Kommt ein Baby geflogen ….

Als ich heute auf eine Frau wartete, entstand aus den gerade aktuellen Schnipseln ein Bild.

Ach, was waren das doch für schöne Zeiten, als der Klapperstorch die Babys brachte! Meine heutige Besucherin hat kein Vertrauen mehr in den Klapperstorch, sie hat sich in die Hände (Fänge?) der Reproduktionsmedizin begeben, um sich und ihrem Mann ihren späten Kinderwunsch zu erfüllen. Und zwar auf eine Weise, die in Deutschland verboten …

(Wikipedia:  „(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt, 2. es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt“)

…  in Griechenland aber völlig legal und gang und gäbe ist. Taugt die Eizelle der Frau, die ein Kind wünscht, nichts, oder bildet sie keine Eizellen mehr aus, so greift man eben auf eine gesunde, kräftige Eizelle einer anonymen Spenderin zurück. Die wird dann mit den Samen des Mannes (oder gelegentlich mit dem eines anonymen Samenspenders) in vitro befruchtet. Die im Reagenzglas entstehende „Zygote“ wird der Frau eingepflanzt. Und dann: Gott (Göttin) mit uns! Die Frau bemüht sich, die fremde befruchtete Eizelle mithilfe von Hormongaben in sich zu verwurzeln, auszutragen, mit Schmerzen zu gebären und als ihr eigen Fleisch und Blut großzuziehen. …

Meine Aufgabe kann es nicht sein, der Klientin zu- oder abzuraten. Es spielt keine Rolle, was ich für Überzeugungen habe. Jeder Mensch ist frei in seinen Beschlüssen, und sein Spielraum  wird durch die sich rapide entwickelnde Reproduktions-Medizin immer größer. Ich selbst muss mich auf Bewusstmachung und seelische Begleitung welcher auch immer gewählten Handlungen beschränken.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu Kommt ein Baby geflogen ….

  1. lieberlebenblog schreibt:

    Oh je … nicht einfach, deine Rolle! Ich erfreue mich an dem Bild 😀

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  2. mmandarin schreibt:

    was für ein Thema, ich erlebe gerade in meiner nahen Umgebung so ein Drama um ein Baby. Es zerreißt mir das Herz, das Kind muss – gerade einmal drei Wochen alt – schon zum zweiten Mal an der Speiseröhre operiert werden mit anschließendem künstlichen Koma. Die junge Mutter hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, schwanger zu werden. Ich will keinen Zusammenhang Hang sehen, aber ich muss immerzu denken, dass der Verlauf einfach erzwungen war. Ach, ich mag gar nicht weiter darüber nachdenken über diesen unglücklichen Start ins Leben. Marie

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  3. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, du sprichst ein großes Thema an, darauf will ich aber nicht eingehen, weil es mir nicht wirklich zusteht! Ich sehe nur eins: als Therapeutin, als Begleiterin habe ich nicht das Recht zu urteilen (zu verurteilen schon gar nicht), sondern zu halten, mitzugehen mit dem, was mir der Mensch anvertraut, egal, was ich selbst denke oder fühle- ich hatte vor 3 Wochen ein Erlebnis in diesem Feld, das ich als grenzwertig empfand, ich habe es so gut es ging gemeistert und mir ist wieder einmal die Verantwortung klar geworden wie wichtig die Worte sind, die es gilt recht zu setzen und Fragen zu stellen, die dann den Raum für die andere zu öffnen, innerlich habe ich geschwitzt … ich kann niemanden Entscheidungen abnehmen, nur da sein, was manchmal richtig schwer ist!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, liebe Ulli! Du sagst es, und du sagst es schön in deinen feinen mitfühlenden Worten. Das Schwierigste an meiner Arbeit ist: mich von dem Gedanken zu verabschieden, helfen zu können. Ich darf nicht einmal helfen wollen. Nur halten darf ich. Und durch die richtigen Worte den Raum weiten, so dass velleicht ein neuer Gesichtspunkt auftaucht.
      Gestern habe ich die Wegwendung von den körperlichen Aspekten der Empfängnis hin zu den seelischen geübt. Was heißt es für dich, eine Seele in dir zu empfangen und ihr bei der Inkarnation zur Verfügung zu stehen?
      Es half, dass auch der Arzt Entspannung angeraten hatte, weil der erste Anlauf nicht klappte und sich eine Komplikation zeigte, die nun erst mal „behoben“ werden muss. Ich empfahl tägliche halbstündige Meditationen über Empfängnis, ansonsten Erholung, Entspannung, gutes Liebesleben ohne den Gedanken ans Wunschkind. Natürlich geschieht das alles in der Hoffnung (die ich nicht haben sollte), dass entweder doch noch eine natürliche Empfängnis möglich ist oder dass der Kindeswunsch sich umgestaltet in den Wunsch, Kindern zu helfen, gut aufzuwachsen. Nun Guten Morgen! Gerda

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  4. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda,
    es ist ein sehr schweres Thema, irgendwo habe ich gelesen, dass 50% der deutschen Männer unfruchtbar sind. Ist das schon der Lauf der Evolution? Die Menschen wollen weniger Kinder also passt sich die Natur an? Oder sind es Umweltverschmutzungsaspekte? Oder resultiert das aus dem Konsum von Alkohol, Drogen und Zigaretten? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.
    In meinem nahem Freundeskreis sind drei Paare, die keine Kinder bekommen konnten, die sich sowohl gegen Adoption, künstlische Befruchtung und ähnliches entschieden haben.
    LG Susanne

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  5. chrinolo schreibt:

    Du sprichst ein sehr trauriges Thema an und ich möchte nicht in deiner Haut stecken … hier (den richtigen) Beistand zu leisten ist wirklich eine Leistung!

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  6. juergenkuester schreibt:

    Liebe Gerda!
    Das ist nicht nur ein schwieriges Thema, das ist ein sehr schwieriges Thema. Es geht um grundsätzliche ethische Fragen. Vielleicht muss man gerade deshalb klar Stelling beziehen. Mich hat folgender Film zum Thema sehr bewegt und mehr als nachdenklich gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=0BVEcB_jnl4
    Liebe Grüße Juergen

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  7. wildgans schreibt:

    Sehr, sehr spannend!

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  8. Trotz allem, was für ein knuffiges Kleines da auf dem Bild, und:es lacht schon!!!vermutlich war es viel lustiger zu Klapperstorchzeiten anzukommen….

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  9. www.wortbehagen.de schreibt:

    Was für ein brisantes Thema. Was ich davon halte, habe ich mich eben selbst gefragt, liebe Gerda.
    Dein Bild ist so wunderhübsch, daß ich leicht erkennen kann, wo Deine Gefühle liegen *lächel*
    Ich kenne in meinem näheren Umfeld keine einzige Frau mit einem verzweifelten Kinderwunsch, der einfach nicht erfüllt werden kann.ach
    Eine Freundin und ihr Mann fanden sich damit ab und sie verzweifelten nicht. Die Freundin hatte viele Patenkinder, zu denen auch meine gehörten und kümmerte sich, solange sie konnte. :Leider sind diese Freunde schon gestorben, mit etwas mehr als 60 Jahren.
    Eine Freundin ist schwanger mit dem zweiten Kind. Der Samen ihres Mannes wurde vorsorglich eingefroren, als er an Krebs erkrankte. Nun ist die kleine Familie glücklich und freut sich sehr über das zweite, das im November zur Welt kommen wird.

    Die Verzweiflung nehmen, so gut es geht, ist wichtig, glaube ich, und Entspannung auf beiden Seiten ist sehr hilfreich *lächel*

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