Symptosi (Zufall). Mehr zu Kairos und was heute geschah.

Ist es Zufall*, dass  sich in meinem Leben gerade „Die-Welt-ist-klein“- Erlebnisse häufen? Oder geschieht das, weil sich Lebensfelder nach Mustern ordnen und ich nach solchen Mustern Ausschau halte?

Ich erzählte im Mai, dass eine ehemalige Schülerin von mir Kontakt zu mir aufnahm ausgerechnet an dem Tag, als ich aus der Mani nach Maroussi kam. Beim anschließenden Spazierengehen stellten wir die merkwürdigsten Übereinstimmungen im Leben fest (hier). Wir hatten, ohne voneinander zu wissen, jahrelang in geistigen und sozialen Räumen gelebt, die sich an vielen Stellen überschneiden.

Am vergangenen Montag passierte Ähnliches: Ich ging zur Präsentation der Genossenschaft, die kürzlich von vier Frauen in Kalamata gegründet wurde (hier). „Zufällig“ erfuhr ich, dass zwei der Frauen Samothrake-Fans sind und im Juli vorhaben, auf diese meine Lieblingsinsel zu fahren. Ich selbst war zwanzig Jahre lang auf Samothrake zu Gast, habe dort mit dem Malen begonnen und meine erste Einzelausstellung dieser geheimnisvollen Insel gewidmet (hier).

und besitze dort immer noch ein Stück Land. Ich berichtete ihnen von einer Initiative auf Samothrake, der ich mein dortiges Grundstück zur Verfügung stellen möchte, nachdem anderer Versuch vor vier Jahren, es zu verschenken, scheiterte (hier).

Heute traf ich drei Frauen dieser Samothrake-Initiative. Monika, Kali, Wasso

Dass sie sich „zufällig“ in dem Moment in Athen aufhalten, wo ich auch da bin, ermöglichte es, uns kennenzulernen. Natürlich fragte ich nach evtl Bekanntschaften mit den Kalamatafrauen. Und ja!  Monika aus Samothrake und Ioanna aus Kalamata kennen sich nicht nur, sondern haben im April gemeinsam auf dem Gelände von Panagiotis Manikis gearbeitet. Ein Foto beweist es. (Dritte von links: die Polin Monika aus Samothrake ,Dritte von rechts Ioanna aus Kalamata)

Panagiotis Manikis ist, so könnte man erklärend sagen, eben eine Institution, wo sich viele Gleichgesinnte treffen. Ich selbst war auch schon da oben auf dem Berg, und einmal kam er auch zu mir, als wir im März vergangenen Jahres ein Atelierfest feierten (hier).

Ich freue mich sehr über solche Synchronizitäten, die meinem Leben Sinn geben….

Und worin besteht nun die Initiative der Frauen aus Samothrake? Sie haben dafür eine Power-Point-Präsentation vorbereitet. Einfach draufklicken, und sie öffnet sich (hoffentlich).

Gaia Powerpoint Final Final

 

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*Im Griechischen heißt der Zufall συμπτωση / Symptosi, wörtlich „Zusammenfall“: Zwei Ereignisse treten gleichzeitig auf. Wie ich in Bezug auf die Kaktusblüte schrieb, hatte Gott Kairos mein Eintreffen am Ort des Geschehens wunderbar mit dem vollen Erblühen koordiniert (hier).

Im Deutschen nennt man so etwas Zufall – seit dem Mittelalter gebräuchlich als das, was dem Menschen „zufällt“ – ursprünglich als Lehnsübersetzung für accidens, das „zufällige“, nicht wesentliche Extra, dann immer mehr in der heutigen Bedeutung als etwas, für das es keine kausalen Erklärungen gibt. Zufall eben.

C.G.Jung hat das nichtkausale Zusammentreffen zweier Ereignisse als „Synchronizität“ bezeichnet, wenn das Zusammentreffen von der betroffenen Person als zutiefst bedeutungsvoll erlebt wird. In solchen Momenten scheint sich eine Welt aufzutun, in der weder der Zufall noch Kausalität, sondern Sinn und Bedeutung zu walten scheinen. Anstatt in einer Welt voller Unsinn und Zufällen fühlt man sich plötzlich sicher aufgehoben in einer sinnvollen Welt, und die eigenen Handlungen werden bedeutungsvoll.

 

 

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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13 Responses to Symptosi (Zufall). Mehr zu Kairos und was heute geschah.

