Eine kleine Metamorphose

Alles fließt – nichts bleibt wie es war.

Wir sehen es täglich, wie eine feste Gestalt sich auflöst, sobald das Leben aus ihm entweicht. Das Blatt zerfällt, das Tier verwest, Gesellschaften erstarren und zerfallen.

Das ist so. Doch immer lockt die Vorstellung, dieser Lauf ließe sich umdrehen: das Erstarrte könnte ins Lebendige zurück geführt werden. Wie diese Gesteinsformation, die einst flüssige Lawa war.

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Nur eines geringen Impulses bedarf es, und schon durchläuft ein Zittern das Harte. Es schmilzt dahin, es verflüssigt sich.

photo 59 Quadrat bbEs belebt sich von Neuem, wird zu Feuer und Fisch …

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Der Fisch freut sich des zurück gekehrten Lebens und schlängelt fröhlich davon in seinem Ursprungs-Element: dem köstlich kühlen Wasser, aus dem alles Lebendige hervorgegangen ist.

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So, wollte ich, ginge es mit allen verhärteten Strukturen, die uns umgeben und die in uns einwachsen, bis auch wir hart und tot sind. Möge sich dieser Prozess vom Lebendigen hin zum Toten, den wir mit wehem Herzen immer und immer erleben müssen, einmal für uns umdrehen.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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12 Antworten zu Eine kleine Metamorphose

  1. Monika schreibt:

    Das sind faszinierende, bizarre, interessante Bilder. Aber wie hast du die Fische zum leben erweckt? Das Tote, wenn es denn tot ist, wird nicht lebendig. Nicht einmal der Schmetterling (Raupe). In ihm steckt ein Rest Leben so etwas wie Schlaf, Sparflamme. Der Tod ist ohne Bewusstsein. Er ist einfach nur still, ruhig, schwarz. Der Tod ist ein Gefühl von „Nichts“, im Nichts. Warum es umkehren. Es ist auch nicht zuerst das Bild und dann der Stift da. Die Lava ist heißes, flüssiges Gestein aus dem Erdinneren. Erhärtetes Gestein wird nur wieder flüssig durch sehr hohe Temperaturen, niemals durch sich selbst. Oder?
    LG.Monika

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Monika, ich habe mir die Freiheit gestattet, den gewöhnlichen Prozess umzudrehen.
      Es ging mir nicht um den Tod im engen Sinne, sondern um die Erstarrung, Verhärtiung, das ich „das Tote“ nenne, da sich die lebendige gestaltende Kraft daraus zurückgezogen hat.

      Die Raumzeit, in der wir leben, ist zwar für uns nicht in alle Richtungen begehbar – wir müssen in ihr immer voran und voran im „Strom der Zeit“ – aber im Geiste können wir durchaus auch andere Richtungen einschlagen und Totem das entwichene Leben wieder einhauchen und es erneut in den Lebensprozess entlassen, nicht wahr?
      Du fragst, wozu das gut sein soll. Darüber muss ich nachdenken.

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  2. Ulli schreibt:

    Ja Gerda, das ist das, was kaum auszuhalten ist, die Zeit der Erstarrung, der Verfestigung und wie wunderbar du alles wieder in Fluss gebracht hast, dort, wo der Kreis sich schliesst, am Anfang. Das Tröstliche ist, dass nichts, aber wirklich gar nichts je so bleibt, wie es ist, Trost und Leid.
    herzliche Abendgrüsse
    Ulli
    (ich weiss jetzt wo dein „Bullerbü“ war, sorry, ich bin manchmal eine Schnecke im Bezüge herstellen!)

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  3. muetzenfalterin schreibt:

    Wenn ich dich richtig verstehe, geht es nicht darum, das Tote lebendig zu machen, weil tot letztendlich nur eine Form ist, die sich aber auch wieder verändert, weiter zerfällt, und eben nicht erstarrt. Das ist das, was schwer auszuhalten ist, und was zu vermutlich unnötigem Schmerz führt, zu übersehen, dass nichts endgültig ist, also zwar erstarrt, aber nicht starr für alle Zeiten. Alles ist im Fluss, veränderlich, das heißt aber auch, wie Ulli es so schön beschreibt, dass wir nichts festhalten können, aber eben auch, dass uns nichts festhalten kann, weder diese Form des diesseitigen Lebens noch der Schmerz, in dem wir vielleicht gerade festzustecken scheinen.

