Vom Fallenstellen (Impulswerkstatt)

Liebe Myriade, der Satz, den du für die laufende Impulswerkstatt zur Diskussion gestellt hast, lautet: „Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.“ (hier)

Dazu fiel mir folgendes Gedichtchen ein:

 

 

 

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Vom Fallenstellen 

Vis-a-vis der Mausefalle

Hockt die Maus und denkt bei sich:

Wenn ich mit meiner kleinen Kralle

Den Stift beweg, erwischt es mich?

*

Den Speck den würd ich gerne fressen

Doch ohne dass die Falle fällt

Soll ich mit ihr die Kräfte messen?

Wer hat sie wohl hier hingestellt?

*

Wenn ich den Fallensteller bäte

Den Speck mir freundlich hinzureichen

Vielleicht dass er es gnädig täte

Denn wem gefallen schon die Leichen?

*

Ich hätt den Speck und er die Speisen

Die er im Lager angesammelt

Ich würde seine Großmut preisen

Und ließ in Ruh, was da vergammelt.

*

Ein jedes Mäuslein braucht ja Speck

Und will am Leben sich erfreun

Was haben Fallen für nen Zweck?

Der Fallensteller wird’s bereun

*

Wenn ihm die Falle selbst gestellt

Und er, der eben noch behaglich

Und sicher fühlt sich in der Welt

Auf einmal findet: das ist fraglich!

*

Die Falle schnappt vielleicht gleich zu

Die ich dem Feinde zugedacht

Und Aus ist es mit meiner Ruh

Und Aus ist’s auch mit meiner Macht.

*

Denn er, der Feind, ist ja auch schlau

Und baut das Gleiche, was ich baute,

er traut mir so, wie ich ihm trau

und er haut mich, wie ich ihn haute.

*

Wärs besser nicht, ich könnte essen

Den Speck des Lebens so wie er?

Warum solln wir die Kräfte messen?

Ist Krieg nicht immer Gegenwehr?

*

So gönn dem Mäuslein doch den Speck

Du hast dann Frieden in dem Haus

Sich streiten hat doch keinen Zweck!

Und Fallen gehn oft grässlich aus.

*

Die größte Falle ist zu hassen

anstatt zu lieben seinen Feind

Er wird dich nie in Ruhe lassen

solang er dich als Feind vermeint.

*

Er wird wie du auf Fallen sinnen

solang du ihn bedrohst, mein Freund!

der Logik kannst du nicht entrinnen.

Drum lieb ihn lieber, deinen Feind!

 

 

*

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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20 Responses to Vom Fallenstellen (Impulswerkstatt)

  1. Avatar von m.mama m.mama sagt:

    Ich würde es dem Mäuslein gönnen, dass ihm das gelingt – Zusammenarbeit statt ständiger Kampf

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  2. Die Logik leuchtet irgendwie ein. Aber würden nicht am Ende ganze Mäusescharen mit mir am Tisch sitzen?
    Man könnte es aber mal ausprobieren. Einen Versuch wäre es wohl wert.

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  3. Avatar von Myriade Myriade sagt:

    Eine schöne Idee ist es ja, seine Feinde zu lieben. Ich glaube aber, wirklich gelingt das nur jenen, die ohnehin keine Feinde haben. Aber deine Strophen gefallen mir wie immer sehr gut. Und vielleicht gibt es ja bei den Mäusen bessere Menschen als bei den Menschen …

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    • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

      Seine Feinde zu lieben, liebe Myriade, ist der einzige Weg aus der Falle, in die wir Menschen immer wieder tappen, nämlich zu glauben, dass das Recht (das Gute) auf der eigenen und das Unrecht (das Böse) auf der anderen Seite liegt. Bei Brunis Kommentar schrieb ich von einer Wippe, die bei Kain und Abel begann, sich zu bewegen. Seither schlägt der eine den anderen tot, immer in der Meinung, er verteidige sich und sein Recht. Dabei ist es reine Willkür, wo man das Recht historisch beginnen lässt. –
      Jeder Fallensteller sollte sich bewusst sein, dass der andere ihm gleicht. Wer eine Atombombe entwickelt, kann nicht verhindern, dass auch der andere eine Atombombe entwickelt. Wer einen Superkiller erfindet, wird bald auch einen Superkiller auf der anderen Seite vorfinden. Der Schrecken hält uns im Gleichgewicht.Schrittweise könnten wir uns zurücktasten (es gab schon solche Versuche), indem man den anderen nicht als Feind sieht, sondern als Mitmenschen auf der einzigen Erde anerkennt. Und ihn zu lieben beginnt, wie sich selbst. Das ist Selbsterhaltung.