  1. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    so ein Glück ,es auch wahrzunehmen,zu begreifen,einmalig, etwas ganz Besonderes, .Schön ,das tut gut.p

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  2. Großartig, Gerda! Ich habe es auch an Elke geschickt, die mich gerade anzurufen versuchte.

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  3. Und auch an Johanna schickte ich es weiter + Family.

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  4. das thema synchronizität fasziniert mich schon lange.

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  5. Zumindest hinsichtlich des Dogmatismus in den Naturwissenschaften.

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  6. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Da Du mein Blog nicht erst seit gestern verfolgst, liebe Gerda, wirst Du dich erinnern, daß ich Ernst Jünger als Schriftsteller schätze. Deine Schilderung von auffälligen Zusammentreffen erinnert mich daran, daß ich in seinen Tagebüchern etliche solcher Koinzidenzen gelesen habe. Ich greife nur ein von ihm als des Aufschreibens würdig erachtetes Beispiel heraus: „Ich träumte im Vorjahr (1977) im November in Lake Orion, daß mich ein schönes junges Mädchen umarmt und küßt. Ich fahre von Flint mit den United Airlines nach Chicago, von Chicago mit derselben Linie nach Omaha. Ich besteige das Flugzeug und sehe das junge Mädchen als Stewardeß. Beim Abflug platzt ein Reifen, Landung in Omaha wird unmöglich. Wir kreisen über eine Stunde, um Benzin zu verlieren, dann gefährliche Notlandung in Chicago.”

    Diese Notiz aus den späten Tagebüchern (Siebzig verweht) des 87-Jährigen ist nur eine, die sein anhaltendes Interesse an zufälligen oder gerade nicht zufälligen Koinzidenzen belegt, die dich unter dem Stichwort „Synchronizität” beschäftigen. Jünger ist geradezu eine Fundgrube für solche Ereignisse. Schon im frühen Das abenteuerliche Herz (2. Fassung 1938) hat er die sprachliche Verfaßtheit solcher vielleicht Nicht-Zufälle im Bild der Kristallographie zu veranschaulichen gesucht: „Was nun die Verwendung des Wortes in diesem Sinne betrifft, so kommt ihr zustatten, daß auch die Sprache Tiefe und Oberfläche besitzt. Wir verfügen über zahlloses Wendungen, denen sowohl eine handgreifliche als auch eine sehr verborgene Bedeutung innewohnt, und was in der Welt des Auges die Durchsichtigkeit, das ist hier geheime Konsonanz.”

    Solche geheimen Konsonanzen mit „verborgenen Bedeutungen” unter der Oberfläche des Zufälligen, uns Zufallenden, wird er (anders als ich) nicht müde aufzuzeichnen. Noch als Hundertjähriger sinniert er im Herbst 1995: „Muscheln und Schnecken prunken mit Farben in einer Tiefe, zu der kein Lichtstrahl dringt. Ist also ihre Schönheit umsonst? Müßige Frage im Hinblick auf eine verborgene Harmonie, die sich selbst genügt und genießt […] Die Relation löst sich in der Substanz auf, überlebt und bestätigt sich in ihr. Es gibt ein Wiedersehen.” – Muß sich da jemand im Angesicht des unausweichlich Bevorstehenden Zuversicht zusprechen?

    Jüngers letzte Eintragung im Tagebuch, am 17. März 1996, knapp zwei Jahre vor seinem Tod, lautet übrigens: „Vielleicht macht mich meine intensive Dostojewski-Lektüre für solche Erscheinungen anfällig.”

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    • Avatar von ulfurgrai ulfurgrai sagt:

      Eigentlich hatte ich nur fragen wollen, was dir an Samothrake so besonders und geheimnisvoll erscheint.

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      • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

        Lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar und deine Nachfrage. Die kann ich aber auf die Schnelle nicht ordentlich beantworten. Nur ein paar Stichworte:

        Hier fand dem Mythos nach die Hochzeit von Kadmos und Harmonia stattMythenerzählung von Roberto Calasso).

        Von hier stammen die ältesten bekannten Mysterienspiele und Einweihungen. Hier wurden die „Großen Götter“ verehrt und der Kabirenkult begründet.

