Die rosenfingrige Eos

Heute musste ich früh raus, um ihn zum Flughafen zu fahren. Kaum sechs vorbei, und am Himmel zeigte sich die erste Morgendämmerung, mit der sich das elektrische Licht  der Flutlampen der Autobahn und der Auto-Scheinwerfer vermischte. „Warum“, sagt er, „ist die Morgendämmerung so verschieden von der Abenddämmerung“.

Ja, warum.

Als ich ihn am Flughafen abgeliefert habe und zurückfahre, beginnt der Himmel lieblich zu erröten. Die „rosenfingrige Eos“* erscheint, überall ist sie, im Osten und Westen, im Norden und Süden über den ganzen weiten Himmel hin. Die elektrischen Lichter erlöschen. Immer voller wird der Klang des Himmelslichts. Ich halte auf dem Seitenstreifen an, um diese Schönheit jedenfalls ein wenig für mich und für euch festzuhalten.

Heute morgen auf der Autobahn, vom Flughafen kommend Richtung Athen. So tröstlich.

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  • Wiki. „In der griechischen Antike hat die Morgenröte eine eigene Gottheit, die Homer als „rosenfingrige Eos“ (ῥοδοδάκτυλος Ἠώς rhododaktylos Ēōs) besingt. In der Mythologie ist sie die Schwester des Sonnengottes Helios und der Mondgöttin Selene. Die Aufgabe von Eos war es, ihrem Bruder Helios den Weg an den Taghimmel zu bahnen.“

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Die rosenfingrige Eos

  1. Art of Arkis schreibt:

    Hallo! o, synchron … hab ich doch eben mein Aurora-Detail in den blog :)) Lieben Gruß.

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  2. kormoranflug schreibt:

    Schöne Stimmung. Auf dem Land hat man glaube ich, viel zu tun.

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  3. Hella Jger-Mertin schreibt:

    > > Liebe Gerda! > So faszinierend diese Morgenröte über Athen erscheint, offenbart sie doch > einen ziemlich verschlierten Himmel. Denn nur im Dunst entstehen solch > intensive Farbbänder. > Ist die Morgenröte so anders als die Abendröte? Ein wirklich interessante > Frage. Da ich keine Lerche sondern eine Nachtígall bin, habe ich die > Himmelserscheinungen nach Sonnenuntergang oft betrachtet. > Da fiel mir auf, daß zwei unterschiedliche Rotskalen den Himmel färben: auf > der Seite der untergegangenen Sonne dominieren die kräftigen rot-gelb-Töne, > gegenüber aber, also am Osthimmel, breitet sich ein zarteres Magenta aus, also > ein bläuliches Rot, das geistiger wirkt. Es wäre zu beobachten, ob der > Morgenhimmel eine entsprechende Differenzierung zeigt, nur umgekehrt, rot-gelb > im Aufgang, blau-rot im Westen. > Die Abendfarben am östlichen Himmel hier über Kassel nenne ich gern die > Kaspar-David-Friedrich-Farben. > Grüße zum Sonntag von Hella. >

    Am 06.11.16, 15:30 schrieb „GERDA KAZAKOU“ unter

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, liebe Hella. Deine Beobachtungen entsprechen auch meinen. Tatsächlich fiel mir heute auf, dass bei den Farben im Sonnenaufgang das Rotgelb vorherrschte, wohingegen im Westen dieses zauberhafte rosa (helles Magenta) zu sehen war. Und was die Schönheit solcher Phänomene betrifft: wir wissen ja, verschmutzte Himmel verfärben sich besonders eindrucksvoll. darauf machte uns schon vor 60 Jahren unser Lehrer aufmerksam: durch den verstärkten Luftverkehr habe sich das Abendrot sehr verstärkt, früher habe es solche Abendhimmel nicht gegeben. Doch wie dem auch sei: ein Farbspiel besonderer Schönheit und ein Trost für den Abschied vom Sohn war es heut Morgen allemal. – Ich hörte, bei euch sei eine Kaltfront am kommen? Hoffentlich wird es nicht allzu heftig. Ganz liebe Grüße aus Athen. Gerda

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  4. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, wunderschön ist die Morgenröte (auch bei dir), in ihr liegt das Versprechen auf einen neuen Tag, die Gnade, dass auch diese Nacht vorüber gegangen ist. In der Abendröte liegt der Abschied und Abschiede sind selten leicht … ob „ihm“ dies als Erklärung gefallen würde?
    herzliche Grüsse vom Abendberg mit Schnee auf der Wiese …
    Ulli

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  5. Monika schreibt:

