Hab Dank, September, sei mir willkommen, Oktober!

Heute bin ich auf die Dachterrasse des Hauses gestiegen, um dem September Adieu zu sagen.

Es hilft ja nichts zu jammern, dass der schöne September nun geht. So richtig septemberlich war mir in diesem Monat eh nicht ums Herz, dafür gab es zu viel Unruhe, zu viel Hin und Her zwischen hier (Mani) und dort (Athen), zu viel Willkommen und Abschied, es gab auch zu viele Handwerker, Arztbesuche, Verhandlungen sowohl hier als auch dort. Von den Weltereignissen und den Entwicklungen in Deutschland, die auch in meiner Idylle Wellen schlagen, will ich gar nicht reden. Doch die wenigen wirklich ruhigen Tage habe ich aus vollem Herzen genossen. So mag ich den September: die Tag- und-Nacht-Waage steht im Gleichgewicht, die Tage sind blau und hell, die Nächte sternklar. Die Früchte reifen und die ersten Blätter verfärben sich und segeln sanft zur Erde.  Das Meer liegt still und glänzend unter dem leuchtenden Himmel. Nichts rührt sich. Der Sommer stand und lehnte und sah den Schwalben zu.

So sagt es Gottfried Benn in seinem wunderbaen Gedicht „Astern“:

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

Der Oktober hat ganz andere Reize für mich als der September. Er darf wild sein, darf die Dinge durcheinanderwerfen, das Laub aufwirbeln und schwere Regenwolken bringen.  Er hat etwas Auflösendes, Abräumendes, Befreiendes. Er macht reinen Tisch mit dem, was sich überlebt hat, schafft Leere, auf dass sich Neues bilden kann. Wenn mir der Sturm ins Gesicht bläst, wenn die Meeresgischt mich nass spritzt, fühle ich meine Lebenskraft wachsen. Ich werde mich ins Meer stürzen, jetzt gerade. Ich werde größere Wege gehen, nicht mehr behindert durch die Sommerhitze. Und ich werde wilder, spontaner, chaotischer malen, soweit es meine Kräfte zulassen. Sei mir willkommen, Oktober! Ich freue mich auf dich!

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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2 Responses to Hab Dank, September, sei mir willkommen, Oktober!

  1. Der September war sehr heftig für mich, viel Schönes und auch Schmerzliches. Ich kann da schlicht keinen roten Faden anbieten. Mir nicht und anderen erst recht nicht.

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  2. Avatar von wildgans wildgans sagt:

    Was für eine außergewöhnlich schöne Monatsbegrüßung!

    Und dass du dich ins Meer schmeißen willst, wie klasse ist das denn!

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