
Die Stuttgarter Staatsgalerie informiert uns über diese Skulptur von Max Ernst Sous les ponts de Paris/Unter den Brücken von Paris folgendermaßen:
„Diese im Jahr 1961 in Huismes gegossene Bronze geht auf einfache, vorgefundene Materialien zurück, die Max Ernst zu einer froschähnlichen Figur geformt und auf einen hohen Schaft mit belebter Oberflächenbehandlung gesetzt hat. Die Strukturen erzielte der Künstler durch den Abguss von Fischreusen, indem er die von ihm entwickelte Frottagetechnik auf die plastische Gestaltung übertrug. Der Zusammenhang von Schaft und Figur verleiht der Plastik einen Totemcharakter und verweist auf Einflüsse der Kunst von Naturvölkern.
Beim Betrachten deines sehr guten, scharfen Fotos, liebe Myriade, kann ich kaum etwas von all diesen interessanten Informationen nachvollziehen. Nichts weist mich auf „vorgefundene Materialien“ hin, ich sehe keine „lebhafte Oberflächenbehandlung“ und entdecke nichts von „Fischreusen“, die Max Ernst mit „Frottagetechnik auf die plastische Gestaltung übertrug“. „Froschähnlich“? Sicher, es gibt da ein breites Froschmaul, doch fehlt die Beweglichkeit des Frosches. Diese Skulptur steht auf sehr soliden Beinen, die zwar viel Steh-, aber keine Sprungkraft verraten.
Als Totemtier, das unter dem „Einfluss der Kunst der Naturvölker“ entstand, kann es durchaus eine Froschgottheit darstellen, wie ein Vergleich mit im St. Annen-Museum von Lübeck gezeigten „Hilfsgeistern“ unbekannter afrikanischer Künstler zeigt.
Doch ach! Die Hilfsgeister hat man aus ihrem angestammten Raum entfernt und in ein Museum gestellt! Sie protestieren, sie fühlen sich nicht wohl, das spürt man, wenn man zwischen ihnen herumgeht. Und der Froschgott? Fühlt der sich im Museum etwa wohl? Fehlt ihm da nicht sein angestammtes Element, das Wasser?
Wie wäre es, wenn sich die Damen einmal nicht ins Museum, sondern unter die Brücken oder meinetwegen auch auf einen wackeligen Steg über einem Gewässer begeben würden? Vielleicht würden sie dort Entdeckungen machen, die ihre Seele auf eine ganz neue Art erregen.
Ihnen mag wohl ein Wesen erscheinen, das der Inspiration von Max Ernst entspricht. glatt, glänzend vom Wasser und diffusen Licht, mit Glubschaugen und breitem Maul.