    Liebe Gerda.
    Diesem Schmerz ausgeliefert zu sein, kann kein Sonnenaufgang, oder Sonnenuntergang wettmachen. Abschied nehmen, ist Sterben auf Raten. Winzige kleine Nadeln durchbohren die Haut, wie die Stacheln einer Kaktee. Nicht alle kann man rausziehen. Manche verursachen Probleme, Wunden, die nicht heilen können, versteckt unter der Oberfläche. Sie entzünden, brechen zuweilen auf. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.
    Das Licht des Morgens ist trügerisch, es verspricht einen schönen Tag. Selbst das Blau des Himmels täuscht. Eisig, kühl bis hin ins grün-grau übergehend, lässt nicht hoffen, dass die Wolken, den Himmel, nicht verdecken. Eine Straße wie auf dem Foto, veranschaulicht deutlich die Leere, die die eigene Seele füllt.
    Und doch war die Zeit erfüllt, von Leben, Freude, Ideen, Wertschätzung und Liebe.
    Monika

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    • gkazakou schreibt:

      ach, Monika, schön schreibst du, sensibel und tief traurig empfindest du. Ich selbst fühle den Abschied nicht so schmerzlich. Es ist einer von vielen, und immer, solange ich lebe, gibt es auch Begrüßungen, Neuanfänge für mich. Wir erleben es doch jeden Tag: er geht, er schwindet dahin. Und es kommt ein neuer Tag. Dieses Absterben und Neubeginnen ist ein Merkmal des Lebens selbst. Warum sollte ich den Tod fürchten?

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      • Monika schreibt:

        Liebe Gerda.
        Da hast du recht, Absterben und Neubeginnen ist ein Merkmal des Leben. Nur, sie nähren sich von einander. Sie folgen einem Prozess, dem Prozess des Lebens. Abschied, ist eine Unterbrechung des Prozess, deshalb habe ich es dem Tod gleichgesetzt. Der Abschied, sowie der Tod, friert den Augenblick ein. Den Augenblick des gemeinsamen Lebens. Ungeachtet dessen, ob ich den Tod fürchte, oder den Abschied, schmerzvoll empfinde. An dem Punkt der Trennung angelangt, entwickelt sich das Leben in verschiedene Richtungen. Ich habe dann nur die Erinnerung.
        Deutlich geht es mir, wenn ich in meine Heimatstadt fahre. Ich habe sie in Gedanken, wie ich sie verließ, mit ihren Wegen, Häusern, Straßen, Gärten und Parkanlagen. Heute ist sie mir fremd. Sie wäre mir nicht fremd, wenn ich mit ihr hätte leben können.
        Danke fürs lesen Monika

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  6. bruni8wortbehagen schreibt:

    Fast pastellig scheint sie oft, die Morgenröte, während das Abendrot meist aufbietet was es kann, alle Kraft der Tages liegt dann darin, ein Glühen, das seinesgleichen sucht, ein Feuerwerk, das den Tag beschließt.
    Selten sehe ich die Morgenröte und genieße dafür das Erröten am Abend

    Rosenfingrige Eos – wie wunderbar.

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    • gkazakou schreibt:

      sehr schön deine Imagination: alle Kraft des Tages liegt im Farbfeuerwerk des Sonnenuntergangs. Am Morgen ist es ein sanfteres Erglühen, ein Hinhauchen des Lichts über den Himmel hin, bis im Osten der Feuerball sich hebt. Mir scheint, auch die Vögel verhalten sich verschieden: am Abend sehe ich sie scharenweise dem Sonnenuntergang zufliegen, am Morgen höre ich sie fröhlich Zwitschern. Ich bin allerdings kein systematischer Beobachter der Vogelwelt.

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  7. bruni8wortbehagen schreibt:

    ich höre sie auch nur beiläufig, aber die Unterschiede fallen einem oft auf

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  8. gkazakou schreibt:

    Immer sehr gern lese ich deine Kommentare, Monika, denn sie enthalten tief Empfundenes und kluge Gedanken. Was du über die Heimatstadt schreibst, macht deutlicher, was du sagen wolltest. Mir fiel beim Heimkommen eigentlich immer am meisten auf, dass die Häuser unserer Siedlung viel kleiner und armseliger geworden waren. Als ich ein Kind war, waren sie prächtig und voller Leben. Als Studentin konnte ich das nicht mehr so sehen, da waren sie eng. Ich war gewachsen, nicht nur körperlich. Ich hatte anderes gesehen. Die Trennung von der Heimatstadt führt zu Veränderungen im Menschen, daher wirkt sie auf den Heimkehrenden so verändert. Natürlich unterliegt die Stadt selbst auch einem Veränderungsprozess, aber meist schrumpft sie ja nicht auf Zwergenformat, oder?

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