Feuriger Abschied

Zwischen dem ersten und dem zweiten Foto liegen vier Minuten.

Zwischen dem zweiten und dritten Foto liegen nur noch drei Minuten.

 

Eben, um 20.22 Uhr Sommerzeit, sah ich das Holzschiff an der Wand im glühende Rot der untergehenden Sonne davonsegeln, und ich sah, wie das Licht wanderte und erlosch.

Ein Gedicht von Gottfried Benn fiel mir ein. „Astern“ heißt es und ist dem Spätsommer gewidmet. Noch sind wir ja mitten in der Sommersonnenglut. Und doch werden die Tage schon deutlich kürzer – ich sehe es am Gestänge über meinem luftigen Bett, das meine morgendliche Uhr ist. Darauf wandert das erste Licht, das die Sonne über die Berge schickt. Das Metall leuchtet auf – Zeit, wach zu werden.

Gottfried Benn

Astern

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
Und trinken Fahrt und Nacht.

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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7 Responses to Feuriger Abschied

  1. Avatar von kat. kat. sagt:

    Ich war gestern auch in so einem Gedichte- Erinnerungsmodus . Ich saß am See und dachte an alle möglichen Gedichte von Reiner Kunze die ploppten einfach in meinem Kopf auf . Poesie ist was schönes, Lyrik ist was schönes . Danke für das Gedicht!

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  2. Wunderschön ist der Abglanz der rotglühenden untergehenden Sonne, auch mit Deiner Hand. Und plötzlich ist es dunkel.
    Im Norden geht es allmählich~~~~

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  3. „Der Rosen Du“. So ist es wohrichtig, obwohl ich meinte, es als „der Rosen Duft“ gelesen zu haben.

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  4. Ich habe es bei mir angezeigt.

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  5. Gottfried Benn s Gedichte mag ich sehr. Es gibt ja noch einige andere Asterngedichte von ihm , wenn ich mich recht erinnere und jedes hat eine große Aussage.
    Hier in dieses hat er eine ganz feine leise herbstliche Stimmung hineingezaubert, liebe Gerda

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