwickelten sich auch meine Gedanken weiter und blieben nicht dort stecken, wo sie sich irgendwann in der Vergangeneheit gebildet hatten (was „Echtheit“ betrifft)..

      Gefällt 1 Person

      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        An diesem Nicht Stecken Bleiben muß ich immer wieder arbeiten, liebe Gerda!
        Es ist schön, daß Du meine Kommentare magst, es tut mir gut *schmunzel*

        Gefällt 1 Person

    • gerda kazakou schreibt:

      So geht es wohl vielen: manchen ist es bewusst, manche bleiben gerne stecken und richten sich gemütlich im Alten ein, andere wieder hüpfen allzu gelenkig von Mode zu Mode. Es ist ja auch nicht leicht, das Denken gleichzeitig zu vertiefen und zu erweitern, gleichzeitig den Faden der Vergangenheit festzuhalten und „mit der Zeit“ zu gehen, gleichzeitig seinen Überzeugungen treu zu bleiben und sie zu erneuern und zu wandeln. Liebe Grüße dir! Gerda .

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  6. kunstschaffende schreibt:

    Liebe Gerda,
    das Du dem roten Faden zu Deinem Lieblingsplatz gefolgt bist, ist wirklich interessant, lag der da wirklich?
    Tito hat Dich mit seinem Rückzug gewarnt, daß ist super!
    Unsere Lilli rennt zum Auto zurück, wenn sie irgendetwas spürt oder Angst hat! Man muss nur auf das Verhalten der Tiere achten! Wie oft hat Lilli meine Mutter vor dem Naß werden bewahrt, weil sie schon lange vor dem Regenguß nicht weiter laufen wollte!
    Braver Tito, er passt auf Dich auf!😍🐾👏👏👏👌👍😁

    Die farblichen Bearbeitungen sind super geworden und gefallen mir sehr gut!
    Die Baumschatten Bilder haben eine ganz besonders schöne Ausstrahlung! Deine Erfindung mit dieser Technik ist großartig!
    Es bringt Deinen Zeichnungen einen ganz besonders starken Ausdruck!👏👏👏👏👏👌👍

    Liebe Grüße Babsi🙋‍♀️

    Gefällt 2 Personen

    • gerda kazakou schreibt:

      Du siehst doch, Babsi, dass er da liegt! Wie er dorthin kam, ist eine andere Frage …. 😉
      Soviel kann ich dir verraten: ich habe den Wolllfaden tatsächlich im Syngrou-Wald gefunden.
      Tito denkt überhaupt nicht an mich, sondern nur an seine eigene Sicherheit, wenn Zeus donnert. Viellleicht denkt er auch gar nicht, denn er ist in Panik.
      Ganz herzlichen Dank für deine schönen Worte zu meinen Bearbeitungen!

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  7. Was die Wiederholung betrifft: „What I tell you three times is true.“ heißt es Lewis Carroll. Da ist was Wahres dran.

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  8. wildgans schreibt:

    Das Foto vom Wege mit dem roten Wollfaden habe ich mir mal für eine Weile als Bildschirmhintergrund genommen. Es gefällt mir, es stellt für mich einen großen Gedankenanreiz dar!

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