Kunst am Dienstag: Vergleichendes, Architektonisches

Ich bin noch in Maroussi und verdaue das, was ich gestern alles runtergeschlungen habe.

Als erstes möchte ich noch ein paar Eindrücke von der gestern besuchten Ausstellung „Von Monet bis Warhol“ wiedergeben.

Die künstlerische Spannweite, die im Titel der Ausstellung angedeutet ist, wird vielleicht am deutlichsten, wenn man Monets und Lichtensteins „Seerosen“ (1992) gegeneinander stellt. Claude Monet lebte von 1840-1926 und malte 31 Jahre lang immer wieder den Seerosenteich, insgesamt entstanden so etwa 250 Gemälde. Ich habe in meinem Leben vor etlichen dieser grandiosen Gemälde staunend und tief bewegt gestanden.  Roy Lichtenstein (1923-1997) hat sich desselben Themas in vielen Darstellungen angenommen. Das Glitzern des Wassers wird durch ein Relief aus Edelstahl nachgebildet.

Bildausschnitte Claude Monet – Roy Lichtenstein: Ich finde, weniges macht so eindrucksvoll den Abstand deutlich zwischen der innig-beseelten Malerei Monets, die das Licht von Innen leuchten lässt, und der kunstvoll-kalten Bildgestaltung Lichtensteins, die mit der Reflexion des äußeren Lichtes auf der Bildoberfläche rechnet.

Ein anderer Vergleich drängte sich mir auf, als ich das Bild eines Treppenaufgangs (2002) von Sam Szafran (1934-2019) betrachtete und es innerlich mit dem eindrucksvollen Treppenaufgang im Museum selbst, das der berühmte chinesische Architekt I.M.Pei (1917-2019) gestaltete, verglich.

Der französische Künstler Sam Safran, eigentlich Samuel Berger, war von einer Treppe, die er 1960 beim Besuch eines Freundes entdeckte, ähnlich besessen wie Monet von den Seerosen. Er malte sie unzählige Male, aus vielen Perspektiven, bei Tag und in der Nacht. Sie wurde ihm zum Symbol der Lebensfragen des Menschen. Das kann ich nachvollziehen, denn Heraklits Satz „aufwärts – abwärts, dasselbe“ begleitet mich seit langem (zB hier, hier, hier oder hier).

Pei hat zur architektonischen Gestaltung des Museums für Moderne Kunst nur den Innenraum eines alten fünfstöckigen Gebäudes zur Verfügung gehabt, da der ursprüngliche Plan, ein neues Gebäude zu errichten, am Grundstück und an der Bürokratie scheiterte. Das Treppenhaus des Museums fotografierte ich von mittleren Stockwerk aus nach oben blickend.

 

Blickt man aus dem Museum nach draußen, setzt sich das Bild des nach oben sich verengenden architektonischen Raums auf andere Weise fort.

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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2 Responses to Kunst am Dienstag: Vergleichendes, Architektonisches

  1. Avatar von Ulli Ulli sagt:

    Die Fotografien der Museumstreppe gefallen mir sehr, die Symbolik von treppauf, treppab ebenfalls.

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  2. Das sieht interessant aus. Zum Prüfen komme ich kaum noch. Muß ich ja auch nicht.

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