Kunst am Sonntag: Verkohlter Wald und der künstlerische Umgang damit (2)

Vassilis Boloulas, Diptychon.

Mir schien die verbrannte Gegend, die ich heute besuchte, unendlich trostlos. Umso begeisterter war ich, als ich ins Atelier meines Neffen Vassilis Botoulas, 41, hinabstieg und seine neuen Arbeiten sah. Er arbeitet an einer Serie, mit der er seine intimsten Gefühle angesichts des verbrannten Waldes, in dem das Haus seiner Eltern steht, transportiert.

Ich habe schon früher über Vassilis berichtet (hier und hier, außerdem hier). Zum Glück wurde sein bisheriges Werk vom Feuer verschont. (Das obige Bild hängt in der Wohnung seiner Eltern.)

Die Zeichnungen, die mir den größten Eindruck machten, sind winzig, ein paar Zentimeter nur (5 x 6 cm, 5 x 8 cm, 4 x 5 cm), gesammelt in einem klitzekleinen Zeichenbüchlein. Sehr meditativ ist seine Art zu zeichnen immer schon, doch in diesem kleinen Format wird sie noch einmal gesteigert.

Punkt für Punkt formt er Linien, die sich zu Flächen zusammenfinden, mit sehr spitzem Bleistift oder mit einem Zahnstocher, den er in Farbe taucht. Streichst du mit den Fingerspitzen darüber, hast du eine sehr feine aptische Sensation. Die zeichnerische Lebendigkeit der Flächen erkennt man nur durch die Lupe.

Vassilis hat auch sehr viel größere Arbeiten begonnen, auch macht er sich Gedanken über die Zuordnung von je zwei Bildern zu einer Seite. Links das Verbrannte – rechts seine Verarbeitung.

Vassilis erlaubte mir gern, ein paar provisorische Fotos zu machen, wenngleich er den Zyklus noch nicht abgeschlossen hat. Also unbedingt das Copyright beachten.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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26 Antworten zu Kunst am Sonntag: Verkohlter Wald und der künstlerische Umgang damit (2)

  1. Pega Mund schreibt:

    was du mich hier von vassilis‘ werken sehen lässt, liebe gerda, seine arbeitsweise, das beeindruckt mich sehr! danke!
    lieben gruß,
    pega

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  2. afrikafrau schreibt:

    wunderbar, die Kunst von Vassili , leider interessieren und befassen sich wenig Menschen mit
    der Malerei, jene die es sich leisten können schon gar nicht, die anderen können es sich nicht leisten, wollen es vielleicht auch nicht. Selbst kleinere Formate, günstig. Der Kunstmarkt , darüber
    sollte man nicht mehr diskutieren, völlig vereinnahmt und verrückt. Es geht nicht mehr um die Kunst……meiner persönlichen Meinung nach.

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    • gerda kazakou schreibt:

      Ich glaue, seine Kunst hätte in Deutschland doch Chancen (gut kenne ich mich da freilich nicht aus), Hier ist es grad ziemlich düster. War nicht so, die Krise hat die Künstler als erste getroffen. Hinzu kommt, dass sein Werk nicht umfangreich ist – was an seiner Methode liegt. Für jede Arbeit braucht er endlose Stunden und hohe Konzentration.

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  3. mmandarin schreibt:

    Liebe Gerda, wunderbar diese Miniaturen. Ich bin total begeistert und bei mir geht gleich ein Geratter im Kopf los, wo es Möglichkeiten zu Ausstellungen gäbe. Momentan bin ich selber sehr damit beschäftigt, einen Raum für mich zu finden. (Mein kleines Atelier muss ich holterdipolter räumen und weiß noch nicht wohin mit Allem ) Aber ich werde es im Hinterkopf behalten. Die Arbeiten sind sooooo fein. Ich habe ja ohnehin einen Faible für kleine Formate. Marie

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  4. Susanne Haun schreibt:

    Dein Neffe arbeitet sehr interessant, Gerda. Die Linien flimmern, wenn ich meinen Bildschirm scrolle. Ein interessanter Effekt.
    LG Susanne

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  5. Ulli schreibt:

    Das sind wunderbare Zeichnungen, wieviel Geduld und Zeit sie wohl brauchen, beides schenkt Raum für Reflektionen und die damit verbundenen Gefühle und Gedanken.
    Herzliche Montagmorgengrüße
    Ulli, die dich bei mir drüben vermisst …

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  6. kowkla123 schreibt:

    liebe Gerda,, komme gut in die Woche und erkälte dich nicht, Klaus

    Liken

  7. Peter Klopp schreibt:

    Es ist klar, die künstlerische Ader liegt in deiner Familie, liebe Gerda. Mir gefallen die Werke deines Neffen, weil die Linien in seinen Zeichnungen einen starken plastischen Eindruck vermitteln. Hab noch eine schöne Woche!

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  8. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Wundervoll, was er da macht, liebe Gerda!
    Auch er gibt der Hoffnung Raum und vielleicht auch für seine Bilder, die so wunderschöne und ganz besondere Miniaturen sind!

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  9. wildgans schreibt:

    Das tut zwar wenig zur Sache, sagen will ich es trotzdem: er hat überaus schöne Hände!
    Beachtlich, was er damit schafft!

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  10. Mitzi Irsaj schreibt:

    Mir fällt es immer schwer, etwas sinnvolles über Kunst zu sagen. Da fehlen mir die Worte. Aber vielleicht – das hoffe ich – ist es genauso viel Wert, wenn man nur sagen kann, dass man Kunstwerke gerne ansieht, dass einem die Geschichte dazu gefällt und dass sie einem sehr gut gefallen, auch wenn man nicht gut in Worte fassen kann warum. Linien aus Punkten…das finde ich einfach schön.

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  11. Pingback: Griechenland: Altes und Neues entdecken | Philea's Blog

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