Vogelmatrix (Kunst und Natur)

Auch heute hatte ich keine Lust auf Pinsel. Stattdessen griff ich zu den gestrigen Schnipseln, die noch herumlagen, schnippelte ein paar dazu und legte ein Bild. Ihr seht hoffentlich, dass es eine Szene mit Vögeln, Sonne und Mond darstellt.

Schön und gut, aber trotz der undefinierten Gestalt um Schilf (ein Fuchs? ein verendeter Fisch? ein Plastiksack? eine Fischreuse?) etwas langweilig. Wie wäre es, etwas Neues auszuprobieren? Zum Beispiel, eine Vogelmatrix zu erschaffen?

Matrix – das kommt von lat. mater, Mutter oder auch Gebärmutter.  Die Vogel-Matrix wäre eine Struktur, in die ich (oder irgendein Mitspieler) Gen-Schnipsel einbetten und so immer neue Vögel hervorbringen könnte. (Vögel haben bekanntlich keine eigene Gebärmutter, und so müssen wir uns etwas ausdenken, um ihr Überleben zu sichern, wenn sie keine Eier mehr legen…)

Ich nahm ein weißes Blatt und legte mit meinen Schnipseln noch eine Vogelszene.

Dann rahmte ich die verlegten Schnipsel locker mit einem schwarzen Strich.

Über die freibleibenden Flächen ließ ich Energielinien laufen. Denn ohne Energie wäre die Umrisszeichnung nur eine Schablone und keine Matrix, die etwas Lebendiges hervorbringen kann.

So. Und jetzt schicke ich die real existierenden Vögel in die Nicht-Existenz zurück. Was bleibt übrig? Übrig bleibt die Matrix, aus der nun immer neue Vögel geboren werden können.

Mir gefällt meine Vogel-Matrix recht gut, sie hat viel mehr von der Lebendigkeit einer Gebärmutter als all die mathematischen, philosophischen, distopischen, geologischen, medizinischen, esoterischen Matrix-Vorstellungen, die nach und nach in Umlauf kamen, seit der britische Mathematiker J.J.Sylvester den Begriff erstmals in die wissenschaftliche Fachsprache einführte.

Um ihre generative Kraft unter Beweis zu stellen, legte ich die Gen-Schnipsel in neuer Ordnung in die Matrix, aufpassend, dass alles unterkam.

Dass nenne ich KUNST!

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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