        Hier wurde der Überlieferung nach Alexander der Große während einer heiligen Hochzeit gezeugt, weshalb er sich für einen Sohn des Gottes hielt. Hier bauten Alexanders Nachfolger, die Ptolemäer, große Tempelanlagen, u.a. den größten Rundtempel im Mittelmeerraum. Die Nike von Samothrake (jetzt im Louvre) ist eine der wenigen wieder hergestellten Statuen, die anderen wurden zu Kalk zermahlen, um Häuser zu weißen. (Nike war durch ein Erdbeben verschüttet worden und dadurch gerettet).

        Hier spielt eine der wichtigsten Szenen in Goethes Faust II (Humunculus, das Reagenzgeschöpf, wird mit den Kräften der Natur begabt.)

        Die Genueser haben eine Burg und Türme hinterlassen. Vielleicht stammt auch Kolumbus von hier (damals war Samothrake genuesische Kolonie).

        Samothrake ist eine Art Schwesterberg von Athos, man kann bei klarem Wetter den Athos mit dem bloßen Auge sehen. Auch die nun türkische Insel Imbros ist von Samothrake aus zu sehen.

        Die Bewohner wurden im 19. Jahrhundert während des Aufstands gegen die Osmanen abgemurkst, die Insel wurde neu besiedelt mit Sträflingen und politischen Exilanten. Sie leben vor allem von der Viehzucht, neuerdings auch vom Tourismus. Bis in die 70er Jahre gab es nur ein Fischerboot als Verbindung zum Festland. Oft können auch die modernen Fähren nicht fahren, da es heftige Stürme gibt. Das Meer erreicht bei Samothrake bis zu 1.600 m Tiefe.

        Die sturmdurchbrauste Insel besteht faktisch nur aus einem Bergmassiv, dem Saos (1.600 m über dem Meeresspiegel, der höchste Berg in der Ägäis. Rechnet man die Meerestiefe hinzu, kommt man auf 3.200 m). An den Hängen gibt es einige Flächen für Weizen- und Obstanbau, nur wenige schmale Küstenstreifen, viel Geröll. Mächtigen Wasserfälle, daneben schon in der Antike berühmte heiße Quellen. Quarzadern, Höhlen (sehr alt der Kult der Hekate), gewaltige Platanenwälder und Eichenwälder, sehr schöne freie Ziegen fressen sie ab…

        Natürlich hat die Insel durch den Tourismus viel von ihrer Magie verloren, ist aber immer noch ein Anziehungspunkt für alternative Reisende, Junkies und Naturfreunde, die bei den Wasserfällen unter Platanen frei zelten. Ich kannte die Insel noch fast ohne Straßen…

        Man sagt: die einen sind von Samothrake fasziniert, die anderen finden sie einen öden Platz. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Viele Samothraker leben in Stuttgart-Cannstadt, haben ihre eigene Gemeinde dort, arbeiten bei Mercedes. Wenige zieht es nach Haus, denn das dortige Leben ist sehr schwierig, besonders im Winter, wo es schwere Schneestürme gibt.

        Ob dich dies Sammelsurium neugierig gemacht hat?

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    • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

      Herzlichen Dank, Ulfurgrai! Sehr interessant, das alles. Was das letzte Zitat betrifft: vielleicht ist auch bei mir Dostojewski schuld…, mehr noch als C.G.Jung.

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      • Avatar von ulfurgrai ulfurgrai sagt:

        Na, und ob mich schon diese Menge an Dingen, die mit Samothrake in Verbindung stehen, neugierig macht! Vielen Dank dafür! Aber wer weiß, wann ich mal hinkommen kann, liegt sie meiner Wahrnehmung da ganz im Nordosten Griechenlands in einem ziemlich toten Winkel und ist nach wie vor nicht so ganz leicht zu erreichen, zumal wenn man nicht gern zur Hauptreisezeit hinfahren möchte.

        Zu deinem Thema „Synchronizität“ noch der vielleicht überflüssige Hinweis, dass das Spannungsfeld „Zufall oder Fügung“ für Max Frischs „Homo Faber“ thematisch und geradezu textkonstituierend ist.

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  7. Avatar von Unbekannt Anonymous sagt:

    Aber eigentlich habe ich dich nur fragen wollen, was denn für dich das Besondere und Geheimnisvolle an Samothrake ist.

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  8. Avatar von sonnenspirit sonnenspirit sagt:

    Das habe ich sehr gern gelesen, auch die ganzen Querverweise um die Geschichte zu rekonstruieren.

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