Monatsreigen (abc-etüde)

Muss ich wirklich noch einmal erklären, worum es sich bei den abc-etüden handelt? lz hat sie erfunden, Christiane führt sie weiter, aber die Einladungen gestaltet weiterhin lz. Zehn Sätze sind erlaubt, eine Kürzestgeschichte um drei gespendete Wörter ist zu erfinden. Diesmal ist redskysoverparadise der Spender der Wörter „Monat, fragwürdig, gehen“.

Einfache Wörter? Ja. Und das macht das Erfinden schwer. Eine fragwürdige Angelegenheit, denn alles geht und nichts. Dennoch, hier mein erster Versuch:

Monatsreigen

Einer nach dem anderen gehen die Monate vorbei.

Voran stolziert der Januar, großmächtig, vom Flitter der Erwartungen überglänzt.

Hinter ihm her hüpft der kurzbeinige Februar, gefolgt vom rotwangigen März mit dem Gürtel der Tag-und-Nacht-Gleiche.

Der April mit seinem Sack voll fragwürdigen Schabernacks torkelt vorbei, und schon kommt der Mai, singend und tänzelnd und voller Liebes-Versprechen.

Schmalbrüstig der Juni dann, mit Schwalbenflug und Lerchengesang, und hinter ihm her der breitbrüstige Juli mit dem glänzenden Antlitz.

Der Monat August, so gar nicht clownesk, breitet sein warmes Licht über die träumende Welt und schläfert sie ein.

Die blinzelt und schaut, plötzlich hellwach, ins Gesicht des September: Du bist schon da, feiner blauer Gesell?

Auch er geht vorbei, gibt Raum dem wilden Oktober mit dem feuerfarbenen Federbusch auf dem Helm.

Heran schleicht der graue November: Jetzt wird es ernst, denkt der Mensch, und gedenkt seiner Toten.

Als letzter kommt der Dezember geschritten, das Seherauge weit geöffnet: er sieht das Ende und den Neubeginn.

Gelegentlich habe ich Legearbeiten zu Monaten gemacht. Nicht zu allen, und schon gar nicht als Prozession. Da gibt es beispielsweise  den doppelgesichtigen Janus, den Neujahrsvogel, die Tag-und-Nacht-Gleiche als Balance-Akt, das Weihnachtsschiff mit den vielen Geschenken. Heute soll zur Illustration ein Jahres-Reigen genügen, mal so, mal so herum.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, Dichtung, elektronische Spielereien, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Psyche, Träumen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Monatsreigen (abc-etüde)

  1. hafenmöwe schreibt:

    sehr sehr schön…

    Gefällt 1 Person

  2. kopfundgestalt schreibt:

    Du Füllhorn Du!
    Sehr fein und mit Grazie und Köpfchen gedichtet. Da lohnt sich das Lesen!

    Bis morgen.

    Gefällt 3 Personen

  3. elkprverlag schreibt:

    Originell wie immer!

    Gefällt 4 Personen

  4. Christiane schreibt:

    Ach, wie schön ist das!?! Deine poetischen Worte zum Jahr, und die bunte Legearbeit dazu trifft mein Gefühl sehr. Vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  5. www.wortbehagen.de schreibt:

    Einfach wundervoll, Dein Jahresreigen, liebe Gerda, sowohl in Bild, als auch in Worten.
    Monat für Monat mit Deinen Augen, alleine das ist schon Genuss und dann noch diese gekonnte Legearbeit, so bunt wie es ein Jahr ist. Ich bin wieder mal begeistert von Deiner Schaffenskraft

    Mit lieben Grüßen in die Nacht
    Bruni

    Gefällt 1 Person

  6. www.wortbehagen.de schreibt:

    *schmunzel*, die Tage vergehen so schnell 🙂

    Gefällt 1 Person

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