Als ich gestern, im Auto auf den Zeitung kaufenden Ehemann wartend, die Augen schweifen ließ, fiel mir ein langgezogener kunstvoll gewellter Schatten an der Wand einer Kirche auf. Ich dachte dabei: einen Augen-Blick lang nur wird er sich so an der Wand abzeichnen, denn die Erde dreht sich weiter, der Zeit-Punkt wäre, käme ich etwas früber oder später vorbei, verpasst. Eine Illustration zu ΚΑΙΡΟΣ (Kairos, Moment, günstige Gelegenheit, Zeitpunkt.), so anders als ΧΡΟΝΟΣ (Chronos, messbare, gleichmäßig verlaufende Zeit). Zwei sehr verschiedene Götter, die die Griechen zu unterscheiden wussten. Chronos kannst du nicht überlisten, nicht ergreifen, nicht manipulieren, denn er ist der Herrscher über die Bewegungen der Sterne und Planeten im Universum.
Die bewegen sich unabhängig von unseren Wünschen.
Doch Kairos kannst du ergreifen und für dich nutzbar machen.
Ja, kleiner Prinz! Auf den Sonnenuntergang muss man warten, bis die Bedingungen passen! Da hatte der „universelle Herrscher“ über den kleinen Asteroiden durchaus recht. Wenn die Bedingungen aber passen, dann heißt es aufgepasst! Dann ist Kairos am Werk. Dann schau hin, dann lass dir dies Zusammenwirken von rechtem Moment und deiner Aufmerksamkeit zum Erlebnis werden! (vergleiche dazu https://gerdakazakou.com/2026/05/31/25-wochen-ein-objekt-eine-sonnenuntergangs-und-mondaufgangs-app/)
Auch ohne diese Assoziationen finde ich den Schatten bemerkenswert und habe ihn daher fotografiert und „in die Dauer erhoben“. Aus dem gelebten Moment wird abrufbare Geschichte.