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  4. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ein wundervoller Text, eine Metarmorphose, textlich so gut nachzuvollziehen und das erste Bild könnte eine tolle Aufnahme sein, aber dann geht es weiter und ich komme ins Trudeln.
    Wie hast Du diese Bilder hinbekommen, liebe Gerda. Ich blicke überhaupt nicht durch, ich staune nur und möchte greifen, um zu begreifen und es gelingt mir nicht…

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    • gkazakou schreibt:

      Freut mich, Bruni, dass du dich mutig eingelassen hast auf dieses Strudeln und Trudeln. Technisch handelt es sich um die Anwendung von Filtern von Fotoshop. Ich könnte nicht voraussagen, was jeweils entsteht, und unmöglich wäre mir die Wiederholung.

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      • bruni8wortbehagen schreibt:

        Ich bin eben mal in den Fotoshop und habe mit einem Bild probeweise herumexperimentiert 🙂 .
        Über das Ergebnis hättest Du Dich vor Lachen gekugelt, liebe Gerda.
        Ich glaube, Du hast da ein sehr gutes Künstlerhändchen

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  5. Monika schreibt:

    Liebe Gerda, mein Anspruch ist zu verstehen. So wie es aussieht gelingt es mir nicht immer.
    – Passiert -. Wohl fühle ich mich nicht dabei. Ich hätte erkennen müssen.
    Gerda, in der realen Zeit, in der Starre, in der Verhärtung und gleichzeitig zum Ursprung/ zur Umkehr-Rückbildung – zu kommen, das ist eine geistige Freiheit die Menschen leichter erreichen, wenn sie Halluzinogene ausprobieren.
    Sich der Freiheit des Geistes zu bedienen, bei klarem Verstand und hohem intellektuellen Stand, macht das schier Unmögliche, möglich. Du liebe Gerda sucht eine Dimension außerhalb der uns bekannten Formen und Normen, uns deine Ideen nahezubringen. Ich bemühe mich zu verstehen mit meinem kleinen Geist, und ich danke Dir, dass du mich auf den „Sprung“ bringst.
    LG. Monika

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Monika, ich habe deinen Kommentar nicht vergessen, sondern bewegte und bewege ihn in meinem Herzen. Dein „Anspruch ist, zu verstehen“, und weil es dir nicht gleich gelingt, schimpfst du dich selbst einen „kleinen Geist“. Aber vielleicht liegt es ja gar nicht an dir, sondern an mir, dass es mit dem Verstehen haperte? Vielleicht habe ich mir allzu viel „künstlerische Freiheit“ herausgenommen, als ich festes Gestein in quicklebendige Fische verwandelte?
      Mit Halluzinogenen habe ich nichts zu tun, worüber ich froh bin. Aber mit geistigen Sprüngen sehr wohl. Man hätte denselben Gedanken, den ich ausdrücken wollte, auch naturgemäßer darstellen können. Wie wäre es mit folgendem?
      Du siehst den leeren Zweig eines Apfelbaums, aus dem sich eine Knospe langsam hervorarbeitet – siehst ihr Aufblühen – siehst das Welken und Schrumpfen und Abfallen der Blüte und gleichzeitig die Fruchtbildung – du siehst die Frucht, wie sie reift und du pflückst sie und hältst sie in der Hand. Du wunderst dich nicht sehr, denn diese Entwicklung in der Zeit erleben wir vom Frühjahr bis zum Herbst jedes Jahr, immer wieder. Es ist der Zeitstrom, in dem wir selbst auch stehen und der in einer Richtung zu fließen scheint: vorwärts.
      Aber es gibt auch einen Strom, der entgegengesetzt fließt und den du geistig erfassen kannst: du siehst die Frucht in deiner Hand – und wieder entstehen die vertrockneten Blütenblätter – dann die schöne geöffnete Blüte mit ihrem Blätterkranz und dem Stempel, den die Staubgefäße umgeben – du siehst, wie sich die Blüte langsam zur Knospe schließt und sich die Blättchen um sie schließen, ganz sacht – und du siehst auch, wie diese Knospe langsam und wie aufgesogen in den Ast zurückweicht und verschwindet.
      Vielleicht magst du dich auf diesen Vorgang des „Entwerdens“ einlassen, der, wenn man ihn so rückwärts gehend abspult, nicht zum Toten und Trockenen, sondern zum Lebendigen und Feuchten hin verläuft. Die Wirkung kann man in sich selbst wahrnehmen.
      Liebe Grüße dir! Gerda

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