Bilder von unterwegs

Heute machte ich wieder einen großen Rundgang ums obere Dorf und zurück auf der anderen Seite der Schlucht, an der unser Haus steht. Das sind, wie mir der Schrittzähler mitteilt, 5,3 km und 23 „Treppen“. Bei sonniger Kälte kann ich solche Strecken leicht bewältigen.

Als erstes halte ich nach den Schneegipfeln Ausschau: hat es in der Nacht wieder geschneit? Ja, der Schnee bedeckt jetzt auch die niedrigeren Hänge des Bergmassivs, liegt aber nicht sehr dicht.

Taygetosgipfel, herangezoomt

Einen schönen Kontrast bildet das rubinrote Laub des wilden Weins (?). am Hang unterhalb eines Hauses.

Ich sehe eine Frau die Straße herunterspazieren, sie führt ihren Hund aus, denke ich. Aber nein, es ist ihr schwerer grauer Kater Leo, der ihr auf dem Fuß folgt. Eine Deutsche, wie sich herausstellt. Wir reden ein bisschen über das zufriedenstellende Wetter hier, und dass das Wetter in Deutschland, das sie im vergangenen Juni und Dezember besucht habe, eher enttäuschend gewesen sei, wir streifen auch die Weltereignisse, versichern uns, dass alles gut enden wird, und wünschen uns ein frohes Neues Jahr. Dann ruft sie den Kater, um weiter bergab zu spazieren, während ich hinauf zum Bergdorf gehe.

Erstaunlicherweise gibt es in diesem mir wohlbekannten Dorf immer etwas Neues zu entdecken. Diesmal fällt mir ein einst mit Elefant und anderem Getier bemalter, nun verrottender Kleinbus auf. Sicher bin ich schon oft dran vorbeigegangen, ohne ihn zu bemerken…

Die beiden charakteristischen Kirchen des Dorfes beeindrucken mich immer, und immer fällt mir dazu die Geschichte der älteren Kirche links ein: sie wurde nie geweiht, weil sie versehentlich nicht auf der Ost-West-Achse gebaut wurde. Eine neue Kirche musste her. Die wurde dann auch gleich bedeutend größer.

Neben dem alten Kirchlein führt eine mit Gras überwachsene Steintreppe abwärts. Die nehme ich und spaziere nun recht bequem durch einen Hohlweg weiter. Vom bewaldeten Hang her ertönt ein Schuss, und ich beginne, laut zu rufen, mit mir selbst zu reden und sogar zu singen. Die Vögel sollen gewarnt sein! Tatsächlich sehe ich einen großen Raubvogel aufsteigen. Nachdem ich den Ausgang der Schlucht umgangen habe, gelange ich zu einem Komplex aus zusammengeschusterten Gebäuden: Wohnhaus, Kirche, Garten und Umfassungsmauer sind nach und nach offenbar in Eigenarbeit entstanden. Die auffälligsten Bauteile habe ich schon öfter fotografiert, zB diese Engelsputte, die einen Pfeiler schmückt.

Heute fallen mir die Gesteine der hohen Umfassungsmauer auf. Ich mache eine kleine fotografische Gesteinssammlung, um euch ein paar besondere Exemplare zu zeigen, die, so unterschiedlich sie auch sind, alle in einer Mauer Platz finden.

Auf dem Weg hinab begegnet mir noch ein landwirtschaftliches Auto. Es hält neben mir, die Fahrerin grüßt lebhaft und wünscht mir ein gutes Neues Jahr. Dann gehts nur noch abwärts. Auch die Sonne sinkt tiefer und blendet mich. Wunderbar wieder das leuchtende Smaragdgrün des Klees, hier in Nachbarschaft mit einem Johannesbrotbaum.

Obgleich es nun kalt wird, mache ich noch einen kleinen Umweg zum Mandarinenbaum, um ein paar Früchte zu ernten. Sie passen neben den früher gepflückten Qumquatfrüchten und den Salbeistängeln in meine Jacken- und Hosentaschen.

Den Rest des Wegs lasse ich aus, der Text ist eh schon zu lang geworden.

 

Avatar von Unbekannt

About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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4 Responses to Bilder von unterwegs

  1. Die Schneegipfel und -.im.Komtrast dazu – das rote Herbstlaub sind immer wieder atemberaubend schön! 🏔️❄️🍁

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  2. Avatar von Christoph Christoph sagt:

    So viele tolle Zeichenmotive!

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  3. Avatar von wildgans wildgans sagt:

    Wie verwunschen, dieser verrottende alte Bus, wie wunderbar, eure Zuversicht, wie herrlich, die beschneiten Bergspitzen…

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  4. Avatar von Amorak Amorak sagt:

    wunderschön ❣️

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