„Wenn Zwerge reisen“. Erstes Abenteuer (Bleistiftzeichnung)

Ziemlich aufgekratzt kam der kleine Kerl von seinem ersten Ausflug zurück. Ich hatte Mühe, seinen Erzählungen zu folgen. Das merkte er wohl. Denn er unterbrach sich und sagte: „Papperlapapp! Mach das Ziehharmonikabuch auf und schreib. Ich diktier dir lieber, bevor du irgendeinen Blödsinn verzapfst“.

Und so schrieb ich auf, was er mir diktierte. Und versuchte zu zeichnen, was er mir erzählte.

Als Reisegefährt fand sich ein Schwan, sehr gut gepolstert, äußerst bequem. Und so zogen wir dahin und kamen an eine weite Ebene. Da stand stock und steif eine Eule, und auf den Kopf hatte sie sich eine große Spiral-Muschel gestülpt wie einen Hut. Ich wunderte mich nicht schlecht und rief zu ihr hinüber:

He, du Eule,
mit dem Bauch wie ne Säule
ich hoff die Muschel als Hut
tut dir gut!

Sie aber antwortete nicht, sondern stand ganz still, die Augen nach oben verdreht.

Pst, hörte ich es da wispern. Sie lauschet im Traume /wie es rauschet/ im Weltenraume.

Au au autsch! Auf dem Bauche kam mühsam ein bunter Drachen dahergekraucht, denn ihm fehlten zwei Füße, und so fragte ich ihn höflich: „Wo sind denn deine Füße geblieben?“

Zwei Füße hab ich weggegeben / Damit andre auf großem Fuße leben. / Mir ist es einerlei, / ich brauch ja nur die zwei. / Denn ich will das Fliegen lernen / Will hoch hinauf bis zu den Sternen.

Und wie ich mich so umsehe, da sehe ich tatsächlich seine Füße, und aus den Füßen wachsen Stängel.  Aus dem einen Stängel  wächst ein Kruselkopp.  „He, Kumpel“, rufe ich zu ihm hinauf, „Wie fühlt sich das Leben an da oben in der Höhenluft?“

Fest stehend auf dem Boden der Erde / Wiege ich mein Haupt im Himmel / Seh hinab auf das Gewimmel / Der Dummen und Dreisten, die Zwergenherde.

Ein Sprücheklopper, dachte ich mirs doch. Auf geliehenem Fuß und groß klotzen.

—————————–

An dieser Stelle unterbrach ich den Redefluss des Wichtels. „Die Seite ist voll, da passt nichts mehr drauf. Vielen Dank, morgen dann wieder, lieber …“ Ich räusperte mich, hoffend, dass er sich mir vorstellte. Ein Name erleichtert doch sehr die Unterhaltung.  Er kicherte vergnügt: „Axel Kinkelknut, nenn mich Axel Kinkelknut“. Und weg war er.

 

Nachwort: Dies ist ein Anfang. Wie es weiter geht? Das weiß ich nicht, hängt ja auch nicht von mir ab. Guten Abend.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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23 Antworten zu „Wenn Zwerge reisen“. Erstes Abenteuer (Bleistiftzeichnung)

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Axel ist ein vorwitziges Bürschlein und ich hoffe er wird noch etwas höflicher zu dir liebe Gerda 😀

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    • gkazakou schreibt:

      Lass ihn man, lieber Arno. Ich mag so vorwitzige Typen ganz gern. Und mir scheint, er hat was drauf. Wie er mit der Eule, dem „Drachen“ und dem Großfüßigen umspringt – da könnte ich noch von lernen.

      Gefällt 1 Person

  2. kunstschaffende schreibt:

    Einfach toll, aber gute Manieren muss der Wichtel Zwerg wahrlich noch lernen, da liegt noch viel Arbeit vor Dir liebe Gerda! Aber ich bin sicher, Du schaffst dass! 🤔🙈😁😉👍😍

    Gefällt 3 Personen

  3. Random Randomsen schreibt:

    Ein Zwergenleporello – da kommt Freude auf. 😀
    Ein Schwan ist definitiv eine gute Wahl: Gefährt und Gefährte in einem. 😉 Überhaupt scheint mir Axel Kinkelknut ein aufgeweckter Bursche zu sein. Wobei „Bursche“ hier relativ ist. Selbst wenn es sich um einen Jungzwerg handeln sollte – wobei das Aussehen hier sehr täuschen kann – dürfte er locker einige hundert Jahre alt sein. 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      So scheint es zu sein, lieber Random. Zwar kommt er mir meist vor wie ein kleiner Junge, aber dann plötzlich ändert sich sein Gehabe und Aussehen und er wirkt uralt. Und mit solchen Wesen ist es nicht leicht, den richtigen Ton zu treffen. 🙂

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  4. ann christina schreibt:

    Haha, wie schön! Bin gespannt! Und sehr schöne Zeichnung dazu! ❤️

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  5. violaetcetera schreibt:

    Eine gelungene Geschichte mit schönen Bildern, die meine Fantasie angeregt hat. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

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  6. www.wortbehagen.de schreibt:

    *lach*, Axel Kinkelknut ist gut! Es ist also mit einem Schwanengefährt unterwegs und nicht mit seiner schönen Muschel. Hat ER sie der weisen Eule als Hut auf den Kopf gelegt? Oder sind es zwei verschiedene, liebe Gerda?

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  7. Werner Kastens schreibt:

    Einfach köstlich! Und tolle Reime!

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  8. Ulli schreibt:

    Axel Kikelknut, was hast du denn gedacht 😉 🙂
    Ach, liebste Gerda, was mir jetzt all für viele Assoziationen und Erinnerungen kommen … nur von einer will ich dir erzählen: es sagte einmal ein protugisiescher Schriftsteller (dessen Namen ich vergessen habe – oh mein Kopf!): die Geschichten sind alle schon da, du musst sie nur pflücken… in diesem Sinne und von Herz zu Herz, Ulli

    Gefällt 2 Personen

  9. Elke H. Speidel schreibt:

    Guten Morgen, liebe Gerda, guten Morgen, lieber Axel! Heute darf ich wieder mit Miras Oma in den Stadtwald, ich, das Fantasiewesen Nopupa. Mal sehen, was wir dort erleben. Aber eines verspreche ich euch: SICHTBAR werde ich nicht! Ob ich wohl auch einen Drachen und eine Eule finde? Ich fürchte nein. Im Stadtwald gibt es keine Drachen, das sind ohnehin nur Fabeltiere, die es gar nicht gibt, und zum Eulenfinden sucht sich Miras Oma immer die falsche Tageszeit aus. Ist nämlich nachtblind, behauptet sie. Eine gute Zeit euch!

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    • gkazakou schreibt:

      Guten Morgen, Elke! Dem Nopupa lässt Axel ausrichten, für ihn gebe es keine unsichtbaren Wesen. Wechselgestalten – ja. Tarnkappen – ja. Unsichtbar auch für Zwergenaugen – nein. Liebe Grüße

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      • Elke H. Speidel schreibt:

        Ah, das kann natürlich gut sein! Bestimmt sind der Nopupa und der weiße Vogel für Axel sichtbar, und nur wir Menschen sind so blind. Ganz klar. Schiff ahoi wünsche ich alsdann, und gute Weiterreise! (Hoffentlich ist das Zerwürfnis mit dem Schwan nicht von bleibender Natur.)

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