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      • Avatar von Myriade Myriade sagt:

        dazu gäbe es viel zu sagen, was aber den Rahmen einer Kommentarspalte sprengt. Damit, dass es kein objektives richtig und falsch und damit auch weder Ethik noch Moral gibt, bin ich nicht einverstanden.

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      • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

        Danke, Myriade. Du hast Recht, so wie du das Thema stellst, ist es auch in tausend Worten nicht abzuhandeln. Ich wollte nur die subjektive Seite kurz beleuchten; nämlich die Neigung der Menschen, das Ihre für wahr und gut zu halten, das andere aber für falsch und böse. Achse des Guten – des Bösen, das ist die primitive Weltsicht nach George W Bush. Das Böse darf (muss) man ausmerzen, ohne selbst böse zu werden, man bleibt der Gute….

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      • Avatar von Myriade Myriade sagt:

        Naja, um Glück ist ja nicht jede/r so einfach gestrickt wie Bush jr. und andere
        Prinzipiell stimme ich dir zu, nur würde ich nicht die Begriffe gut und böse wählen, die fallen doch eher in den Bereich des Schwarz/Weiß Sehens bzw völlig undifferenzierter Weltbilder.
        Dass es gut ist, das „Böse“ auszumerzen, ist eine sehr schwierige Frage, auf die es meiner Meinung nach keine klare, eindeutige Antwort geben kann. Wo wären wir heute, wenn der Nationalsozialismus nicht ausgemerzt worden wäre ? oder das Regime der Roten Khmer oder, oder oder ?

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      • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

        Sich auf das „absolut Böse“ in der Politik zu konzentrieren, hilft vielleicht nicht, dem verbreiteten Phänomen der Verurteilung anderer als „böse“ und ihrer daher erlaubten Schädigung bis hin zur Ausmerzung entgegenzutreten. Wie ich oben lese, machst auch du den Unterschied zwischen schlechter Tat und schlechtem Menschen. Das ist immerhin ein brauchbarer Ansatz, auf den ich mich auch einigen könnte.

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  4. Seinen Feind zu lieben ist schwierig, denn er hat mir ein Leid getan, aber ich möchte ihm deshalb doch nicht auch ein Leid antun. Sich gegenseitig Leid anzutun, was soll das bringen?
    Frieden bringt es doch nicht, allerhöchstens Frust, wie ich es ihm zurückzahlen kann und schon hätten wir Krieg. Der Sinn des Lebens kann es nicht sein.

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    • Avatar von gkazakou gkazakou sagt:

      Ja, Bruni, so denke ich auch. Und das ist auch der Sinn dieses Eintrags. „Wie ich dir, so du mir. So wie mir, so ich dir“. Immer sagt man: die andere Seite hat begonnen. Aber das ist reine Willkür, so zu reden. Denn wenn man einen Schritt zurückgeht, hat die eigene Seite begonnen. Davor wieder die andere, dann wieder die eigene… Das ist wie auf der Wippe. Und man kann zurückgehen bis zu Kain und Abel, als die Wippe begann. Gut und Böse sind schön gleichmäßig verteilt in der Menschheit….

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  5. Vom Mäusefallen-Aufstellen bis zum Brudermord durch Kain an Abel ist es aber doch ein ziemlich weiter Weg.
    Dein Gedicht ist davon nicht berührt.

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  6. Ja, aber ich meinte nur die Mausefalle. Ich selbst habe aber noch nie eine aufgestellt und somit keine Maus getötet.
    Die viel größere Sorge, die Du hast, habe ich ebenfalls.
    Aber sollte man jemanden, der eine Mausefalle aufstellt, gleich mitverantwortlich machen fûr das andere Riesenproblem?
    Es ging mir nicht darum, Deinen Beitrag in Frage zu stellen. Er ist gut und richtig.
    Nur die Verknüpfung fühlte sich für mich so an, als würden nun alle gleich mitverurteilt.

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  7. „Ich habe bei… dazu kommentiert“. Das war Deine knappe Antwort. Und so las ich es dort, was Du mir sagen wolltest.
    Dadurch kam es zu diesen Querverbindungen.
    Wenn ich ganz objektiv nur Deinen Beitrag gelesen hätte…. Naja, hätte….

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